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Afghanistan droht nach Taliban die nächste Katastrophe

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Von: Jan Dirk Herbermann

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Den UN fehlen mehr als halbe Milliarde US-Dollar für den Einsatz. Neben Gewalt und Terrorismus plagen Naturkatastrophen, Dürren, Armut und Seuchen Afghanistan.

Kabul/Genf - Der darbenden afghanischen Bevölkerung drohe eine „humanitäre Katastrophe“, warnt UN-Generalsekretär António Guterres in Genf. Und er betont: „Wir können und werden die Menschen in Afghanistan nicht im Stich lassen.“ Während die ausländischen Truppen das zerrissene Land im Eiltempo verließen, bleiben humanitäre Helferinnen und Helfer der UN und anderer Organisationen vor Ort.

Doch ob die UN das Versprechen ihres Generalsekretärs einlösen können, ist fraglich. Die Lage sei „hochkomplex“, betont der stellvertretende Afghanistan-Beauftragte der UN, Ramiz Alakbarov. Vor allem macht den Mitarbeitenden des Welternährungsprogramms der UN oder des Kinderhilfswerks Unicef das schiere Ausmaß der Krise zu schaffen. Neben Gewalt und Terrorismus plagen Naturkatastrophen, Dürren, bittere Armut und Seuchen wie Corona die Afghaneninnen und Afghanen.

UN-Generalsekretär António Guterres im Jahr 2017 in der Nähe von Kabul.
UN-Generalsekretär António Guterres im Jahr 2017 in der Nähe von Kabul. © AFP

Kinder könnten in Afghanistan verhungern

Schon bevor die radikalislamistischen Taliban die Macht an sich rissen, brauchte fast die Hälfte der rund 38 Millionen Menschen des Landes Hilfe von außen: Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Unterkünfte.

Besonders leiden die Kinder. Nach UN-Erhebungen werden die Hälfte aller Mädchen und Jungen unter fünf Jahren in den nächsten zwölf Monaten „akut unterernährt“ sein. Mit anderen Worten: Viele der Kleinen stehen kurz vor dem Hungertod oder können Krankheiten keine Abwehrkräfte mehr entgegensetzen.

Afghanistan: Die UN wollen den Fehlbetrag schnell einsammeln

Zudem mangelt es den UN und ihren Partnern in Afghanistan am Geld. Bis Mitte voriger Woche hatten Geber wie Deutschland erst 40 Prozent der benötigten Finanzmittel für 2021 eingezahlt. Am Dienstag (07.09.2021) bezifferte das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe die Finanzlücke für die restlichen Monate des laufenden Jahres auf 606 Millionen US-Dollar.

Afghanistan: Taliban-Kämpfer posieren in Kabul.
Afghanistan: Taliban-Kämpfer posieren in Kabul. © Saifurahman Safi via www.imago-images.de

Die UN wollen den Fehlbetrag schnell einsammeln. Den Anfang soll eine internationale Hilfskonferenz für Afghanistan am nächsten Montag machen. Generalsekretär Guterres lädt Regierungsmitglieder zu dem Krisentreffen nach Genf ein. Neben Finanzzusagen erwarten die UN einen Appell der Konferenz an die Taliban: Die neuen Herrscher sollen Helfenden vollen und ungehinderten Zugang zu den Bedürftigen gewähren.

Der UN-Einsatz in Aghanistan steht permanent auf dem Prüfstand

Die Taliban wissen: Der UN-Einsatz in Afghanistan steht permanent auf dem Prüfstand. Falls die Gefahren zu unberechenbar werden, wäre ein zeitweiliger, teilweiser oder vollständiger Abzug des UN-Personals die Folge. (Jan Dirk Herbermann)

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