Eine junge, offenbar islamfeindliche Frau soll für den bayrischen Verfassungsschutz die Salafisten-Szene ausspioniert haben. (Symbolbild)
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Eine junge, offenbar islamfeindliche Frau soll für den bayrischen Verfassungsschutz die Salafisten-Szene ausspioniert haben. (Symbolbild)

Islamfeindliche Informantin

Bericht: AfD-Mitarbeiterin spionierte für Verfassungsschutz Salafisten aus

  • Melanie Gottschalk
    vonMelanie Gottschalk
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Eine junge Frau, die heute für die AfD-Bundestagsfraktion arbeitet und als islamfeindlich gilt, soll für den bayrischen Verfassungsschutz Salafisten ausspioniert haben.

  • Bayrischer Verfassungsschutz soll als Informantin für die Salafisten-Szene eine Frau genutzt haben, die islamfeindlich eingestellt ist
  • Sie bot ihre Dienste offenbar selbst an
  • Heute arbeitet sie für die AfD-Bundestagsfraktion und engagiert sich in der Jungen Alternative

München - Der bayrische Verfassungsschutz hat einem Bericht zufolge eine Frau als Informantin für die Salafisten-Szene genutzt, die islamfeindlich eingestellt ist. Anfang 2014 soll die Studentin selbst beim Landesamt für Verfassungsschutz ihre Dienste angeboten haben, berichtet der „Spiegel“ am Freitag (24.07.2020). Anschließend sei sie zwei Jahre lang vom bayrischen Verfassungsschutz als V-Frau in der Salafisten-Szene eingesetzt worden. Dazu habe sie einen Nikab – also jenen Schleier, bei dem nur die Augen zu sehen sind – getragen, ihr Deckname sei Maja gewesen.

V-Frau des bayrischen Verfassungsschutzes arbeitet mittlerweile für AfD

Inzwischen ist die junge Frau, die aus Tschechien stammt, im deutschen Bundestag aktiv. Sie arbeitet dort in der AfD-Bundestagsfraktion und engagiert sich in der Jungen Alternative. Laut dem Bericht arbeitet sie seit 2018 für verschiedene AfD-Abgeordnete und ist im Besitz eines Hausausweises, kann also ohne Kontrollen ein- und ausgehen.

Der „Spiegel“ nannte als einen Beleg für die Tätigkeit der jungen Frau beim Verfassungsschutz einen Gerichtsbeschluss von Mitte Juli dieses Jahres. Sie war demnach gegen ihren Ex-Freund vor Gericht gezogen, um zu verhindern, dass dieser ihre Vergangenheit öffentlich macht. Der bayerische Landesverfassungsschutz habe in einem Brief vom 21. Februar 2020 an das Gericht vor der Enttarnung der aus Tschechien stammenden Frau gewarnt.

Ehemalige V-Frau soll an Treffen von islamfeindlicher Gruppierung teilgenommen haben

Das einstige Paar hatte sich offenbar bei einem Treffen einer islamfeindlichen tschechischen Gruppierung kennengelernt. Gegen den Gründer der Gruppe, Martin Konvička, wurde wegen Volksverhetzung ermittelt. In dem Bericht wird die junge Frau als Waffenliebhaberin beschrieben, die sich vor ein paar Jahren zur Reservistin in der freiwillige tschechische Reservistenarmee ausbilden ließ.

Der bayrische Verfassungsschutz wollte die Personalie laut „Spiegel“ weder bestätigen noch dementieren. „Zu Fragen operativer Angelegenheiten, insbesondere zum Einsatz etwaiger V-Personen, kann sich das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz nicht gegenüber den Medien äußern“, erklärte die Behörde demnach. Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete, für den die Frau gerade arbeite, habe sich auf Anfrage nicht äußern wollen. Bei dem Abgeordneten soll es ich um einen Anhänger des inzwischen offiziell aufgelösten „Flügels“ – also jener parteiinternen Plattform, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft und beobachtet – handeln. (Melanie Gottschalk)

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