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Äthiopien

„Terrorherrschaft“ in Tigray hält an

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Hilfsorganisationen werfen eritreischen Soldaten in der äthiopischen Provinz Verbrechen vor.

Mek’ele – Von den Augen der Weltöffentlichkeit weitgehend abgeschottet, halten die Menschenrechtsverletzungen in der äthiopischen Tigray-Provinz unvermindert an. Entgegen den Ankündigungen der äthiopischen Regierung haben sich die Truppen aus dem Nachbarstaat Eritrea noch immer nicht aus der besetzten Region zurückgezogen. Sie werden von der dortigen Bevölkerung, internationalen Hilfsorganisationen und den wenigen, in der Provinz verbliebenen Medien für einen Großteil der Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht.

Äthiopien: Hilfslieferungen sollen nicht in die am schlimmsten betroffenen Regionen kommen

Teilweise seien die eritreischen Soldaten inzwischen in äthiopische Uniformen gekleidet, heißt es in Berichten aus dem Bürgerkriegsgebiet. Sie seien vor allem dafür verantwortlich zu machen, dass Hilfslieferungen nicht in die am schlimmsten betroffenen Regionen gebracht werden könnten. Selbst nach Angaben der äthiopischen Regierung sind 5,2 Millionen Menschen, mehr als 95 Prozent der Provinzbevölkerung, auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

In einem den Medien zugespielten Bericht des „Nothilfe-Koordinations-Zentrums“ der von der Zentralregierung eingesetzten Übergangsregierung von Tigray ist von der „Blockade“ und „Plünderung“ ausländischer Hilfslieferungen durch eritreische Soldaten die Rede. Diese tauchten auch immer wieder bei der Verteilung von Hilfsgütern auf, heißt es weiter: Die „verängstigte Bevölkerung“ suche daraufhin das Weite, während die eritreischen Truppen die Nahrungsmittel konfiszierten. Der von Addis Abeba eingesetzte Chef der Provinzverwaltung, Mulu Nega, trat in der vergangenen Woche ohne Nennung von Gründen zurück.

Äthiopien: Zwei Männer (r.) gehen am Straßenrand an dem Wrack eines zerstörten Fahrzeugs vorbei.

CNN: Eritreische Truppen hätten in der Tigray-Provinz eine „Terrorherrschaft“ errichtet

Die eritreischen Truppen hätten in der Tigray-Provinz eine „Terrorherrschaft“ errichtet, berichtet ein Team des US-Senders CNN: „Sie töten, vergewaltigen und blockieren Hilfslieferungen für die hungernde Bevölkerung – und das mehr als einen Monat nach der Ankündigung ihres Abzugs durch den äthiopische Premierminister Abiy Ahmed.“

Im lokalen Fernsehsender Tigray TV sprach Abebe Gebrehiwot, der Stellvertreter des zurückgetretenen Provinzchefs Mulu, von einer „gezielten Kampagne“, die Bevölkerung von der Landwirtschaft abzuhalten. Kleinbauern werde der Zugang zu ihren Feldern verwehrt, außerdem werde der Transport von Saatgut behindert. Die Absicht des Militärs sei offensichtlich, „das Volk von Tigray verhungern“ zu lassen, sagte Abeb.

Äthiopien: Berichte von einer Verfolgungswelle gegenüber Angehörigen der Tigray

Auch außerhalb der Provinz wird von einer zunehmenden Verfolgungswelle gegenüber Angehörigen der Tigray berichtet, die gut fünf Prozent der 110 Millionen Menschen in Äthiopien ausmachen. Sie würden „verhaftet, verfolgt, von ihren Jobs gefeuert oder suspendiert“, heißt es in einem Reuters-Bericht: Soldaten aus Tigray würden in Internierungslagern festgehalten. In einem Lager außerhalb der Hauptstadt Addis Abeba seien mehr als 300 Männer, Frauen und Kinder unter „miserablen“ Bedingungen eingesperrt.

Diese Menschen aus Tigray haben in einer Grundschule in Abi Adi Zuflucht gefunden.

Mehr als 100 im Rahmen einer UN-Mission im Nachbarland Sudan dienende Soldaten, die jetzt abgezogen werden sollten, ersuchten Ende vergangener Woche um Asyl. Derzeit warteten sie an einem „sicheren Ort“ auf die sudanesische Entscheidung über ihren Asylantrag, teilte die Flüchtlingsorganisation UNHCR mit. Indes sprach der Patriarch der Äthiopischen Orthodoxen Kirche, Abune Mathias, in einer privaten Video-Botschaft von einem „Völkermord“ in Tigray: „Sie wollen mit Akten von höchster Brutalität und Grausamkeit unser Volk zerstören.“ Der selbst aus Tigray stammende Kirchenführer wird derzeit gegen seinen Willen in Addis Abeba festgehalten. (Johannes Dieterich)

Menschenrechtsverstöße und Konflikte: Äthiopien droht zu zerbrechen

Rubriklistenbild: © Ben Curtis / dpa

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