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AfD: Beatrix von Storch sorgt für Eklat im Bundestag

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Von: Stefan Krieger

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AfD-Politikerin Beatrix von Storch im Bundestag.
AfD-Politikerin Beatrix von Storch im Bundestag. (Archivfoto) © Christophe Gateau/dpa

Die AfD-Politikerin spricht die Transgender-Abgeordnete Tessa Ganserer in einer Rede mit ihrem abgelegten männlichem Vornamen an.

Berlin – Die stellvertretende AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch hat am gestrigen Donnerstag (17.02.2022) im Bundestag für einen Eklat gesorgt. In der Debatte zum Internationalen Frauentag am 8. März warf von Storch der Mehrheit der Abgeordneten („fast alle hier“) vor, einer „Genderideologie“ anzuhängen. „Sie behaupten, das Geschlecht hat mit Biologie nichts zu tun. Und jeder kann sich sein Geschlecht irgendwie selbst bestimmen“, so Storch.

Anschließend fuhr von Storch fort: „Wenn der Kollege Markus Ganserer Rock, Lippenstift, Hackenschuhe trägt, dann ist das völlig in Ordnung. Es ist aber seine Privatsache. Biologisch und juristisch ist und bleibt er ein Mann. Und wenn er als solcher über die grüne Frauenquote in den Bundestag einzieht und hier als Frau geführt wird, ist das schlicht rechtswidrig.“

Eklat im Bundestag: Bundestagsvizepräsidentin bittet von Storch „um Respekt“

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) bat von Storch vom Präsidium aus zunächst um „Respekt vor der Kollegin Tessa Ganserer“. Bei Twitter sprach sie später von einer „furchtbaren Diffamierung“. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann nannte die Aussagen „abscheulich“ und „erschütternd“. „Das, was die Abgeordnete Storch sich gerade in diesem Haus erlaubt hat, ist niederträchtig, bodenlos, es ist homophob und zutiefst menschenverachtend.“

„Tessa Ganserer ist eine von uns“, so Haßelmann weiter. „Niemand von uns hat darüber zu richten oder darüber zu reden oder zu entscheiden, wie diese Frau ihr Selbstbestimmungsrecht wahrnimmt.“ Dafür gab es breiten Applaus aller Fraktionen außer von der AfD.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sprach bei Twitter mit Blick auf von Storchs Aussagen von einer „Schande“. „Alle Parteien außer der AfD stellen sich gegen die menschenverachtende Rede“, schrieb der SPD-Politiker.

Auch vonseiten der FDP hagelte es Kritik. Der für transgenderpolitische Fragen zuständige Sprecher der FDP-Fraktion, Jürgen Lenders, warf der AfD-Politikerin vor, von sexueller Identität und geschlechtlicher Vielfalt „keine Ahnung“ zu haben. „Die Beleidigung gegenüber der Kollegin der Grünen, Tessa Ganserer, ist unerträglich. Ich verurteile diesen transfeindlichen Angriff gegen sie.“

Omid Nouripour spricht von „Menschenverachtung“

Omid Nouripour, Bundesvorsitzender der Grünen, nahm seine Kollegin in Schutz und kritisierte die AfD: „Was die AfD heute im Bundestag abgezogen hat, ist schlicht eine Fortsetzung ihrer facettenreichen Menschenverachtung und ein Ausdruck ihrer Angst vor allen, die nicht uniformiert leben wollen. Tessa Ganserer ist eine von uns, wir stehen ihr bei gegen diese Hetze.“

Tessa Ganserer ging in ihrer Rede nicht auf die Provokationen ein.
Tessa Ganserer ging in ihrer Rede nicht auf die Provokationen ein. © Daniel Karmann/dpa

Auf dem Wahlzettel zur Bundestagswahl 2021 stand Ganserer mit dem männlichen Vornamen, den sie abgelegt hatte. Wie viele andere Menschen in ihrer Situation lehnt sie es ab, ihren Vornamen und ihr Geschlecht nach dem Transsexuellengesetz offiziell ändern zu lassen. Das 40 Jahre alte Gesetz sieht vor, dass Betroffene das erst nach einem psychologischen Gutachten und einer gerichtlichen Entscheidung dürfen - dabei müssen sie sich oft sehr intime Fragen gefallen lassen. Transmenschen sind Personen, die sich dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühlen.

Tessa Ganserer selbst hielt später ihre erste Rede im Bundestag zum Thema nachhaltige Entwicklung, ohne auf die vorangegangenen Äußerungen einzugehen. Die 44-Jährige ist eine von zwei Transfrauen im neuen Bundestag und saß zuvor im bayerischen Landtag. Im November 2018 hatte Ganserer ihr Coming-out als transident. (skr/dpa)

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