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Häuserskelette und Eisenträger ragen in den bleichen Himmel, aufrecht gehalten von einer wundersamen Statik.

Mossul

Am äußeren Rand der Hoffnung

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Anderthalb Jahre nach der Befreiung Mossuls ziehen die Menschen wieder in die zerstörte Altstadt, bereit für einen Neuanfang. Die Not ist groß ? und die Angst vor dem Terror ist geblieben.

In den Gärten im Osten von Mossul hängen reife Orangen an den Bäumen. Wer keine Orangenbäume hat, kann die Früchte bei den fliegenden Händlern kaufen, die ihre Waren am Rande der großen Straßen anbieten. Ein Kilo für einen halben Euro. Kisten über Kisten stehen dort. Im Grau der Stadt leuchten die Orangen wie ein Zeichen der Hoffnung. 

In den Ruinen Mossuls 

In den Ruinen im Westen von Mossul, dort, wo erst der Terror, dann der Krieg zerstörte, was Heimat, Kultur und Geschichte war, wo Bibliotheken verbrannten, Moscheen in sich zusammenstürzten, das Leben von Zehntausenden endete, spielen Kinder zwischen den Trümmern und suchen nach Dingen, die der kindlichen Sammelleidenschaft zunutze sind. Wertvolles liegt kaum noch unter diesen Trümmern, nur Plunder, Briefe, Fotos, Zerbrochenes. Die Gesichter der Kinder sind so grau wie der Schutt. Glückliche Kinder muss man woanders suchen. 

Wiege der Zivilisation

Dazwischen, zwischen den leuchtenden Orangen und den graugesichtigen Kindern, liegt der Tigris, jener Fluss, der zusammen mit dem Euphrat das Zweistromland Mesopotamien, die Wiege der Zivilisation begrenzte. 

Der Fluss hat schon viele Leichen davon getragen, nicht nur die Ermordeten des IS oder die Unglückseligen, die bei dem Versuch ertranken, schwimmend dem Terror des Kalifats von Abu Bakr al-Baghdadi zu entkommen. Auch Sumerer, Assyrer, Babylonier, Römer, Griechen und schließlich Osmanen lieferten sich an seinen Ufern Schlachten. Dutzende Male mischte sich das Wasser mit Blut. Fünf Brücken überspannen den Fluss, verbinden das neuere Ost- mit dem alten Westmossul. Nur zwei davon sind wieder befahrbar. An den Kontrollposten staut sich der Verkehr. Kinder klopfen an die Scheiben, ihre Hand am Mund. Sie haben Hunger. Kaum jemand reicht eine Münze aus dem Fenster. Für Mitleid hat man in Mossul keine Zeit. Und keine Kraft. 

Die schwarzen Fahnen des IS auf den Brückenbögen sind ersetzt worden durch die der schiitischen Haschd-al-Shaabi-Milizen, die irakische National- und die kurdische Flagge. Auf der anderen Seite des Flusses liegt, was von der Altstadt übrig blieb: Schutt, Häuserskelette, gespenstische Formationen, Eisenträger, die in den bleichen Himmel ragen, Fassaden ohne Fenster, die ein letzter Wille oder eine absurde Statik aufrecht hält. Und Müllberge, Schrotthaufen, alles, was der Krieg verschlungen und wieder ausgespuckt hat. 

Befreiung vom IS-Kalifat

Ein Jahr und ein halbes ist es her, dass der irakische Staatspräsident Haidar al-Abadi erklärte, Mossul, die letzte Hochburg des IS, sei nun befreit. Ein Jahr lang hatte irakisches Militär mit Unterstützung der US-amerikanischen Luftwaffe, die schwere Artillerie und Raketen einsetzte, gegen das selbsternannte Kalifat von Abu Bakr al-Baghdadi gekämpft, hatte in einem so furchtbaren wie rücksichtlosen Häuserkampf Straße um Straße zurückerobert. Wie viele in der Stadt eingeschlossene Zivilisten dabei starben, ist bis heute nicht bekannt, bislang wurden fast 3000 Leichen geborgen, Hunderte sollen noch unter den Trümmern liegen. 

Neuanfang in Mossul 

Haifa Ranem lebt in einem Haus, das stehenblieb, der Häuserkampf erreichte ihr Viertel nicht. In den vier Jahren der IS-Herrschaft hat Ranem getan, was sie schon immer tat: Bräute schminken, Nägel feilen, Haare schneiden, kunstvolle Frisuren stecken. Sie hat so getan, als könne man ein Gesicht schön machen, selbst dann, wenn seine Trägerin eine böse Seele hat. 40 Jahre ist Ranem, lebhaft, mit einer aufrechten Haltung. Eine stolze Frau. 

Als die Männer des IS kamen, nur wenige Tage nachdem sie das Kalifat ausgerufen hatten, und ihren Schönheitssalon plünderten, die Möbel zertrümmerten und das Werbeschild an ihrer Gartenmauer abrissen, ließen sie die Schminkdöschen und die Bürsten, die Nagellackflaschen und die elektrischen Stäbe zum Drehen von Locken unversehrt. Danach kamen sie fast an jedem Tag, hießen Ranem ihre Utensilien einpacken und ihnen zu folgen. „Meist haben sie mich abends oder am frühen Morgen geholt, in Wagen mit verdunkelten Scheiben gesetzt und zu Privatwohnungen gefahren. Es waren ihre Frauen und ihre Bräute, die ich schminkte und frisierte. Wie zu allen, deren Gehorsam sie wollten, haben sie auch zu mir gesagt, wenn ich mich weigere, erschießen sie meinen Sohn, meinen Mann und mich.“

Ihren Schönheitssalon hat Ranem wieder eröffnet. Er sieht aus, wie ein Friseursalon aus den 60er Jahren, alles in Pink, die Schränke, Stühle, selbst die Bürsten. Um Geld dafür zu verdienen, räumte sie monatelang den Schutt und den Müll der Stadt beiseite. Die Hilfsorganisation Care, die seit der Befreiung der Stadt die Bewohner unterstützt, bezahlte sie für diesen Dienst an der Gemeinschaft. „Müll, überall war Müll“, sagt Ranem und zieht einen Bogen mit ihren Armen. „Dass wir dafür bezahlt wurden, ihn fortzuräumen, war vor allem für die Frauen eine Chance, Geld zu verdienen für einen Neuanfang.“

Die Investition hat sich gelohnt. Auch wenn die zurückgekehrten Bewohner von Mossul arm sind, kommen genügend Kundinnen. Schönheit in diesen Zeiten, sagt Ranem, sei kein oberflächliches Begehren, sondern ein Akt der Emanzipation. „Nach all den Jahren, in denen der IS Frauen verbot, alleine das Haus zu verlassen, unverschleiert auf der Straße zu sein, all den Jahren, in denen sie jeden töteten, der sich nicht an ihre Gebote hielt, ist die Entscheidung für den Besuch eines Salons die Wiederentdeckung der Selbstbestimmung.“

Doch die Angst ist geblieben. Sie konzentriert sich auf das neue Schild an der Gertenmauer, auf dem Fotos von hübsch geschminkten Bräuten zu sehen sind. Für dieses Schild hätte der IS sie getötet. Und wer weiß denn schon, wie viele von denen noch da sind. „Von Frieden reden wir hier noch nicht“, sagt Ranem. 

Kontrollen auf dem Weg nach Mossul 

Nach Mossul kommt nach wie vor nur, wer einen Stapel Bewilligungen dabei hat. Alle paar Kilometer versperrt eine Kontrollstation den Weg. Kurdische Peschmerga, irakisches Militär, schiitische Milizen, irakische Anti-Terror-einheiten – junge Männer mit Sonnenbrillen und Gesichtsmasken –, sie alle wollen wissen, wer in die Stadt hineinwill. In diesen Tagen haben sie dort 52 Terrorverdächtige verhaftet, vier Menschen starben bei der Explosion einer Autobombe und wie eine Schlange kriecht ein Satz durch die Straßen der Stadt, windet sich um die Hoffnungen, vergiftet jene, die in den Trümmern einen Neuanfang wagten: Es ist noch nicht vorbei. 

Das Böse lebt noch immer in Mossul 

Den Kampf um die Rückeroberung der Stadt nennen sie in Mossul heute „die Schlacht“. Doch auch wenn deren Ende schien, als habe das Gute über das Böse gesiegt, so ging doch das Böse nicht aus der Stadt fort. Es nährt sich von den psychischen und wirtschaftlichen Folgen der Hölle, die der IS den Menschen bereitete, vom Misstrauen gegen die Nachbarn, von Gerüchten, wer beim IS gewesen sein soll und heute wieder als braver Bürger lebt. 

Vor allem aber nährt es sich von der Wut auf die schiitischen Brigaden, die schon vor dem IS in der mehrheitlich sunnitischen Stadt wie Besatzer auftraten, Mossul dann einfach dem IS überließen und heute wieder die Stadt kontrollieren. Und angeblich Gräueltaten an all jenen verüben, denen sie eine Sympathie für den IS unterstellen. 

Von willkürlichen Hinrichtungen und Folter ist die Rede. Es nährt sich von der Verzweiflung über die Zerstörungen. Das alte Mossul mit seinen Kulturbauwerken, dem Soukh der Bücher, mit seiner langen Historie als Stadt des Wissens und der Bildung, es wird nie wieder sein. 15 von 54 Wohnvierteln: dem Erdboden gleichgemacht. 

Und da ist neue Wut. Über den schleppenden Wiederaufbau, das Ausbleiben von Hilfsgeldern, die Gleichgültigkeit der irakischen Regierung. Was Heimat war, hat der IS zur Fremde gemacht, selbst für jene, deren Häuser nicht zerstört wurden. Dass die Wiedererrichtung der Stadt für Bagdad offenbar keine Priorität hat, ist fast eine Demütigung. 

Schon bald sei das Böse vielleicht kräftig genug, sich wieder zu zeigen – so fürchtet man in Mossul. Denn auch wenn das Kalifat als solches vernichtet ist, die Schläferzellen sind es nicht. Die Not und die Ungerechtigkeiten spielen der Terrororganisation in die Hände, eine bessere Grundlage für Neurekrutierungen kann es nicht geben.

Fernab von allem 

Wie man nach Mossul kommt, das wechselt. Mal ist die eine, mal die andere Straße gesperrt. Von Erbil, der Hauptstadt Kurdistans kommend, ist es eine Fahrt durch karges, einsames Land. Die Straße windet sich durch sanfte Hügel, entlang riesiger Felder. Dörfer zu beiden Seiten, viele zerstört, die terrakottafarbenen Häuser zu Schutt gebombt. Man muss diese Einsamkeit sehen, die Melancholie der nebelbedeckten Felder, dieses Fernab von allem, um zu verstehen, wie es der IS geschafft hat, Dorf um Dorf und schließlich Mossul zu erobern. 

Ein Pass erweckt Sehnsucht 

Auch ein deutscher Pass bedeutet in dieser Welt keine Freifahrt. Man muss Rede und Antwort stehen, wohin, warum. Aber so ein Pass erweckt bei den Soldaten Sehnsucht. Bärbeißige Militärs scherzen, ob man sie nicht mitnehmen könne. Den Namen Angela Merkel kennen sie alle. Und auch deren einst erklärten Willen, die Geschundenen dieser Welt aufzunehmen. Und sie alle kennen jemanden, der es geschafft hat in diesem Deutschland, der Geld verdient, dem Untergang entkam. Sie wissen nicht, dass viele dieser Geschichten Legenden sind. 

Verlust 

Auch Ranems Eltern und Geschwister leben in Deutschland. Ihnen gelang die Flucht, nachdem der IS die Stadt schon komplett abgeriegelt hatte. Sie bezahlten einen Schlepper, sie bei Nacht über den Tigris zu bringen, dann durch den Ostteil der Stadt hinaus, quer durchs Land. Für jedes Familienmitglied mussten sie 20 000 Dollar zahlen. Ranem blieb, weil ihr Sohn zu klein war und die Familie für weitere Fluchten kein Geld hatte. Dass sie, ihr Mann, ihr Sohn überlebten, es scheint ihr wie ein Wunder. „In dieser Stadt gibt es kaum eine Familie, die nicht etliche Mitglieder verloren hat. Jeder von uns hat den Tod vielfach gesehen und erlebt.“

Koalition der Willigen 

Der Verwesungsgeruch, der im letzten Sommer über der Stadt hing, ist verflogen. Die Toten, die noch unter den Trümmern liegen, sind wohl schon mumifiziert. 10 000 Menschen sind schätzungsweise in die Altstadt zurückgekehrt, genau weiß es niemand. Sie bilden eine Koalition der Willigen. Man muss willig sein, um zu überleben. Manche haben ihre Häuser wieder aufgebaut oder zumindest neue Wände gezogen. Die meisten aber hausen in den Ruinen, leben ohne Arbeit, ohne Strom, ohne Wasser, inmitten von Trümmern. Ein Jahr und viele Aufräumarbeiten später ist Mossul noch immer eine Totenstadt. Man mag sich nicht vorstellen, wie es direkt nach der Befreiung aussah. 

Stille Klage

Dort, wo al-Baghdadi 2014 sein Kalifat ausrief, in der Al-Nuri-Moschee, weht Wind über den leeren Platz. Die Trümmer des mittelalterlichen Bauwerks sind beiseite geschoben, von dem berühmten Minarett, das immer schief stand, weil es sich angeblich vor dem Propheten verneigte, ist nichts geblieben. Sand kreiselt im Wind, die Trümmer riechen klamm und staubig, die Leere des Platzes ist wie eine Klage. Auf diesem leeren Platz im kreiselnden Sand kniet ein Mann und betet, seine Stimme ist klagend, immer wieder schaut er gen Himmel, als könne von dort eine Antwort kommen. 

Was geblieben ist

Hunderte, vielleicht Tausende von Minen und Blindgängern sind der Stadt geblieben. Freiwillige und Experten durchkämmen an jedem Tag die Häuser und die Schuttberge. Wie Zorro einst sein „Z“, so schreiben sie ein „X“ neben den Eingang, das bedeutet: minenbefreit. Es gibt viele X. Aber noch mehr Häuser ohne X. 

Eintauchen in die Normalität 

Man würde gerne einfach durch die Straßen gehen und mit jenen plaudern, die sich in den Ruinen neu eingerichtet haben:  den Obsthändlern, den Teeverkäufern, jenen, die Autos und Waschmaschinen reparieren, Elektroartikel verkaufen, Restaurants eröffneten. Man würde gerne jenen folgen, die einen einladen, spontan und freundlich, mit der Absicht vielleicht, von ihrem Leben zu erzählen oder mit der, den Fremden ihre Not zu zeigen, damit er sie hinausträgt in die Welt. Doch immer steht an irgendeiner Ecke ein Soldat, der die Papiere sehen will, der einen zurückscheucht in den Wagen. So bleiben die Begegnungen flüchtige Momente, eiliges Aufeinandertreffen, zu wenig, um einzutauchen in das Leben der anderen. 

Rückkehr in eine zerschossene Wohnung

„Kann ein Mensch in dieser Stadt noch seinen Anstand wahren?“ fragt Ramah Youris. Sie kam zu uns, um uns ihr Kleid zu zeigen, das von vielen Sicherheitsnadeln zusammengehalten wird. Es gibt Schlimmeres, ganz sicher. Oder auch nicht, denn der Zerfall ihres Kleides ist für Ramah auch der Zerfall ihres Lebens und ihrer Würde. Der IS tötetete ihren Sohn, sie floh in den Osten der Stadt, doch die vielen Flüchtlinge ließen die Preise für Lebensmittel ansteigen, Wohnungen wurden knapp und teuer. Sie konnte sich das Leben dort nicht mehr leisten und kehrte zurück in ihre zerschossene Wohnung, eingefallene Wände, keine Fenster mehr, kein Strom, kein Wasser. Schrecken und Leid haben sich in ihrem Gesicht festgesetzt, haben die Haut erschlaffen lassen, die Augen verschleiert. Ramah sieht aus wie eine sehr alte Frau. Als wir sie nach ihrem Alter fragen, sagt sie, sie sei 58 Jahre. 

Wiederaufbau 

Die Vereinten Nationen schätzen, dass der Wiederaufbau Mossuls pro Jahr eine Milliarde Euro kosten wird, Mossuls Bürgermeister hat die Kosten sogar mit 35 Milliarden Euro beziffert. Die anfängliche Hoffnung, in fünf Jahren sei der Wiederaufbau zu bewältigen, ist verflogen, nun spricht man von zehn Jahren. Der größte Geldgeber ist Deutschland, die Bundesregierung hat seit 2014 insgesamt 1,3 Milliarden Euro investiert, in diesem Jahr sollen es nochmal 100 Millionen sein. 

Das Geld liegt in Bagdad

„Aber wo ist das Geld?“, fragt Abu Adnan. Er weist mit der Hand seine Straße hinauf und hinunter, Ruine steht neben Ruine, der Asphalt ist aufgeplatzt, gerissene Kanalisationsrohre stapeln sich am Rand. Adna kocht vor seinem Restaurant „Tashreeb“, einen irakischen Eintopf aus Lammfleisch und Gemüse. Die fette Suppe ist genau richtig für kalte Wintertage. 

Adnan kam als einer der ersten wieder zurück ins alte Mossul, er hatte Glück, sein Restaurant, das er seit 35 Jahren betreibt, war kaum beschädigt, nur das Mobiliar geplündert. Er kam, weil die Regierung Hilfe versprach. „Aber meines Wissens nach ist noch kein Vertreter hier aufgetaucht und die Arbeit in der Stadt machen die Hilfsorganisationen und wir. Das Geld liegt in Bagdad – und dort wird es wohl auch bleiben.“ 

Narben des Mörserfeuers 

Selbst die Häuser, die noch stehen, tragen die Narben des Mörserfeuers. Und nicht nur sie, eigentlich jeder Gegenstand: Straßenschilder, Laternen. Ein Taxifahrer besteht darauf, dass ein Foto von seinem Wagen gemacht wird, dessen Lack von Geschossen überall zerkratzt ist. In diesem Wagen überlebt zu haben, das ist sein Triumph – und treibt ihn zugleich zur Verzweiflung. „Müsste ich nicht ein Toter sein? Warum hat Allah mich zum Überlebenden gemacht? Ich finde keine Antwort.“ 

Liebe nach dem Krieg

Wer in Mossul nach Hoffnung sucht, findet sie am ehesten in der Bab al Baith-Klinik, einem von vier Krankenhäusern, die wieder intakt sind. Dort können Patienten zwar noch nicht aufgenommen, aber schon ambulant behandelt werden. Und dorthin kommen auch die Hochzeitspaare, die sich impfen und auf Krankheiten untersuchen lassen müssen, um ihre Heiratspapiere zu erhalten.

Faran Salim, 20 Jahre und ihr Bräutigam Hashim Muhad, 30 Jahre, sind eines davon. Sie verliebten sich, als der Krieg um die Stadt zu Ende war. Ihre Hochzeit soll all jene Familienmitglieder wieder vereinigen, die durch den IS verstreut wurden: 200 Gäste werden kommen. Salim und Muhad haben lange überlegt, ob sie wollen, dass ihre Kinder in Mossul aufwachsen und sich dann für ein Ja entschieden. Weil die Stadt eine Zukunft braucht, sagen sie. 

Tragödie von Gewalt und Gegengewalt

Der Schweizer Regisseur Milo Rau will im kommenden Jahr mit einheimischen Schauspielern in Mossul eine Adaption der Orestie von Aischylos aufführen. Die Tragödien behandelt das Thema Gewalt und Gegengewalt. Auge um Auge, Blut um Blut. Erst als Rechtsprechung an die Stelle individueller Rache tritt, ist die Kette durchbrochen und Frieden kann einkehren. Als das Werk 458 vor Christus uraufgeführt wurde, war Mossul längst eine Weltstadt. Wenn Raus Adaption auf die Bühne kommt, wird Mossul noch immer ein Ort der Trümmer sein. 

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