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Flüchtlinge aus der Tigray-Provinz lassen sich an der Grenze zum Sudan registrieren.
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Flüchtlinge aus der Tigray-Provinz lassen sich an der Grenze zum Sudan registrieren.

Eskalation

Äthiopien: Regierung befiehlt Angriff auf Rebellenhauptstadt in Tigray

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Hunderttausende Menschen in Äthiopiens Norden fürchten um ihr Leben. Die Regierung greift die Hauptstadt der Rebellen in Tigray an.

Addis Abeba - Trotz zahlreicher internationaler Appelle, von einem Angriff auf Mekele Abstand zu nehmen, hat Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed seinen Streitkräften am Donnerstag den Befehl erteilt, Tigrays Provinzhauptstadt mit militärischen Mitteln einzunehmen. Damit werde „die dritte und letzte Phase“ der am 4. November begonnenen Invasion der aufständische Provinz eingeläutet, heißt es in einer über Abiys Facebook-Seite verbreiteten Stellungnahme.

Der Premier rief die rund 500 000 in der Stadt Ansässigen auf, „sich zu entwaffnen, zu Hause zu bleiben und von militärischen Zielen Abstand zu halten“. So sollten „die Schäden möglichst gering gehalten werden“, die eine „Handvoll Krimineller“ zu verantworten hätten. Die Regierungstruppen seien angewiesen worden, Mekeles Zivilbevölkerung zu schützen, fügte Abiy Ahmed hinzu. Nach eigenen Angaben haben Äthiopiens Streitkräfte die Provinzhauptstadt bereits seit zwei Tagen umzingelt und waren bei der Erteilung des Angriffsbefehls nur noch rund 50 Kilometer von der Stadt entfernt.

Abgeschossener Panzer in Tigray.

Konflikt um Region Tigray in Äthiopien: Appelle von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union

Sowohl UN-Generalsekretär António Guterres wie die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet riefen die äthiopische Regierung am Dienstag zum Stopp des Vormarschs und zur Aufnahme von Gesprächen mit Tigrays Patriotischer Befreiungsbewegung (TPLF) auf. Abiy ließ sich davon nicht beeindrucken und blieb bei seinem – an diesem Donnerstag abgelaufenen – Ultimatum, die TPLF solle endlich kapitulieren. Gleichzeitig verwahrte sich der Regierungschef „jeglicher rechtswidrigen Einmischung“ von außen in die „inneren äthiopischen Angelegenheiten“.

Wie verheerend der Angriff auf Mekele wird, darüber wird viel spekuliert. Während die Zentralregierung den Eindruck vermittelt, dass die Einnahme bereits in wenigen Tagen abgeschlossen sein wird, verweisen unabhängige Fachleute auf die Stärke der TPLF, die ursprünglich über bis zu 250 000 Soldaten verfügte. Verlässliche Informationen gibt es nicht: Die Provinz ist weitgehend isoliert, Internet und Mobilfunk sind unterbrochen. TPLF-Chef Debretsion Gebremichael hatte am Dienstag noch verkündet, seine Soldaten seien bereit, „für die Selbstbestimmung ihrer Provinz zu sterben“.

Unterdessen werden die Warnungen vor einer humanitären Katastrophe in Tigray immer lauter. UN-Angaben zufolge ist die Versorgungslage dort „äußerst kritisch“: Es gebe auch noch Treibstoff. Das Welternährungsprogramm WFP kann die Versorgung der dort ausharrenden rund 100 000 Flüchtlinge aus dem benachbarten Eritrea nicht mehr sichern. Außerdem hätten rund 600 000 auf Unterstützung angewiesene Menschen seit Beginn des Monats keine Hilfe mehr erhalten.

Kampf um Tigray: Millionen Menschen in Lebensgefahr

Offenbar haben die Regierungstruppen Flüchtlingen auch den Weg ins Nachbarland Sudan abgeschnitten: Nachdem dort in den vergangenen zwei Wochen mehr als 50 000 Menschen eingetroffen waren, hat der Zustrom inzwischen stark abgenommen. Nach Angaben der Caritas sind in Tigray mindestens 1,5 Millionen Menschen „unmittelbar durch Kampfhandlungen bedroht und von der Lebensmittel- und Wasserversorgung abgeschnitten“.

Mittlerweile hat der derzeitige Präsident der Afrikanischen Union (AU), Cyril Ramaphosa, Unterhändler nach Äthiopien entsandt für Gespräche mit Abiy und dessen Gegenspieler Debretsion. Der Delegation gehören die liberianische Ex-Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf sowie die beiden ehemaligen Staatschefs von Mosambik und Südafrika, Joaquim Chissano und Kgalema Motlanthe, an. Das Trio soll bereits in Addis Abeba sein. Dass die Ex-Staatschefs aber außer mit Abiy auch mit dem TPLF-Chef zusammentreffen können, gilt allerdings sowohl aus logistischen Gründen wie wegen des Widerstands der äthiopischen Regierung als unwahrscheinlich. Auf Wunsch der AU war am Dienstag eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats abgesagt worden: Die Union suche, „eine afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem“ zu finden, wurde in Pretoria verlautbart. (Johannes Dieterich)

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