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Taliban übernehmen Kontrolle

Afghanistan: Flughafen von Kabul – Bundeswehr startet Rettungsaktion

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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  • Melanie Gottschalk
    Melanie Gottschalk
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Nach der Machtübernahme der Taliban eskaliert am Flughafen Kabul in Afghanistan die Situation. Die Bundeswehr fliegt erste Menschen aus Kabul aus.

+++ 07.55 Uhr: Am Dienstagmorgen äußerte sich nun auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zu dem Evakuierungsflug der Bundeswehr vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Taschkent. Dieser sei unter äußerst schwierigen Umständen erfolgt. „Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allen Dingen durch die Menschenmengen“, sagte die CDU*-Politikerin gegenüber der ARD.

„Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war gestern der Hauptauftrag“, so die Ministerin. Kramp-Karrenbauer erklärte darüber hinaus auch, dass mit dem ersten Flug aus Kabul deutlich weniger Deutsche aus Afghanistan ausgeflogen werden konnten, als ursprünglich geplant.

„Wir hatten nur ganz wenig Zeit, und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren, und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein“, sagte Kramp-Karrenbauer. Auf die in einem Medienbericht genannte Zahl von sieben Personen von der offiziellen Ausflugsliste an Bord der Maschine ging sie nicht explizit ein.

Afghanistan: Flughafen von Kabul – Evakuierungsflug der Bundeswehr gestartet

Update vom Dienstag, 17.08.2021, 06.45 Uhr: Angesichts des Eroberungsfeldzuges der Taliban und dem Eingeständnis der Niederlage der afghanischen Regierung, bemühen sich westliche Staaten, darunter die USA und Deutschland, weiter, ihr ziviles Personal schnellstmöglich aus Afghanistan herauszufliegen. Die USA setzt 6000 Soldaten ein, um die Sicherheit am Flughafen in Kabul zu gewährleisten.

In der Nacht zum Dienstag (17.08.2021) hat die deutsche Bundeswehr eine erste Menschengruppe aus Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, in Sicherheit gebracht. Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte, startete ein A400M-Transportflugzeug in Richtung Taschkent in Usbekistan. Der Flug hatte sich zunächst um mehrere Stunden verzögert, da das Militär der USA den Flugverkehr wegen des Ansturms tausender Menschen ausgesetzt hatte. Erst am Montagabend wurde der Flughafen in Kabul wieder freigegeben. Wie viele Menschen an Bord des ersten Evakuierungsflugs der Bundeswehr waren, ist bisher nicht bekannt. Laut dem Verteidigungsministeriums blieben einige Bundeswehr-Soldaten in Kabul, um weitere Evakuierungsflüge vorzubereiten. Die Luftwaffe plant, eine Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent einzurichten.

US-Präsident Joe Biden verteidigt Abzug der US-Truppen aus Afghanistan

Am Flughafen von Kabul hatten sich am Montag dramatische Szenen abgespielt. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, an Bord von Evakuierungsflugzeugen zu gelangen. Videos zeigten, wie sich zahlreiche Afghanen an einen Transportflieger des US-Militärs klammerten. Medienberichten zufolge starben mehrere Menschen, als sie von dem Flugzeug überrollt wurden oder herunterfielen.

Am Abend verteidigte US-Präsident Joe Biden* im Rahmen einer Fernsehansprache im Weißen Haus den Truppenabzug der USA aus Afghanistan: „Ich stehe aufrecht hinter meiner Entscheidung“, sagte Biden, der wegen des chaotischen Abzugs und der Rückkehr der Taliban an die Macht in die Kritik geraten ist. „Amerikanische Soldaten können und sollten nicht in einem Krieg kämpfen und sterben, den die afghanischen Streitkräfte selbst nicht kämpfen wollen“ sagte Biden. Er sei zwar „zutiefst traurig“ über die Entwicklung in Afghanistan. „Aber ich bedaure meine Entscheidung nicht.“

Unterdessen forderte António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), die Weltgemeinschaft zur Einigkeit im Umgang mit der „terroristischen Bedrohung in Afghanistan“ auf. Afghanistan dürfe „nie wieder als Plattform oder sicherer Hafen für Terrororganisationen benutzt“ werden, sagte der Portugiese bei einem Dringlichkeitstreffen des UN-Sicherheitsrates. In Brüssel wurden für Dienstag Krisensitzungen der Nato-Botschafter und der EU-Außenminister einberufen. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will in den kommenden Tagen einen virtuellen G7-Gipfel organisieren.

Afghanistan: Flughafen von Kabul – Menschen klammern sich an startende Flugzeuge

+++ 19.45 Uhr: Im Chaos am Flughafen von Kabul sind zwei Menschen getötet worden. Inmitten von tausenden Menschen, die sich dort friedlich aufhielten, hätten zwei Männer ihre Waffen „auf bedrohliche Weise geschwungen“, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. „Beide wurden getötet.“

Starts und Landungen in Kabul wurden danach vorübergehend ausgesetzt. Wegen der Menschenmengen auf dem Flugfeld würden derzeit keine militärischen oder zivilen Flugzeuge starten oder landen, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. „Wir wollen nicht, dass weitere Menschen zu Schaden kommen.“

US-Soldaten würden gemeinsam mit Soldaten aus der Türkei und anderen Staaten versuchen, das Gebiet „methodisch“ zu räumen, sagte Kirby. Es solle ein „sicheres Umfeld“ geschaffen werden, damit der Flugverkehr wieder aufgenommen werden könne.

Zahlreiche Afghanen versuchen in Flugzeuge zu gelangen.

Update vom Montag, 16.08.2021, 15.05 Uhr: Am Flughafen von Kabul geht es einen Tag nach der Machtübernahme durch die Taliban drunter und drüber. Verzweifelte Menschen versuchten, auf Flüge zu kommen, wie in sozialen Medien geteilte Videos und Bilder zeigten. Sie kletterten unter anderem über Drehleitern, um in ein Flugzeug zu gelangen.

Für Entsetzen sorgten in Kabul besonders Aufnahmen, die zeigen sollen, wie Menschen aus großer Höhe aus einem Militärflugzeug fallen. Es wurde gemutmaßt, dass sie sich im Fahrwerk der Maschine versteckt hatten oder sich einfach am Flieger festhielten. Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden. Auf einem anderen Video ist zu sehen, wie Dutzende Menschen neben einer rollenden US-Militärmaschine laufen. Einige klettern auf das Flugzeug und klammern sich fest.

Ein afghanischer Journalist erzählte dem US-amerikanischen Newsportal The Daily Beast, dass er und acht Familienmitglieder versucht hatten, Kabul zu verlassen, bevor die Stadt fiel. „Es herrscht Angst und Panik unter allen: Männer, Frauen, Kinder, die verzweifelt versuchen, hier rauszukommen“, sagte der Journalist. „Es gibt keine Chance, aber immer noch rennen die Leute zum Flughafen.“

Nur raus aus Kabul: Die Menschen in Afghanistan wollen mitgenommen werden.

Afghanistan: Chaotische Szenen am Flughafen in Kabul – Mehrere Tote nach Schüssen

Erstmeldung vom Montag, 16.08.2021, 11.53 Uhr: Kabul - Nach dem Einmarsch der radikal-islamischen Taliban* in der afghanischen Hauptstadt Kabul herrscht am Flughafen der Stadt Chaos. Tausende Menschen versuchten am Montagmorgen (16.08.2021), einen Platz auf einem Evakuierungsflug zu bekommen. US-Soldatinnen und Soldaten, die laut US-Regierung den Flughafen sichern, feuerten Schüsse in die Luft, um die Menge zu kontrollieren. Darüber hinaus sollen laut Wall Street Journal mindestens drei Menschen getötet worden sein. Deutschland, die USA* und andere westliche Staaten arbeiteten unterdessen mit Hochdruck daran, ihre Staatsbürger und afghanische Mitarbeitende auszufliegen.

Die Menschenmenge hilfesuchender afghanischer Bürger:innen erreichte auch das Rollfeld des Flughafens. „Ich habe sehr viel Angst. Sie feuern viele Schüsse in die Luft“, sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur AFP am Montag. „Ich habe gesehen, wie ein junges Mädchen überfahren und getötet wurde“, berichtete er weiter.

Taliban übernimmt Macht in Afghanistan: Dramatische Aufnahmen vom Flughafen in Kabul

Dramatische Aufnahmen, die auf Online-Plattformen gepostet wurden, zeigten verzweifelte Zivilisten, die eine bereits überfüllte und verbogene Treppe hinaufkletterten, um ein geparktes Passagierflugzeug zu besteigen. Einige hingen mit den Händen am Treppengeländer. Laut Wall Street Journal seien insgesamt mindestens drei Menschen durch Schüsse getötet worden. Zeug:innen wollen die Leichen am Boden gesehen haben. Der Flughafen in Kabul wird von US-Soldat:innen gesichert, um die „sichere Abreise“ von Mitarbeitenden der USA und verbündeter Staaten in Zivil- und Militärflugzeugen zu ermöglichen.

Viele der Menschen wurden durch Gerüchte oder Falschmeldungen im Netz angezogen. „Ich habe auf Facebook gelesen, dass Kanada Asylanträge aus Afghanistan annimmt“, sagte ein Mann, der laut eigenen Angaben Soldat in der afghanischen Armee war. Er sei deshalb in Gefahr: „Die Taliban haben es definitiv auf mich abgesehen“, sagte er.

Afghanistan: Flughafenverwaltung in Kabul stellt kommerziellen Flugverkehr ein

Die Flughafenverwaltung stellte unterdessen den kommerziellen Flugverkehr ein. „Es wird keine kommerziellen Flüge vom Hamid-Karsai-Flughafen geben, um Plünderungen und Verwüstungen zu verhindern. Bitte begeben Sie sich nicht zum Flughafen“, hieß es in einer an Journalist:innen versendeten Mitteilung. Auch die US-Botschaft in Kabul forderte auf Twitter US-Staatsangehörige und afghanische Bürger:innen auf, „nicht zum Flughafen zu reisen“.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan herrscht am Flughafen von Kabul Chaos.

Die USA, Deutschland und weitere westliche Staaten hatten bereits am Sonntag (15.08.2021) Staatsbürger:innen und Botschaftspersonal an den Flughafen gebracht, um sie von dort auszufliegen. Wie die USA erklärten, halte sich ihr Botschaftspersonal getrennt von den Menschen ohne Reiseerlaubnis auf.

„Tausende“ US-Bürger:innen sollen aus Afghanistan ausgeflogen werden

„Hunderte“ Botschaftsmitarbeitende sind laut US-Angaben bereits außer Landes. Am Montag und in den Folgetagen sollten nach Angaben des Außenministeriums „tausende“ in Afghanistan lebende US-Bürger, Ortskräfte der US-Vertretung in Kabul sowie deren Familien und andere „besonders gefährdete“ afghanische Bürger:innen ausgeflogen werden.

67 Länder, darunter auch Deutschland, forderten die Taliban in einer Erklärung auf, alle ausreisewilligen afghanischen Bürger:innen und Ausländer:innen ausreisen zu lassen.

Erste deutsche Botschaftsmitarbeiter:innen werden aus Afghanistan ausgeflogen

Außenminister Heiko Maas (SPD*) hatte am Sonntagabend in Berlin angekündigt, die ersten Botschaftsmitarbeitenden würden noch im Laufe des Tages ausgeflogen. Die Sicherheit der deutschen Staatsangehörigen, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Botschaft „und genauso der Menschen, mit denen wir in den letzten Jahren in Afghanistan zusammengearbeitet haben“, habe oberste Priorität. „Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen“, sagte Maas.

Am Montagmorgen teilte das Verteidigungsministerium mit, dass ein erstes A400M-Transportflugzeug der Bundeswehr aus Wunstorf nach Kabul gestartet sei, um „die zu Schützenden aus Afghanistan in Sicherheit“ zu bringen. „Fest steht: Es ist ein gefährlicher Einsatz für unsere Soldatinnen und Soldaten“, erklärte das Ministerium bei Twitter.

Radikal-islamische Taliban erobern afghanische Hauptstadt Kabul

Die Taliban hatten am Sonntag nach einem zehntägigen Eroberungsfeldzug durch Afghanistan die Hauptstadt Kabul erreicht.* Die afghanische Regierung erklärte sich zur Machtübergabe bereit, Präsident Aschraf Ghani floh ins Ausland. In einer Facebook-Botschaft gestand er die Niederlage gegen die Taliban ein.

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban feierten am Sonntagabend im Präsidentenpalast ihren „siegreichen“ Feldzug gegen die afghanische Regierung. Nachdem die Polizei und andere Regierungstruppen am Sonntag ihre Posten in Kabul aufgegeben hatten, übernahmen Taliban-Kämpfer Kontrollpunkte in der Stadt.

Am Montag waren Kämpfer mit Gewehren über den Schultern zu sehen, die durch die Straßen der Grünen Zone liefen - dem ehemals stark befestigten Viertel, in dem die meisten Botschaften und internationalen Organisationen untergebracht sind. (msb mit afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © WAKIL KOHSAR/afp

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