Der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth meint nicht rechtsradikal zu sein. Foto: Soeren Stache/dpa
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Der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth meint nicht rechtsradikal zu sein.

Ehemaliger Pressesprecher

Erklärung von Ex-AfD-Sprecher Lüth - Äußerungen über Migranten „ironisch“

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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In einem Enthüllungsvideo kommt das wahre Gedankengut des AfDlers Christian Lüth ans Licht. Dieser bezeichnet seine Äußerungen als „unentschuldbar“ und „ironisch“.

  • Ein Gespräch des langjährigen Pressesprechers der AfD Christian Lüth wird öffentlich.
  • Ein Kamerateam hat den AfD-Mann heimlich mitgefilmt.
  • Lüth wurde als Reaktion auf die Enthüllungen vom Fraktionsvorstand aus der AfD ausgeschlossen.

+++ Update vom 2. Oktober 2020, 15:54 Uhr: Der ehemalige Pressesprecher der AfD Christian Lüth beteuert in einer Erklärung, nicht rechtsradikal zu sein. In einem heimlich gefilmten Video hatte Lüth in Bezug auf Migranten gesagt: „Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Oder vergasen“. Die AfD zog Konsequenzen und kündigte Lüth fristlos.

„In diesem Gespräch fielen abscheuliche und nicht entschuldbare Äußerungen, die von einer aufgeheizten, ironischen und übersteigerten Wortwahl geprägt waren“, sagte Ex-AfD-Sprecher Christian Lüth über das Treffen. Er sei nicht rechtsradikal, da er einen Großteil seines Lebens im Ausland verbracht habe und mit vielen verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen sei. Wer ihn kenne, wisse, „dass diese Äußerungen nicht meiner Gesinnung entsprechen und schon gar nicht der AfD“, erklärte Lüth weiter.

Im Zuge der Lüth-Affäre fordert der Chef der AfD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, in einem Brief an die AfD-Bundestagsabgeordneten den Rücktritt der beiden Fraktionsvorsitzenden, Alice Weidel und Alexander Gauland. Diese hätten es „an Weitsicht im Sinne des Auftrags und an den einfachsten Führungsfähigkeiten“ mangeln lassen.

+++ Update vom 29. September 2020, 19:10 Uhr: Der Fraktionsvorstand der AfD soll am Vormittag dem ehemaligen Pressesprecher Christian Lüth fristlos gekündigt haben. Das berichtete die Tagesschau am Mittag. Einige Abgeordnete sollen schon eigene Anträge zum Rausschmiss für die Fraktionssitzung am Nachmittag vorbereitet haben. Vize-Vorsitzender Alexander Gauland wollte das Prozedere eigentlich kurz halten und den Rauswurf gleich zu Beginn selbst verkünden, die Abgeordneten bestanden aber darauf, über einen eigenen Antrag abzustimmen und ihn einstimmig zu beschließen. Damit wollten sie ein „deutliches Zeichen setzen“, schrieb die tagesschau, aber auch „dem Fraktionsvorstand keine Hintertür“ offen lassen.

In den Redebeiträgen während der Sitzung soll Gauland immer wieder unterschwellig unterstellt worden sein, sich vor Lüth zu stellen. Wenn man Abgeordneten aus der Sitzung glauben mag, könnte der Grund dafür sein, dass Lüth zu viel über die Partei und ihre Mitglieder wisse. Gauland weist die Vorwürfe zurück.

Christian Lüth heimlich gefilmt - AfD-Mann über Migranten: „Können die nachher immer noch alle erschießen“

Erstmeldung vom 28. September 2020, 12:51 Uhr: Der ehemalige Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, ist auch jenseits der blau-braunen Partei kein Unbekannter. Auffällig wurde er bereits, als er sich wahrheitswidrig als Ur-Enkel des nationalsozialistischen U-Boot-Kommandanten Wolfgang Lüth bezeichnete - und in privaten Chats dann höchst selbst konsequenterweise als Faschist geoutet haben soll. Daraufhin wurde er von der AfD bereits im April dieses Jahres freigestellt.

Christian Lüth: Die AfD profitiert von Katastrophen

Jetzt sind weitere Details über Christian Lüth der Presse zugetragen worden, die in einen noch tieferen Abgrund blicken lassen. Wie die „Zeit“ berichtet, soll sich der Mann in seiner Funktion als AfD-Pressesprecher am 23. Februar mit der rechten Youtuberin Lisa Licentia in einer Berliner Bar zum Abendessen getroffen haben. Mit dabei ein Journalistenteam von Pro Sieben mit verdeckter Kamera.

Der Plan dürfte nicht gewesen sein, dass Dritte mithören, denn dann wären solche Sätze wie beispielsweise dieser vermutlich nicht gefallen: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. Das ist natürlich scheiße, auch für unsere Kinder. (…) Aber wahrscheinlich erhält uns das.“ Nun ist das nicht neu, dass die AfD die Katastrophe, insbesondere auch Terror, als Wahlhilfe geradezu herbeisehnt. Das hatte bereits die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber formuliert: „Tatsächlich sehnte eine Menge Leute in der AfD einen Terroranschlag geradezu herbei. ‚Jetzt müsste es mal krachen“, hörte ich immer wieder. ‚Dann würden die Leute sehen, wie recht wir haben.‘“

ProSieben spezial: Deutsch, rechts, radikal strahlt die dokumentarischen Aufnahmen am Montagabend (28.09.2020) aus, wie die „Zeit“ vorab berichtet. Christian Lüth werde jedoch lediglich als „hoher AfD-Funktionär“ bezeichnet, soll aber von „Zeit online“ „eindeutig als Gesprächspartner von Lisa Licenta“ identifiziert worden sein - „mithilfe eines Datenleaks und mehrerer Gespräche mit Informanten“.

Zur Person
NameChristian Lüth
Alter44 Jahre (geboren 1976)
PositionLeiter der AfD-Pressestelle (2017-2020)

Christian Lüth begann seine politische Karriere bei der FDP und wechselte 2013 zur AfD, nachdem die Liberalen nicht ins Parlament eingezogen sind. Interessant, dass er wohl schon zu FDP-Zeiten gerne alkoholisiert das „Horst-Wessel-Lied“ gesungen haben soll. In der AfD gilt er als ein enger Vertrauter von Alexander Gauland.

Der AfD-Mann und die rechte Youtuberin

Das Treffen mit der Youtuberin Licentia kam wohl über Twitter zustande. Wie die „Zeit“ weiter berichtet, will Licentia aus der rechten Szene aussteigen und sei deshalb mit dem ProSieben-Team in Kontakt getreten. Lüth schien sich unter einer ‚Gleichgesinnten‘ frei genug gefühlt zu haben, um zu sagen, was er wirklich denkt. So lässt er wohl seinen Gewaltphantasien freien Lauf. Es sollten doch mehr Migranten kommen, „weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“, wird der Mann von der „Zeit“ zitiert. Und weiter deute nichts darauf hin, dass die Äußerungen ironisch gemeint gewesen seien.

Christian Lüth und Björn Höcke - zwei, von der AfD, die sich wohl gut verstehen.

„Dieses ‚ProSieben Spezial‘ ist die wichtigste Dokumentation der letzten Jahre auf ProSieben. Thilo Mischke ist es in exzellenter Manier gelungen, ein so wichtiges und gleichzeitig brisantes Thema auf seine unverkennbare Art in einem Film zu behandeln“ kündigt ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann die Doku an. (Von Katja Thorwarth)

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