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Bernd Lucke ist ehemaliger Vorsitzender der AfD. 

Machtstrukturen in der AfD

Lucke: Rechtsaußen Kubitschek ist der Strippenzieher bei der AfD

Laut Bernd Lucke zieht der rechte Verleger Götz Kubitschek bei der AfD die Strippen - und  Höcke ist „nur der Lakai“. 

Der frühere AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hält den rechten Verleger Götz Kubitschek für den wichtigsten Strippenzieher des Rechtsaußen-Flügels seiner einstigen Partei. Er selbst habe „erst spät gemerkt“, wie groß Kubitscheks Einfluss auf die Vertreter des „Flügels“ sei, räumte Lucke ein. Er erklärte, erst der starke innerparteiliche Protest gegen die Entscheidung der Parteispitze vom Februar 2015, Kubitschek und dessen Ehefrau nicht in die AfD aufzunehmen, habe ihm vor Augen geführt, „was für Netzwerke er schon in der Partei hatte - nicht nur im Osten“.

Zu den wichtigsten Vertretern des „Flügels“ gehören aktuell der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke und der Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz. Kubitschek, der den Antaios-Verlag und das „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda (Sachsen-Anhalt) betreibt, ist nach Angaben von Parteisprecher Bastian Behrens bis heute nicht Mitglied der Partei.

Höcke letztlich austauschbar 

Lucke ist Europaabgeordneter und Spitzenkandidat der Liberal-Konservativen Reformer (LKR) für die Europawahl Ende Mai. In seinem Buch „Systemausfall“ (Finanzbuchverlag), das diese Woche erscheint, schreibt Lucke: „Es gibt viele AfD-Funktionäre, die schlicht nur ein Werkzeug Kubitscheks sind. Wenn Höcke eines Tages fallen sollte, wie (Sachsen-Anhalts ehemaliger Landtagsfraktionsvorsitzender André) Poggenburg gefallen ist, dann wird soldatisch ein anderer an seine Stelle treten.“

Höcke sei in seinen Augen nicht mehr als „Kubitscheks Lakai, der strikte Maßgaben hat, bei welcher Gelegenheit er wie viel von dem erkennen lassen darf, was Kubitschek ihn gelehrt hat“, führt Lucke weiter aus. Deshalb wirke Höcke als Redner nicht authentisch. 

Der ehemalige AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hält den rechten Verleger Götz Kubitschek für den wichtigsten Strippenzieher im rechtsnationalen Flügel der AfD. 

Lucke kommt zu dem Schluss, die Zahl der „Verbesserer“ in der AfD habe seit 2015 stark abgenommen. Die „Verbitterten“ und „Verschwörungstheoretiker“ hätten dagegen an Einfluss gewonnen. Er führt aus: „Die Verbitterten in der AfD waren ein idealer Nährboden für die, die das Saatgut völkischer Ideen ausstreuen wollten.“

Wusste Lucke von den illegalen Spenden?

Über die Hintergründe der Spenden-Affäre, die seine ehemalige Partei demnächst teuer zu stehen kommen könnte, weiß Lucke nach eigenem Bekunden nichts. Konrad Adam war 2015 auch als AfD-Vorstand abgewählt worden. Er blieb aber Parteimitglied. Adam sagt heute, Lucke habe die AfD-Mitglieder immer vor Unregelmäßigkeiten finanzieller Art und vor „Rechtsauslegern“ gewarnt - „heute muss ich sagen - da hatte er Recht“.

Zurück zum Euro-Skeptiker 

Lucke hatte die AfD verlassen, nachdem er bei der Neuwahl der Parteivorsitzenden im Juli 2015 eine Niederlage hatte einstecken müssen. Co-Vorsitzende wurden damals Jörg Meuthen und Frauke Petry.

Auch Petry gehört der AfD inzwischen nicht mehr an. Lucke verpasst ihr in seinem Buch einen Seitenhieb, indem er schreibt: „Wer den Systemausfall bemerkt, kann den Kontrollverlust verhindern. Wenn er nicht, wie Laokoon, einer Schlange zum Opfer fällt. Aber lassen wir Frauke Petry aus dem Spiel.“ In der griechischen Mythologie ist Laokoon ein trojanischer Priester, der von Schlangen getötet wird.

In seinem aktuellen Buch schreibt Lucke aber nicht nur über die AfD, sondern auch über Staaten, „die sich irgendwie in den Euro verirrt haben und jetzt mit ihm nicht klar kommen“, und über mögliche Wege aus dem aktuellen Dilemma der europäischen Asylpolitik. Damit ist Lucke wieder beim Gründungsmythos der AfD angekommen, die Anfang 2013 von einer Gruppe von Euroskeptikern gegründet worden war. Sollte es Lucke bei der Wahl im Mai nicht gelingen, erneut ein Mandat für das Europäische Parlament zu erringen, will er seinen Ausflug in die Politik beenden - und als Professor für Volkswirtschaft an die Universität Hamburg zurückkehren. (dpa) 

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