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Im August 2021 kehrten die letzten Bundeswehr-Soldat:innen aus Afghanistan zurück. Jetzt wurden die Kosten des Einsatzes bekannt.
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Im August 2021 kehrten die letzten Bundeswehr-Soldat:innen aus Afghanistan zurück. (Archivfoto)

Bundeswehr-Einsatz

FDP mit scharfer Kritik: Regierung hat Afghanistan scheitern lassen

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Kanzlerin Angela Merkel ehrt die Afghanistan-Heimkehrer mit einem Großen Zapfenstreich. Doch am Zeremoniell stört sich mancher.

Berlin – 20 Jahre lang waren rund 160.000 Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Sie sollen am Mittwoch (13.10.2021) gewürdigt werden, unter anderem mit einem Großen Zapfenstreich. Dabei soll auch der 59 Männer gedacht werden, die dort getötet wurden oder starben. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden dabei sein.

Auf den Abzug von Nato-Kräften war Ende August die Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban gefolgt. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bundeswehr auf ihren Einsatz in Afghanistan stolz sein kann“, hatte das Verteidigungsministerium am Dienstag Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zitiert. „Alle Aufträge, die das Parlament gegeben hat, wurden erfüllt. Trotzdem geht es auch darum, Bilanz zu ziehen, offen und ehrlich.“

Bundeswehr in Afghanistan: Scharfe Kritik an der Regierung

Kritik an der Bundesregierung kam von der FDP. „Nicht die Soldatinnen und Soldaten haben das Afghanistan-Engagement scheitern lassen, sondern die Bundesregierung, die nicht in der Lage und Willens war, ihre gesteckten Ziele zu evaluieren und anzupassen“, sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Die Aufgabe der Bundeswehr ist vergleichbar mit einem Anästhesisten während einer Operation. Er kann den Patienten lediglich eine Weile ruhigstellen“, so Strack-Zimmermann. „In dieser Zeit muss der Chirurg, also die Politik ans Werk gehen. Macht sie das nicht, hilft auch die beste Anästhesie nicht. Der Patient wacht auf und ist immer noch nicht gerettet.“

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, bekräftigte ebenfalls ihre Forderung nach einer weiteren Aufarbeitung des Einsatzes. Eine Enquete-Kommission im Bundestag wäre hierfür ein guter Rahmen, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (13.10.2021). „Nach Afghanistan kann es kein Weiter-so geben. Wir müssen intensiver über die Einsätze der Bundeswehr im Ausland diskutieren. Die Soldatinnen und Soldaten brauchen klare Vorgaben und realistische Ziele.“

Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan: Großer Zapfenstreich mit Bundeskanzlerin und Bundespräsident geplant

Auftakt des Gedenkens ist am frühen Nachmittag eine Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr. Auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums wird es dann einen zentralen Abschlussappell geben, zu dem Bundespräsident und Kanzlerin erwartet werden. Am Abend soll der Einsatz auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude mit einem Großen Zapfenstreich gewürdigt werden.

Der Große Zapfenstreich

Mit dem „Großen Zapfenstreich“ ist das höchste militärische Zeremoniell gemeint. Damit ehrt die Bundeswehr Persönlichkeiten, die sich um das Militär verdient gemacht haben. Das Ritual ist exakt festgelegt und hat seinen Ursprung im 16. Jahrhundert. Das Zeremoniell wurde zu besonderen Anlässen in der kaiserlichen Armee, der Reichswehr und der Deutschen Wehrmacht zelebriert.

Die heutige Form des Brauchs mit Aufmarsch und Musik wurde von Wilhelm Wieprecht, dem Direktor aller Musikkorps des Preußischen Gardekorps, konzipiert. Er führte den Zapfenstreich denn auch am 12. Mai 1838 in Berlin zum ersten Mal auf.

Heute feiert man diesen Brauch bei Verabschiedungen von Minister:innen oder Kanzler:innen. Es ist im Grunde ein militärisches Schauspiel im Freien, bei dem alle Beteiligten dem Zeremoniell folgend mitmachen. Die Abfolge von militärischen und musikalischen Elementen ist genau festgelegt.

Immer am Abend marschieren verschiedene Einheiten der Bundeswehr in ihren Paradeuniformen auf. Die Reihenfolge ist dabei exakt geregelt. Bestandteile der Zeremonie sind der Spielmannszug und Musikkorps sowie zwei Züge Soldaten unter Gewehr sowie Fackelträger. Das spielende Musikkorps kombiniert dabei die beiden traditionellen Elemente der Militärmusik: die Trommeln und Pfeifen als Instrumente der Landsknechte und die Trompeten und Pauken der Reitereinheiten.

Die Bundeswehr hatte ihren Einsatz, zuletzt als Teil der Nato-Ausbildungsmission „Resolute Support“, am 29. Juni beendet und das Feldlager in Masar-i-Scharif geräumt. Vor Beginn der Rückverlegung im Mai waren noch 1100 Männer und Frauen der Bundeswehr im Land. Es folgte ein schneller Sieg der Taliban und eine militärische Evakuierungsmission („Luftbrücke“) für deutsche Staatsbürger und gefährdete Afghanen aus der Hauptstadt Kabul. Afghanistan droht nun eine humanitäre Katastrophe, die Wirtschaft des Landes steht vor dem Kollaps. Die G20-Staaten wollen helfen, die EU stockt ihre Hilfe auf insgesamt eine Milliarde Euro auf.

Harsche Kritik am Großen Zapfenstreich für die Bundeswehr nach Afghanistan-Einsatz

An dem geplanten feierlichen Zeremoniell für die Afghanistan-Heimkehrer gibt es deshalb auch Kritik, etwa von den Linken. Dieser Große Zapfenstreich sei völlig deplatziert, der Afghanistan-Einsatz komplett gescheitert, meinte der Linken-Verteidigungsexperte Tobias Pflüger.

Organisationen aus der Friedensbewegung verlangten nicht nur, dass die Veranstaltung abgesagt, sondern auch den generell auf dieses Ritual verzichtet wird. Angesichts der zahllosen zivilen Opfer und der getöteten Bundeswehrsoldaten sowie der erneuten Machtübernahme der Taliban sei die Feier „völlig unangemessen“, heißt es im August in einem Appell an die Verteidigungsministerin, der von 24 Organisationen veröffentlicht wurde. (judo/dpa)

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