Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Masar-e Scharif

Afghanistan: Vier Frauen getötet – darunter Frauenrechts-Aktivistin

  • Ares Abasi
    VonAres Abasi
    schließen

Vier Frauen werden in Afghanistan ermordet. Eine von ihnen ist die Aktivistin Frozan Safi. Die Fälle unterstreichen das Angstgefühl vieler Menschen im Land.

Masar-e Scharif – Im Norden von Afghanistan sind vier Frauen getötet worden. Unter ihnen ist die seit Oktober vermisste 29-jährige Aktivistin und Wirtschaftsdozentin Frozan Safi. Die radikalislamischen Taliban bestätigten am Samstag (06.11.2021) den Fund von vier Frauenleichen in einem Haus in Masar-i-Scharif und gaben die Festnahme von zwei Männern in dem Zusammenhang bekannt. Nach AFP-Informationen wollten die Frauen das Land verlassen und wurden womöglich in eine Falle gelockt.

„Die Festgenommenen haben in Verhören zugegeben, dass sie die Frauen in das Haus eingeladen haben“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Kari Sajed Chosti, in einer Videobotschaft. „Weitere Ermittlungen sind im Gange und der Fall wurde an das Gericht weitergeleitet.“

Erschossene Frauen in Afghanistan: Eines der Opfer Frauenrechts-Aktivistin

Chosti machte keine näheren Angaben zur Identität der Opfer. Mindestens eine der getöteten Frauen war aber offenbar eine Frauenrechtsaktivistin. „Ich kannte eine von ihnen, Frozan Safi“, sagte eine Aktivistin und Mitarbeiterin einer internationalen Organisation gegenüber AFP. „Sie war eine Frauenaktivistin, die in der Stadt sehr bekannt war.“

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan vor drei Monaten scheint Safis Ermordung der erste bekannte Todesfall einer Frauenrechtlerin zu sein, so die britische Tageszeitung The Guardian. Die Leiche von Frozan Safi wurde in einem Leichenschauhaus in der nordafghanischen Stadt Masar-e Scharif identifiziert, nachdem sie seit dem 20. Oktober vermisst wurde. „Wir haben sie an ihrer Kleidung erkannt. Die Kugeln hatten ihr Gesicht zerstört“, sagte Safis Schwester Rita, die Ärztin ist. „Sie hatte überall Einschusswunden – zu viele, um sie zu zählen, am Kopf, am Herzen, an der Brust, an den Nieren und an den Beinen.“ Rita fügte hinzu, dass ihr Verlobungsring und ihre Tasche gestohlen worden sind.

Erschossene Frauen in Afghanistan wollten das Land verlassen

Am Donnerstag (04.11.2021) brachten Sicherheitskräfte der Taliban die Leichen von zwei nicht identifizierten Frauen in das Krankenhaus der Provinz Balkh, sagte Meraj Faroqi, der dort als Arzt tätig ist. Die Frauen wurden beide erschossen. Sie seien zusammen mit den Leichen zweier Männer in einem Haus in Masar-e Scharif gefunden worden, sagte Zabihullah Noorani, Taliban-Direktor für Information und kulturelle Angelegenheiten in der Provinz Balkh, und deutete an, dass sie Opfer einer „persönlichen Fehde“ geworden sein könnten. Die Polizei untersuche den Fall, so Noorani.

Seit Machtübernahme der Taliban in Afghanistan demonstrieren Frauen für den Schutz ihrer Rechte. Nun wurde eine Frauenrechts-Aktivistin getötet. (Archivfoto)

Einem früheren Bericht der BBC zufolge wollten die Frauen zum Flughafen Masar-i-Scharif, um das Land zu verlassen. Aus Aktivistenkreisen erfuhr AFP, dass sie einen Anruf erhielten, den sie für eine Einladung zu einem Evakuierungsflug hielten. Demnach wurden sie von einem Auto abgeholt und später tot aufgefunden.

Afghanistan: Aktivistin Frozan Safi erhielt anonymen Anruf

Gegen Ende des vergangenen Monats erhielt Safi einen Anruf von einer anonymen Nummer, in dem sie aufgefordert wurde, Beweise für ihre Arbeit als Aktivistin zu sammeln und sich in ein sicheres Haus zu begeben. Der Anrufer gab an, ihr bei der Ausreise aus Afghanistan helfen zu wollen, sagte die Mitarbeiterin der internationalen Organisation weiter.

Das machte für sie Sinn: Safi glaubte nämlich, dass ihr Asylantrag in Deutschland in Arbeit war. Sie steckte einige Dokumente, darunter ihr Universitätsdiplom, in eine Tasche, warf sich einen schwarz-weißen Schal über den Kopf und verließ das Haus, erzählte Rita. Sie hütet sich davor, die Taliban zu beschuldigen: „Wir wissen einfach nicht, wer sie getötet hat“, sagte Rita. Der Vater der Schwestern, Abdul Rahman Safi, sagte, dass die Leiche von Safi in einer Grube, nicht weit von der Stadt entfernt, gefunden und von Krankenhausmitarbeitern als unbekannt registriert wurde.

Taliban regieren in Afghanistan: Angstgefühl im Land steigt

Laut The Guardian unterstreichen die Todesfälle das gegenwärtige Angstgefühl vieler Menschen im von den Taliban kontrollierten Afghanistan. Eine Reihe von Vergeltungsmorden an Personen, die mit der früheren Regierung in Verbindung standen, schaffen eine unangenehme Atmosphäre im Land. Seit Mitte August protestieren Frauen regelmäßig und landesweit gegen die Taliban und fordern die Wiederherstellung und den Schutz ihrer Rechte. In Afghanistan vergeht kaum ein Tag, an dem die Rechte der Frauen nicht weiter eingeschränkt werden. Mädchen dürfen de facto keine weiterführenden Schulen besuchen, die neue Regierung ist rein männlich und Frauen sind von den meisten Sportarten und der Arbeit ausgeschlossen.

Aktivist:innen berichten, dass sie von den Taliban gejagt werden, die ihre Methoden zur Infiltration und Einschüchterung von Frauengruppen perfektioniert haben. Am Donnerstag meldete Human Rights Watch, dass die Taliban den meisten Frauen verbieten, als Entwicklungshelferinnen im Land zu arbeiten, was eine drohende humanitäre Katastrophe beschleunigt. (Ares Abasi/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Bulent Kilic/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion