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Bundespräsidentenwahl: Kandidat Otte spendete mindestens 30.000 Euro an AfD

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Von: Nail Akkoyun

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Noch vor seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten hat der ehemalige Werteunion-Chef Max Otte der AfD mehrfach hohe Summen gespendet.

Berlin – Max Otte, früherer Vorsitzender der rechtskonservativen Werte-Union, hat dem AfD-Kreisverband im sächsischen Görlitz Anfang vergangenen Jahres 20.000 Euro gespendet. „Ich wollte die aus meiner Sicht bürgerlichen Kräfte unterstützen“, sagte Otte am Donnerstag (03.02.2022) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin bezüglich der Zahlungsbegründung.

AfD-Chef Tino Chrupalla gehört dem Kreisverband Görlitz an, von Februar 2017 bis Oktober 2021 war er dessen Vorsitzender. Doch auch der Werte-Union habe Otte im vergangenen Sommer 20.000 Euro gespendet, ebenso wie dem AfD-Verband Nordrhein-Westfalen 10.000 Euro im Frühjahr 2020. Dies zeigen Recherchen des NDR und WDR.

Max Otte spendete mehrfach an AfD: „Wohl aufgrund seiner Affinität“

„Es war das Bedürfnis von Herrn Otte, der AfD eine Spende zukommen zu lassen, wohl aufgrund seiner Affinität zur AfD“, sagte der Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Spende wurde laut Otte ordnungsgemäß gemeldet. An die Werte-Union habe er erst nach seiner überraschenden Wahl zu deren Vorsitzenden im Sommer 2021 gespendet.

Der ehemalige Werteunion-Vorsitzende Max Otte hat der AfD mehrfach Geld gespendet. (Archivfoto)
Der ehemalige Werteunion-Vorsitzende Max Otte hat der AfD mehrfach Geld gespendet. (Archivfoto) © Florian Gaertner/Imago

Max Otte wurde im Januar 2022 von der AfD für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Ein zeitlicher und sachlicher Zusammenhang zu den Spenden an die AfD bestehe jedoch nicht. Otte betonte, er spende auch sonst viel, etwa für seine Kirchengemeinde. Chrupalla schätze er zudem „als bodenständigen und bürgerlichen Politiker“.

Kaufte sich Otte die Bundespräsidenten-Nominierung? AfD mit ungewöhnlicher Argumentation

„Wer Herrn Otte mit seinem vielfältigen sozialen Engagements kennt, weiß, dass er stets aus Sorge um unser Land gehandelt und stets sachorientiert argumentiert hat“, sagte Chrupalla. Der Erhalt von Spenden zu Wahlkampfzwecken habe sich in Deutschland etabliert und stelle nicht zuletzt die Verbindung zwischen politischen Parteien und der Zivilgesellschaft dar.

Auf Anfrage erklärte auch Otte dem NDR und WDR, dass es sich bei den Spenden und seiner Nominierung nicht um „gekaufte Politik“ handele: Dies sei ein „völlig ungerechtfertigter Vorwurf.“ Einer ungewöhnlichen Argumentation bediente sich indes die AfD: „Es ist nicht davon auszugehen ist, dass Herr Prof. Max Otte Bundespräsident werden wird. Die Frage nach einer ‚gekauften Politik‘ erschließt sich daher nicht.“

Max Otte will weiterhin Mitglied der CDU bleiben – trotz Ausschlussverfahren

Die CDU hatte bereits wenige Tage nach der Nominierung Ottes einen vorläufigen Parteiausschuss beschlossen. Der 57-jährige Ökonom hatte daraufhin den Vorsitz der Werte-Union niederlegt und angekündigt, sich nach seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten auf der Bundesversammlung am 13. Februar aus der aktiven Parteipolitik zurückzuziehen. Allerdings will er weiterhin Mitglied der Werte-Union und CDU bleiben.

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Eine Chance auf das Amt des Bundespräsidenten hat Max Otte ohnehin nicht. Partei- und Fraktionschefs der SPD, Grüne, FDP sowie die Spitzen von CDU und CSU hatten in einem gemeinsamen Schreiben an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) den Sozialdemokraten Frank-Walter Steinmeier zur Wiederwahl vorgeschlagen. Eine große Mehrheit ist ihm somit bereits sicher. (nak mit dpa)

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