1. Startseite
  2. Politik

AfD wirbt mit „Blackoutmelder“ und gibt Ratschläge: „Genug Gaskartuschen bevorraten“

Erstellt:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Propangas wird zum Verkauf angeboten.
Die AfD schürt Blackout-Ängste und rät dazu, sich im „Campingfachgeschäft“ mit Gaskartuschen einzudecken. (Symbolfoto) © Eky Eibner/Imago

In der Bevölkerung wächst die Angst vor einem Blackout. Das scheint sich die AfD zunutze zu machen.

Frankfurt - Der Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Energieversorgung in Deutschland in den Fokus des Interesses gerückt. Stets ist von der Energiekrise die Rede, deren Existenz mit dem Wegfall Russlands als Energielieferant begründet wird. Insbesondere das Szenario eines flächendeckenden „Blackout“ geistert durch die Medien, wobei Fachleute die Wahrscheinlichkeit eines weitreichenden Stromausfalls als Folge der aktuellen Energiekrise als gering einstufen.

Sie begründen dies damit, dass diverse Sicherheitsmechanismen in Deutschland dafür Sorge tragen, dass Strom auch dann fließt, wenn eigentlich nichts mehr geht: Momentanreserven, sprich Generatoren, die in konventionellen Kohle- und Atomkraftwerken laufen, würden aktiviert, käme es zu einem Frequenzabfall. Ebenso besagt das sogenannte „n-1-Kriterium“, dass beispielsweise beim Ausfall einer Stromleitung immer Ersatz zur Verfügung stehen muss. Man spricht von einem Sicherheitspuffer, der im Notfall einsatzbereit ist.

AfD will Anhänger:innen zum Melden von „Blackouts“ animieren

Doch manche politischen Akteur:innen sehen in der Angst der Bevölkerung Wahlkampfpotential beziehungsweise Grundlage für die eigene Stimmungsmache. So verplapperte sich beispielsweise der AfD-Politiker Harald Weydel bei einer AfD-Veranstaltung. In einem Video ist Weyel zu sehen und zu hören, wie er im Gespräch mit einem anderen Teilnehmer auf dessen Aussage, es werde dramatisch werden, antwortet: „Man muss sagen, hoffentlich, oder? Wenn‘s nicht dramatisch genug wird, dann geht‘s so weiter wie immer.“

Dazu passt die Seite blackoutmelder.de, die die AfD im Impressum als Verantwortliche führt. Auf der Startseite ist eine Karte eingehängt, auf der man Orte markieren kann, die von einem Blackout betroffen sind. „Blackout melden! Klicke auf das + und melde einen Blackout in Deiner Nähe“, ruft die AfD dazu auf, vermeintliche Blackouts in der Karte zu kennzeichnen. Dabei sollte zunächst einmal angemerkt werden, dass ein einfacher Stromausfall kein Blackout ist, der zwingend die Energiekrise - und entsprechend im Subtext fehlendes russisches Gas - als Ursache hat.

„AfD will Angst vor einem Blackout schüren“

Johannes Hillje, Politikberater und Autor, hat auf Twitter einen Screenshot der „Blackout“-Karte gepostet und dazu angemerkt, dass die AfD Blackouts quasi simuliert: „Da ein großflächiger Stromausfall aber laut Experten sehr unwahrscheinlich ist, tut sie [die AfD] mit ihrer neuen Seite ‚Blackoutmelder‘ einfach so, als gäbe es welche. Auf der Karte kann jede/r ungeprüft einen eintragen (Emden war ich).“ Entsprechend würde „eine Landkarte voller ‚Blackouts‘“ entstehen, „die es entweder nicht gegeben hat oder die einen herkömmlichen Stromausfall dokumentieren, der nicht als Blackout gelten kann“, schreibt Hillje.

Jenseits der Service-Karte bietet die Seite auch einen „Blackout-Ratgeber“. Dort erfährt die Leserin, dass Vorräte ohne Kühlung haltbar sein müssen. Außerdem wird sie angehalten, unter anderem einen Gaskocher und eine Notfalltoilette - beides aus dem „Campingfachgeschäft“ - anzuschaffen; Bargeldreserven seien ebenso wie Kerzen und „Gaskartuschen“ zu bevorraten.

Übrigens wurde Emden mittlerweile als Blackout-Tatort von der AfD-Seite entfernt. (ktho)

Auch interessant

Kommentare