Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Afghanistan

Universitäten nach Taliban-Machtübernahme: Vorhang trennt männliche und weibliche Studierende

  • Yasemin Kamisli
    VonYasemin Kamisli
    schließen

Nach der Taliban-Machtübernahme öffnen in Afghanistan wieder die Universitäten. Jedoch unter neuen Regelungen: Männliche und weibliche Studierende werden voneinander getrennt.

Kabul – Es ist ein Stück Stoff, das Männer und Frauen im Schulungsraum in Kabul trennt. Nach der Machtübernahme der deobandisch-islamistischen Terrorgruppe Taliban* öffnen wieder vereinzelt die Universitäten. Wie die internationale Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sind die neuen Regelungen unter der Terror-Herrschaft auch im Bildungssystem zu spüren: Das strikte Trennen aufgrund des Geschlechts unterstreicht die zukünftig drohende Ungleichheit zwischen Mann und Frau in Afghanistan*.

Jahrzehntelang erkämpften sich die Frauen in Afghanistan ihre Rechte, um möglichst gleichberechtigt am dortigen Alltag teilhaben zu können. Diese wichtige, demokratische Grundlage wurde von den Taliban nicht nur bedroht, sondern rücksichtslos zerstört. „Ich habe mich schrecklich gefühlt, als ich in die Klasse kam. Wir gehen gerade schrittweise 20 Jahre zurück“, so eine 21-jährige Studentin an der Universität Kabul am Telefon mit Reuters, „es ist nicht in Ordnung, uns durch Vorhänge zu trennen.“

Afghanistan nach Taliban-Machtübernahme: Trennung nach Geschlechtern an Universitäten

Die neue Trennung der Geschlechter in afghanischen Bildungseinrichtungen erinnert tatsächlich an die letzte Taliban-Herrschaft vor rund 20 Jahren. Als die islamistische Terrorgruppe in den Jahren von 1996 bis 2001 regierte, durften Mädchen und Frauen weder zur Schule, noch zur Universität oder zur Arbeit. Nach dieser Herrschaft erkämpften sich die Frauen ihre Rechte zurück – nun drohen erneute Einschränkungen in ihrer Freiheit. Zwar versicherten die Taliban nach der Machtübernahme unter anderem, dass sie Frauenrechte „ wahren“ möchten*, doch zeigt sich bisher ein unklares Bild.

Erst kürzlich protestierten in Kabul zahlreiche Frauen für ihre Rechte. Diese drohen ihnen nun teilweise zu entgehen – auch im Bildungssystem.

Lehrende und Studierende aus den Großstädten Kabul, Kandahar und Herat berichteten von den Einschränkungen durch die Taliban: Frauen würden teilweise komplett getrennt von Männern unterrichtet werden. Sie seien sogar in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, da Frauen manche Orte auf dem Campus nicht einmal betreten dürfen. „Die Studierenden waren sehr nervös heute“, berichtete ein Lehrer der Nachrichtenagentur Reuters, „Ich habe sie ständig dazu aufgefordert, einfach hereinzukommen und zu lernen. Und dass wir in den kommenden Tagen sehen werden, welche Regeln die Regierung nun setzen wird.“

Professor in Afghanistan: „Ich weiß nicht, wie viele Studierende an die Universitäten zurückkehren werden“

Nach der Machtübernahme der Terrormiliz bleibt die Lage in Afghanistan weiterhin unklar. Deutlich ist jedoch, dass viele Studierende Angst vor dieser Unsicherheit haben. Ein Journalismus-Professor der Herat Universität im afghanischen Westen gibt sich besorgt: In seinem Kurs erschienen weniger als ein Viertel der angemeldeten Studierenden. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass etliche Menschen aus dem Land flüchteten.

Dabei bleibt es jedoch nicht – neben den Unsicherheiten und Ängsten würden den Menschen in Afghanistan auch finanzielle Probleme Sorgen bereiten. Die Machtübernahme der Taliban habe eine wirtschaftliche Krise ausgelöst. „Ich weiß nicht, wie viele Studierende an die Universitäten zurückkehren werden“, so ein anderer Professor einer Privatuniversität in Kabul, „besonders weil viele von ihnen aus Familien kommen, welche nun ihre Jobs verloren haben.“ (Yasemin Kamisli/rtrs) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Wali Sabawoon / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare