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Jahresgehalt statt Ausreise

Afghanistan: GIZ bietet Ortskräften finanzielle Unterstützung an – wenn sie im Land bleiben

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Ein Jahresgehalt im Voraus soll Ortskräfte der Entwicklungshilfeagentur GIZ dazu bringen, in Afghanistan zu bleiben, anstatt sich auf die Ausreiselisten setzen zu lassen.

Kabul – Tage nach der Machtergreifung durch die Taliban in Afghanistan hoffen immer noch Zehntausende Menschen darauf, aus Afghanistan evakuiert zu werden, weil sie vor Ort um ihr Leben fürchten. Zahlreiche von ihnen, weil sie vorher als Ortskräfte den westlichen Einsatzkräften zugearbeitet hatten. Zu diesen Menschen zählen nach Angaben der Deutschen Presseagentur auch etwa 1.100 Beschäftigte der GIZ, die bis zuletzt für die Entwicklungshilfeagentur der Bundesrepublik gearbeitet hatten. Zahlreiche weitere sind aus dem Dienst ausgeschieden – dass sie deshalb weniger Angst vor der Rache der Taliban haben müssen, bedeutet das allerdings nicht.

Eine Praxis der GIZ, die ein Bericht des Spiegel vom Sonntagmorgen aufdeckte, wirkt im Vergleich dazu fast zynisch: Demnach habe die GIZ afghanischen Ortskräften, die im Land bleiben wollen, ein Jahresgehalt im Voraus in Aussicht gestellt – unter der Bedingung, sich nicht in das Programm für die Rückführung von Ortskräften aufnehmen zu lassen. Auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur hat die Entwicklungshilfeagentur die Berichte inzwischen bestätigt. Die Entwicklungshilfe im Land sei seit der Machtübernahme der Taliban vergangene Woche ausgesetzt worden. Diejenigen die das Angebot annehmen, bekämen somit finanzielle Unterstützung ohne weiter ihrer Beschäftigung nachzugehen, heißt es vonseiten der GIZ.

Tausende Menschen wollen Afghanistan aus Angst um ihr Leben verlassen, darunter auch viele Frauen und Kinder.

Finanzielle Unterstützung für Ortskräfte in Afghanistan: Schwere Kritik an der GIZ

Die Kritik an diesem Verfahren ließ nicht lange auf sich warten. Die FDP-Verteidigungspolitikern Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannte es auf Twitter „abstoßend“ und fragte die GIZ: „Was läuft bei euch falsch?“ Die Grünen-Fraktionsgeschäftsführung Britta Haßelmann nannte das Vorgehen „bitter“. „Ein weiterer Tiefpunkt im Handeln der Bundesregierung“, schrieb sie auf Twitter.

Entgegen der Kritik betonte die GIZ, dass die Mitarbeiter nicht zum Bleiben gedrängt werden würden: Aus rechtlichen Gründen müssten sie zwar im Gegenzug versichern, sich nicht in das Programm für die Rückführung von Ortskräften aus Afghanistan aufnehmen zu lassen. „Sollten die Ortskräfte aber ihre Meinung ändern, insbesondere wenn sich die Gefährdungslage ändert, dann können sie sich immer noch auf die Ausreiseliste setzen lassen“, sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der Deutschen Presse-Agentur.

Evakuierung von Ortskräften aus Afghanistan: Hohe bürokratische Hürden

Alle afghanischen Ortskräfte würden „unbürokratisch unterstützt – finanziell und nicht-finanziell“, erklärte das Ministerium. Dazu zählten „Hilfe bei Unterbringung, Ausreise sowie – wenn sie im Land bleiben wollen – eine finanzielle Unterstützung in Höhe eines Jahresgehalts zur Überbrückung der schwierigen Lage“. Letzteres sei von den afghanischen Beschäftigten begrüßt worden. So positiv wie von der GIZ dargestellt, sehen das jedoch längst nicht alle.

Derweil seien die Hürden für eine Ausreise aus Afghanistan nach wie vor hoch und das nicht nur, weil rund um den Flughafen in Kabul noch immer Chaos herrscht und Taliban die Zugänge kontrollierten. Der Spiegel berichtet etwa von einem ehemaligen GIZ-Mitarbeiter, der sein Leben riskiert hätte, indem er bis 2017 für die GIZ Informationen über die Taliban einholte und bereits mehrfach Angriffen ausgesetzt gewesen sei. Weil dieser jedoch seit über zwei Jahren nicht mehr für die GIZ arbeitet, sei er nicht berechtigt einen Antrag auf Evakuierung zu stellen. Stattdessen verstecke er sich nun in der Wohnung eines Freundes, berichtete der Spiegel. (ska/dpa)

Rubriklistenbild: © Staff Sgt. Victor Mancilla/dpa

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