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„Erschreckende Bilanz“ - Tausende Ortskräfte noch in Afghanistan

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Von: Tim Vincent Dicke

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Schutzbedürftige Menschen gehen kurz nach dem Flug aus Kabul zu einem Bus.
Viele ehemalige deutsche Ortskräfte sitzen weiterhin im von den Taliban beherrschten Afghanistan fest. (Archivfoto) © Marc Tessensohn/dpa

Monate nach der Taliban-Machtübernahme sitzen viele deutsche Ortskräfte noch immer in Afghanistan fest. Die Linken üben scharfe Kritik.

Kabul/Berlin – Menschen, die verzweifelt versuchen, an Bord einer Militärmaschine zu kommen, einzelne von ihnen klammern sich an die startenden Flugzeuge fest und stürzen aus Hunderten Metern zu Boden. Es waren schockierende Bilder, welche die Welt im Jahr 2021 aus Afghanistan erreichten. Nun kommt heraus: Rund fünf Monate nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban sitzen noch Tausende frühere Ortskräfte deutscher Stellen in dem Krisenstaat am Hindukusch fest.

Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Linksfraktion berichten, konnten seit Mitte Mai 2021 mehr als 9300 Afghaninnen und Afghanen in Deutschland einreisen. Tausende weitere verfügen über Aufnahmezusagen der Bundesregierung.

Mehr als 20.000 Zusagen für Ortskräfte in Afghanistan

Dem Bericht zufolge stellte die Bundesregierung bis Mitte Januar rund 20.400 Aufnahmezusagen für afghanische Ortskräfte und deren Angehörige aus. Hinzu kommen etwa 8000 weitere Zusagen für die Aufnahme von „besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen und deren Kernfamilien“. Dazu zählen beispielsweise Medienschaffende oder Frauenrechtlerinnen.

In der Antwort des Auswärtigen Amtes auf die Anfrage der Linksfraktion heißt es, dass „viele Personen mit Aufnahmezusage bereits eigenständig Afghanistan verlassen“ hätten und sich derzeit in Drittstaaten wie Pakistan befänden. Grundsätzlich könnten frühere Ortskräfte deutscher Stellen sowie besonders gefährdete Menschen weiterhin Gefährdungsanzeigen bei den deutschen Behörden stellen.

Ortskräfte in Afghanistan: Linke sprechen von „erschreckender Bilanz“

Die Linksfraktion übt deutliche Kritik am Einsatz der Bundesregierung zum Schutz der gefährdeten Menschen in Afghanistan. „Erst ein Drittel der gefährdeten Personen mit einer Ausnahmezusage konnte bislang nach Deutschland kommen. So viele Monate nach der Machtübernahme durch die Taliban ist das eine erschreckende Bilanz“, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Clara Bünger den Funke-Zeitungen. Die Bundesregierung müsse „ihre Anstrengungen deshalb verdoppeln, um die gefährdeten Menschen so schnell wie möglich aus dieser verzweifelten Lage zu befreien“.

Die Taliban hatten im August nach 20 Jahren Kampf gegen die von den USA und Nato-Truppen gestützte Regierung die Macht in Afghanistan übernommen. Beim hastigen Rückzug der US-Truppen, der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen waren Tausende einheimische Hilfskräfte in dem Land zurückgelassen worden. Die Bundesregierung bemüht sich um ihre Ausreise, da viele von ihnen Racheakte der radikalen Islamisten befürchten. Im FR-Interview sagte Axel Steier von der NGO Mission Lifeline erst kürzlich, dass die Ortskräfte „aktiver Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt“ seien. (tvd mit AFP/KNA)

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