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Schwieriges Terrain: Ein afghanischer Zivilist radelt an einem Bombenkrater vorbei. 

Afghanistan

Regierungskräfte töten viele Menschen

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In Afghanistan sterben mehr Zivilisten durch reguläre Kräfte als durch Rebellen. 

Ein Teil der UN-Erhebung ist positiv: Die Zahl der Zivilisten, die in Afghanistan durch Aufständische oder Sicherheitskräfte getötet oder verletzt wurden, ist zu Beginn des Jahres auf den niedrigsten Erst-Quartals-Stand seit 2013 gesunken, heißt es im Bericht der Afghanistan-Mission Unama. 1773 Opfer gab es unter Zivilisten von Januar bis März: 581 starben, 1192 wurden verletzt. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 mit einer Opfer-Gesamtzahl von 2035 (davon 799 Tote) sind das 23 Prozent weniger.

Doch es gibt eine problematische Entwicklung: Regierungstruppen und ihre internationalen Unterstützer haben in den ersten drei Monaten des Jahres 305 Zivilisten getötet – und damit mehr als die Taliban oder IS-Milizen, die 227 Menschen töteten. Opfer von Pro-Regierungs-Kräften starben der UN zufolge vor allem durch Luftangriffe, die zum Teil auch durch internationale Unterstützertruppen ausgeführt wurden. Die meisten zivilen Todesopfer von Rebellen gab es bei einem Granatwerfer-Angriff in der Hauptstadt Kabul sowie bei Anschlägen. Besonders gefährdet waren die Menschen in Kabul sowie in den Provinzen Helmand, Nangahar, Faryab und Kunduz.

Die FDP forderte angesichts der UN-Zahlen die Bundesregierung auf, den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zu überprüfen. Die deutschen Soldaten bilden dort auch afghanische Sicherheitskräfte aus. „Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan muss dringend evaluiert werden“, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der Liberalen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Überprüft werden muss unter anderem, ob die Ausbildung der Sicherheitskräfte ausreichend ist, ob sie verändert oder sogar beendet werden muss. Zentraler Bestandteil der Ausbildung muss sein, dass der Schutz der Zivilbevölkerung Vorrang hat.“

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Fritz Felgentreu, betonte: „Entscheidend ist, dass die afghanischen Streitkräfte sich dem Schutz der Zivilbevölkerung verpflichtet wissen. Dazu bildet die Bundeswehr sie aus.“

Die Linkspartei warf Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor, Opferzahlen zu verschweigen. Das Ministerium „weigert sich seit Beginn des Einsatzes die Zahl verletzter oder getöteter Zivilisten dem Parlament zur Verfügung zu stellen“, sagte Linken-Verteidigungsexperte Alexander Neu.

Vom Verteidigungsministerium gab es zunächst keine Stellungnahme.

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