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Recep Tayyip Erdogan
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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, mit den Taliban in Afghanistan zusammenarbeiten zu wollen. (Archivbild)

Türkischer Präsident

„Mit allen Menschen befreundet“: Erdogan will mit Taliban in Afghanistan kooperieren

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Der türkische Präsident möchte mit den Taliban zusammenarbeiten. Im Vordergrund stehe der Frieden in Afghanistan, begründet Recep Tayyip Erdogan sein Vorhaben.

Ankara/Kabul – Nachdem die radikal-islamistischen Taliban in Afghanistan die Macht übernommen haben, hat Recep Tayyip Erdogan überwiegend freundliche Wort in die Hauptstadt Kabul geschickt. Man wolle mit dem Land weiterhin zusammenarbeiten, so der türkische Staatspräsident.

„Mit der Übernahme der Kontrolle über das Land durch die Taliban hat sich vor uns ein neues Bild ergeben. Wir richten unsere Pläne nach diesen neuen Gegebenheiten vor Ort aus und setzen unsere Verhandlungen entsprechend fort“, sagte Erdogan laut der englischsprachigen Zeitung Hürriyet Daily News in einem Fernsehinterview am Mittwoch (18.08.2021).

Machtübernahme in Afghanistan: Erdogan will mit Taliban zusammenarbeiten

Die Türkei hatte bereits zuvor erklärt, man könne die Führung der Taliban empfangen. „Vielleicht werde ich sogar in der Lage sein, die Person zu treffen, die ihr Anführer ist“, sagte der AKP-Politiker vor knapp einer Woche dem Sender CNN Türk. Dies gelte weiterhin, seit einiger Zeit stünden die türkischen Behörden in Kontakt mit der islamistischen Gruppe, so Erdogan. „Wir behalten diese Haltung auch heute bei. Wir sind zu jeder Art von Kooperation bereit, um den Frieden des afghanischen Volkes, das Wohlergehen unserer in dem Land lebenden türkischen Verwandten und den Schutz der Interessen unseres Landes zu gewährleisten.“

Den angeblich moderateren Kurs, den die Taliban propagieren, kommt in der Türkei gut an. „Wir begrüßen gemäßigte und zurückhaltende Äußerungen der Taliban-Führer“, erläuterte Erdogan und merkte an, dass die Islamisten gegenüber der Türkei nie eine aggressive Haltung eingenommen hätten. Sie seien „in Bezug auf ihre Außenpolitik vorsichtiger und sensibler geworden. Ich hoffe, dass sich diese Sensibilität auch in Zukunft fortsetzen wird“, fügte der 67-Jährige hinzu.

Erdogan spricht von „gemäßigtem“ Kurs der Taliban: Ist das in Afghanistan Realität?

Fachleute und Beobachter:innen gehen nicht davon aus, dass die Terrorgruppe in Afghanistan tatsächlich einen Kurs einschlagen wird, der Menschen- und insbesondere Frauenrechten einen höheren Stellenwert gibt, als während ihrer Schreckensherrschaft in den 90er-Jahren. Frauen durften damals weder ohne Begleitung das Haus verlassen noch Bildungseinrichtungen besuchen, Andersdenkende wurden von den Taliban unterdrückt, Menschen brutal ermordert – öffentlich und teils per Steinigung.

Trotz der Verkündungen der Taliban einen anderen Weg gehen zu wollen, gibt es zahlreiche dramatische Nachrichten, die aus Afghanistan gemeldet werden. So teilte die Deutsche Welle am Donnerstag (19.08.2021) mit, dass Kämpfer ein Familienmitglied eines Journalisten des deutschen Auslandssenders erschossen haben. Ein zweiter Familienangehöriger sei bei der Attacke schwer verletzt worden. Videos in sozialen Netzwerken zeigen außerdem Leichen ermordeter Menschen, die auf den Straßen liegen, es gibt Berichte über Vergewaltigungen und Folter.

Afghanistan: Erdogan ist auch mit den Taliban „befreundet“

Die Beteuerungen der Taliban, keine Vergeltungsaktionen an Vertreter:innen der afghanischen Regierung, Ortskräften oder Mitarbeiter:innen internationaler Organisationen vornehmen zu wollen, hält der Leiter der Denkfabrik RHIPTO Norwegian Center for Global Analyses, Christian Nellemann, für unglaubwürdig. „Sie versuchen einfach, die Leute an Ort und Stelle zu halten, um sie festnehmen zu können“, sagte Nellemann der Nachrichtenagentur dpa.

Tausende Menschen versuchen verzweifelt aus dem Land zu kommen. Streitkräfte der türkischen Armee sichern mit US-Truppen den Flughafen in Kabul, die Situation dort ist weiterhin chaotisch. Die Militärpräsenz der Türkei trage zur Sicherheit des Landes bei und ebne der neuen Regierung den Weg auf die internationale Ebene, sagte Erdogan. „Es geht darum, einen Konsens mit den afghanischen Vertretern zu erreichen. Wir können über verschiedene Optionen sprechen.“ Auch die Taliban dürften nicht ausgeschlossen werden. „Wir sind mit allen Menschen befreundet.“ (tvd)

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