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Alexander Gauland denkt an einen Abschied aus der Politik.  

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Gauland denkt ans Aufhören

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Der AfD-Vorsitzende weiß noch nicht, ob er im Herbst noch einmal für Partei- und Fraktionsvorsitz antritt. 

Alexander Gauland macht sich Gedanken über den Abschied aus der Politik. Vor dem Sommer werde er sich die Frage zwar nicht stellen, ob er eines seiner beiden Ämter niederlegen werde, sagte Gauland. „Erst dann kann ich sagen, ob ich noch die Kraft habe oder nicht mehr.“ Er fügte aber hinzu: „In zwei Jahren, mit 80, wäre es dann vielleicht wirklich an der Zeit, sich zur Ruhe zu legen.“

Gauland ist kürzlich 78 geworden. Im Herbst werden zunächst der Fraktionsvorsitz und dann die Parteispitze neu gewählt. Gauland will jeweils kurzfristig entscheiden, ob er nochmals antritt.

Jan Sternberg hat mit Alexander Gauland gesprochen - über die Wahlaussichten der AfD bei der Europawahl in diesem Jahr, die Zerstrittenheit der Partei, Rassisten in der AfD und über Gaulands weitere Pläne. 

Herr Gauland, in der AfD streiten sich Konservative und Radikale heftiger denn je – und in der Fraktion kritisieren Abgeordnete, dass jede inhaltliche Linie und Führung fehlten. Sie sind Partei- und Fraktionschef – können Sie die Partei noch führen?
Die AfD ist nun einmal sehr basisdemokratisch, sie ist sehr anarchisch. Ja, ein Minimum an gemeinsamer Schlagkraft ist nötig. Aber die Fraktion ist nun einmal die Summe der gewählten Abgeordneten, die können Sie nicht in ein Korsett zwingen. Die Ersten, die dagegen protestieren würden, wären diejenigen, die heute mangelnde Führung beklagen.

Ihr Co-Parteichef und Europa-Spitzenkandidat Jörg Meuthen hat die Europawahl als Chance für die AfD bezeichnet, sich auch im Westen klar über der Zehn-Prozent-Marke festzusetzen. Die Umfragen sehen anders aus. Steht Ihnen eine Enttäuschung bevor?
Die Europawahl wird kein Selbstläufer. Das hat auch mit dem Brexit zu tun. Im Lichte des Austritts der Briten schauen die Menschen skeptischer auf Bestrebungen, die EU zu verlassen. Wir fordern den „Dexit“, aber nur als letzte Möglichkeit, wenn sich die euro- und brüsselskeptischen Parteien nicht mit Reformen durchsetzen. Aber mir ist klar, dass die anderen Parteien warnen werden: Schaut auf das Chaos, das die Briten angerichtet haben! Das macht den Menschen Angst.

Der Verfassungsschutz wirft der AfD unter anderem Rassismus vor. Wie viele Rassisten gibt es in der Partei?
Der Verfassungsschutz hat vollkommen den Verstand verloren. Mir werfen sie vor, dass ich mal gesagt habe, eine deutsche Fußballmannschaft ist nicht mehr so deutsch, wie das 1954 noch der Fall war. Ich habe daraus aber nicht abgeleitet, dass das nicht sein dürfte. Damit habe ich keine rassistische Äußerung getätigt. Ich kann darin keinen Angriff auf das Grundgesetz zu sehen.

Es gibt viele Vertreter Ihrer Partei, die ein ethnokulturell einheitliches Land wollen. Und Ihr Co-Chef Meuthen wirft den Radikalen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ vor.
Die Frage ist doch eine ganz andere: Der VS soll sich darum kümmern, ob jemand gewaltsam oder mit illegalen Mitteln das Grundgesetz angreift. Wenn einer sagt: Ich hätte gern ein ethnokulturell einheitliches Deutschland – warum darf er das nicht sagen? Wo ist der Angriff auf die Verfassung?

Björn Höcke, Spitzenkandidat in Thüringen, schreibt von einem „groß angelegten Remigrationsprojekt“, bei dem es auch „unschöne Szenen“ geben werde. Andreas Kalbitz, Spitzenkandidat in Brandenburg, sagt Dinge wie „Wir haben die Türken nicht vor Wien besiegt, um ihnen jetzt Berlin zu überlassen“. Alles harmlos?
Was ist daran falsch? Keiner sagt: Ich werde das gewaltsam durchsetzen. Dann hätte der Verfassungsschutz recht. Wenn einer nur sagt: Ich möchte, dass in Deutschland nur Menschen leben, die hier seit drei Generationen ansässig sind, dann ist das höchstens eine unsinnige Meinung, aber eine zulässige.

AfD-Bundesvize Georg Pazderski geht davon aus, dass es in der Partei eingeschleuste Provokateure gebe. Glauben Sie das auch?
Erinnern Sie sich an das erste NPD-Verbotsverfahren? Den Vergleich verwende ich zwar ungern, aber damals wurde ja deutlich, wie stark die V-Leute des Verfassungsschutzes diese Partei prägten. Die Gefahr der Unterwanderung ist real. Ich kenne jetzt allerdings niemanden konkret, aber es könnte so einen Fall einmal geben.

In Brandenburg, Thüringen und Sachsen wird in diesem Jahr gewählt. Wird die AfD in einem der drei Bundesländer an die Regierung kommen? 
Die Frage könnte sich nur in Sachsen stellen – das wird Frau Merkel, solange sie noch Kanzlerin ist, zu verhindern wissen. Ich gehe davon aus, dass sich die CDU, wenn es anders nicht mehr geht, von den Linken tolerieren lässt oder sogar eine Koalition mit der Linkspartei eingeht.

Sie sind jetzt 78 geworden. Im Herbst steht die Neuwahl des Fraktionsvorstands und dann auch der Parteispitze an. Werden Sie eines der Ämter niederlegen?

Vor Sommer stelle ich mir diese Frage selber nicht. Erst dann kann ich sagen, ob ich noch die Kraft habe oder nicht mehr. In zwei Jahren, mit 80, wäre es dann vielleicht wirklich an der Zeit, sich zur Ruhe zu legen.

Interview: Jan Sternberg  

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