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AfD-Bundesfraktionschefin Alice Weidel.

Landtagswahl in Bayern

AfD: "Zweistellig. Ziel erreicht"

Die AfD hatte sich in Bayern mehr erhofft. Schuld sei "die Hetze der Altparteien".

Er nickt, ganz unscheinbar. Als die erste Prognose auf dem Bildschirm im Landtag erscheint, steht Bayerns AfD-Chef Martin Sichert an einem Bistrotisch und wirkt irgendwie, als hätte er sich mehr erhofft. „Das ist eine gute Basis für die nächsten fünf Jahre“, sagt er dann. Nebenan ist die Freude schon größer: „Jaaa“, ruft ein Parteifreund in den sonst ziemlich sprachlosen Saal. „Zweistellig. Alle Ziele erreicht.“

Das stimmt nur halb. Immerhin hatte Niederbayerns Listenführerin Katrin Ebner-Steiner als Ziel zwölf Prozent plus x ausgegeben – also etwa das Bayern-Ergebnis der Bundestagswahl. Manche hofften sogar auf mehr. Gelandet ist die AfD bei gut zehn Prozent, was gerade Ebner-Steiner ärgert. Schuld sei „die Hetze der Altparteien“, sagt sie bei ihrer Wahlparty in Mamming. In der Ernüchterung verpufft selbst die Forderung von Promi-Gast Alice Weidel nach Neuwahlen im Bund.

Für den Einzug ins Maximilianeum reicht es natürlich trotzdem. Sichert ist nur mit einer kleinen Gruppe nach München gekommen, nicht mehr als zehn Leute, so hatte es das Landtagspräsidium für AfD und FDP festgelegt. Ab 18 Uhr sollten sie eingelassen werden, am Ende geht es aber schneller. Taschenkontrolle, Ausweisausgabe – um 17.36 Uhr sind sie drin. Es ist kein triumphaler Einzug, eher ein ehrfürchtiger.

So vorsichtig war die AfD in den letzten Tagen nicht, im Gegenteil. Ebner-Steiner hatte ihre Partei als „Strafe Gottes für die CSU“ bezeichnet. Der Landtagskandidat Andreas Winhart fürchtete sich, von „kranken Negern“ angebusselt zu werden. Und der Regensburger Benjamin Nolte kündigte an, die anderen Parteien zu jagen – am Ende würden „die Toten gezählt“.

Das hat womöglich einige Stimmen gekostet. Außerdem lag über allem der kaum zu verbergende Dauerstreit in der Partei. Die stramm rechte Höcke-Vertraute Ebner-Steiner hier, der eher gemäßigte Rosenheimer und Ex-CSUler Franz Bergmüller dort. Auch er ist am Sonntag im Landtag, aber auf Einladung eines TV-Senders, nicht als Teil der AfD-Gruppe. Die andern habe er schon gesehen, sagt Bergmüller. Aber: „Es wird garantiert keinen gemeinsamen Auftritt geben.“

Der Machtkampf in der AfD könnte schon bald zum offenen Problem werden. Bergmüller hat Anspruch auf den Fraktionsvorsitz angemeldet, auch Ebner-Steiner werden Ambitionen nachgesagt. Uli Henkel, Landtagskandidat aus München, sagt, die Fraktion komme am Donnerstag oder Freitag zusammen – ohne Personalentscheidungen zu treffen. Wenn es aber so weit ist, glaubt Henkel, dass ein „eher unbekannter Kollege die Hauptverantwortung in der Fraktion übernimmt“.

Ebner-Steiner und Bergmüller kann er damit kaum meinen.  

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