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Der „Flügel“ bestimmt zwar mehr und mehr den Kurs der AfD, aber nur so lange sich seine Vertreter im gaulandschen Sinne „vernünftig“ verhalten.

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AfD - im Mantel der Bürgerlichkeit

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Parteichef Gauland rät der AfD Vernunft, tatsächlich werden die Radikalen Kräfte in der Partei aber lauter.

Am Montag will der Patriarch seine Ermahnung vom Wahlabend nicht mehr so streng gemeint haben, wie sie klang. Bei der Wahlparty der Brandenburger AfD auf der „Bismarckhöhe“ in Werder/Havel hatte Alexander Gauland die AfD erst die „einzige bürgerliche Opposition im Land“ genannt und dann in den Saal gerufen: „Das bedeutet eine große Verantwortung. Bei allem Jubel: Bleibt vernünftig!“ Am Montag schwächte er ab: „Ich hatte keinen konkreten Anlass. Ich wollte nur eins ausdrücken: Übermut tut selten gut.“

Anlässe gab es am Wahlabend viele. Gewonnen haben in Sachsen und Brandenburg die besonders radikalen Teile der Partei. Und es war auch kein Zufall, das bei der Wahlparty des brandenburgischen AfD-Spitzenkandidaten und „Flügel“-Chefs Andreas Kalbitz auch Björn Höcke anwesend war – und immer dann perfekt posierte, wenn symbolträchtige Fotos zu machen waren.

Höcke hat seine Landtagswahl in Thüringen noch vor sich

Beim großen Jubel über die Ergebnisse umarmte Höcke Kalbitz, bei Gaulands Auftritt wich Höcke nicht von dessen Seite – und auf der Bühne stand er sogar Seit an Seit mit seinem innerparteilichen Intimfeind Georg Pazderski.

Höcke hat seine Landtagswahl in Thüringen noch vor sich, und nicht wenige in der Partei hoffen, dass er ein bisschen unterhalb der Rekordergebnisse aus Sachsen und Brandenburg abschneidet – um etwas Luft aus seinem Sendungsbewusstsein zu lassen.

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Auf dem Weg zur „bürgerlichen“ Partei hat die AfD am Montag im Westen, besser gesagt: im Norden, einen Erfolg und einen Rückschlag verbucht. Der Rückschlag: In Bremen zerbrach die AfD-Fraktion. Der Erfolg: In Schleswig-Holstein zog sich die aus der Partei ausgeschlossene Doris von Sayn-Wittgenstein von ihrem Posten als Landesvorsitzende zurück.

AfD wählt Ende November einen neuen Bundesvorstand

Aber was ist nun mit Höcke, dem völkischen Nationalisten? „Natürlich ist er ein bürgerlicher Politiker“, sagte Gauland am Montag. „Was sollte ich von einem ehemaligen Studienrat sonst sagen?“ Und auch Andreas Kalbitz sei auf jeden Fall „bürgerlich“. Kalbitz, der wegen einer Vielzahl von Kontakten ins rechtsextreme Spektrum unter Druck steht, sagte von sich: „Ich gehöre nicht zu irgendwelchen NPD-Zirkeln. Ich bin rechts, aber im demokratischen Sinne.“ Wann und warum er sich von rechtsextremem Gedankengut verabschiedet hat, möchte er nicht sagen: Das sei privat.

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Ende November wählt die AfD in Braunschweig einen neuen Bundesvorstand. Die Ost-Verbände drängen mit Macht auf einen Vorstandsposten. Gauland kündigte an, sich höchstwahrscheinlich aus Altersgründen zurückzuziehen – damit wäre der Weg für den sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla frei. Der gehört nicht dem „Flügel“ an, steht aber auch nicht gegen die Radikalen. Kalbitz wird nicht für die Spitze kandidieren, er hält sich im Westen für nicht vermittelbar. Im Bundesvorstand aber will er bleiben. Und Höcke? „Aus Thüringen sehe ich keinen Kandidaten“, sagt ein Vorstandsmitglied.

Fazit dieses Tages nach der Wahl: Der „Flügel“ bestimmt zwar mehr und mehr den Kurs der Partei, aber nur so lange sich seine Vertreter im gaulandschen Sinne „vernünftig“ verhalten. Einer, der das gerade erfolgreich vorführt, ist der Brandenburger Wahlsieger Kalbitz.

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