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Amnesty-Bericht: Afghanische Frauen beklagen „Tod in Zeitlupe“ - auch Westen schuldig

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Von: Katja Thorwarth

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Frauen in Afghanistan wurden durch die Taliban ihrer Rechte beraubt - ohne Eingreifen des Westens.
Frauen in Afghanistan wurden durch die Taliban ihrer Rechte beraubt - ohne Eingreifen des Westens. © Ebrahim Noroozi/dpa

Die Lage von Frauen und Mädchen ist seit der Machtübernahme der Taliban desaströs. Fehler des Westens haben dazu beigetragen, zeigt Amnesty International auf.

Kabul - In Afghanistan ist die Lage für Frauen und Mädchen desaströs, wie ein am Mittwoch (27. Juli) veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ aufzeigt. Seit der Machtübernahme der Taliban stürben Frauen einen „Tod in Zeitlupe“. So zitiert der AI-Bericht eine afghanische Journalistin.

Die westlichen Länder sind mitbeteiligt an dieser Lage. Hintergrund ist der Friedensvertrag zwischen den USA und den Taliban von 2020, wo der Rückzug der US- sowie der Nato-Truppen vereinbart wurde. Was Amnesty jedoch anprangert: Die Wahrung von Frauenrechten war kein Teil des Vertrages. Lediglich sollten die Taliban der militant-islamistischen Gruppierung Al-Kaida keinen Rückzug gewähren. Auch sei der Friedensvertrag unter Ausschluss von Frauenrechtlerinnen vereinbart worden.

Afghanistan: Hungersnot führt zu Zwangsehen von Frauen

Frauen und Mädchen in Afghanistan müssen nun dafür bezahlen. Fehlende Bildungs- und Berufschancen etwa hätten zu einer wachsenden Anzahl von Zwangsheiraten geführt, heißt es im Amnesty-Bericht. Hinzu kommt die humanitäre Krise: Dem AI-Bericht zufolge hatten im April 2022 95 Prozent der Menschen vor Ort nicht genug zu essen, nachdem die afghanische Wirtschaft zuvor eingebrochen war.

Zur Unterdrückung der Frauen und Mädchen schlossen die Taliban auch Höhere Mädchenschulen bereits bei ihrer Machtergreifung im August 2021 - und das, obwohl afghanische Medien und Zivilgesellschaft wiederholt Schulöffnungen forderten. Nur einige privat organisierte Schulen sowie öffentliche Mädchenschulen in einigen Provinzen sind noch geöffnet. „Millionen von Mädchen warten auf Bildung“, wird eine junge Lehrerin von Amnesty zitiert. Viele Schülerinnen würden auf Online-Unterricht ausweichen oder an privat organisiertem Unterricht teilnehmen, andere hätten jedoch aufgrund fehlender Perspektiven die Motivation zum Lernen verloren.

Afghanistan: Großteil der Berufe bleibt Frauen versperrt

Mittlerweile bleibt ein Großteil der Berufe Frauen versperrt, wobei es zwischen den Provinzen Unterschiede gebe. Generell stelle die Verdrängung von Frauen aus dem Berufsleben ein Problem in Familien dar, in denen Frauen bisher die Alleinverdienerinnen waren. Der Bericht macht weiter auf die Misshandlung von Frauen aufmerksam, die sich gegen die Taliban-Maßnahmen stellen. Amnesty berichtet von Inhaftierungen, Folter und dem Verschwinden von Demonstrantinnen.

Afghanische Frauen hätten zudem kaum noch die Möglichkeit, häuslicher Gewalt zu entfliehen, da viele Frauenhäuser geschlossen seien. Auch dürfen Frauen Reisen nur noch in Begleitung eines männlichen Angehörigen unternehmen. Die internationale Gemeinschaft, sagen viele Frauen in Afghanistan, habe sie im Stich gelassen. Sie fordern den Westen nach wie vor dazu auf, die Taliban-Regierung nicht anzuerkennen. (ktho/dpa)

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