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Der AfD-Chef Jörg Meuthen.

Richtungsstreit in der AfD

Meuthen über Höcke: "Ich glaube, er hat den Schuss gehört"

AfD-Chef Jörg Meuthen fordert trennscharfe Abgrenzung von Extremismus und rechnet mit Koalitionen mit der Union.

Berlin - AfD-Chef Jörg Meuthen hat den rechtsnationalen "Flügel" der Partei zur Abgrenzung vom Extremismus gedrängt. "Wir wollen eine Volkspartei sein. Dafür dürfen wir aber nicht jeden Unfug dulden", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der "Flügel" um den Chef des Thüringer Landesverbands, Björn Höcke, habe "definitiv keine Mehrheiten in der Gesamtpartei", sagte Meuthen in dem Interview. Er müsse sich aber "absolut trennscharf von jedem Extremismus" abgrenzen. Meuthen teile die Kritik an Höcke, die 100 AfD-Politiker in einem Appell geäußert hatten. "Ich glaube, er hat den Schuss gehört", sagte Meuthen über Höcke. 

"Er hat in dieser Woche ja klar gesagt, dass er - von moderater Kritik in Einzelfällen abgesehen - voll hinter dem gewählten Bundesvorstand steht." Der Richtungskampf zwischen dem rechtsnationalen "Flügel" und gemäßigteren AfD-Politikern ist seit Höckes Auftritt beim sogenannten Kyffhäuser-Treffen voll entbrannt. Höcke hatte dort den Machtanspruch des "Flügels" geltend gemacht. 

"Wie bei SPD und Grünen vor 30 Jahren"

Der AfD-Chef rechnet mittelfristig fest mit Koalitionen von Union und AfD. "Ich bin sicher: Mit Union und AfD wird es laufen wie mit SPD und Grünen vor 30 Jahren", sagte er. "Es sollte mich wundern, wenn es 2025 zumindest auf Landesebene noch keine Koalition von CDU und AfD gibt." 

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Die AfD sei in der Lage, eine Landesregierung zu führen und einen Ministerpräsidenten zu stellen. Nach den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen wird die Partei nach Meuthens Einschätzung aber wohl noch keinen Koalitionspartner finden. "Die Zeit ist dafür noch nicht reif."

Meuthen will erneut kandidieren

Meuthen kündigte nun an, beim Bundesparteitag im Herbst ein weiteres Mal für den Vorsitz zu kandidieren. "Ich weiß, dass ich sehr viel Rückhalt in der Partei habe", sagte Meuthen. "Wenn die Unterstützung so bleibt, wie sie ist, kann und will ich mich einer weiteren Kandidatur um den Parteivorsitz nicht verwehren."

Der AfD-Bundeschef hatte am vergangenen Wochenende in seinem Kreisverband Ortenau bei der Delegiertenwahl für den nächsten Bundesparteitag eine Niederlage erlitten, er wurde nicht zum Delegierten gewählt. Dies will er den Funke Medien zufolge anfechten. 

"Das sind einzelne Leute, die mir einen Denkzettel verpassen wollten und das wohl akribisch geplant hatten", sagte er. "Die Wahlliste wird allerdings wegen einer Reihe von Fehlern voraussichtlich keinen Bestand haben." 

afp/tom

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