1. Startseite
  2. Politik

Ärztliche Versorgung von Kindern in Deutschland: Keine schnelle Problemlösung in Sicht

Erstellt:

Von: Sandra Kathe

Kommentare

In der Krise zur Gesundheitsversorgung von Kindern sehen Experten frühestens im Februar eine Chance auf Besserung. Die Feiertage könnten die Lage verschlimmern.

Berlin – Mit fehlenden Medikamenten, Personalmangel und hohem Patient:innenaufkommen ist die Lage in der Gesundheitsversorgung von Kindern in Deutschland seit Wochen angespannt – und sie verspricht sich über die Feiertage weiter zu verschärfen. Davor warnen derzeit Gesundheitsexpert:innen – und weisen gleichzeitig darauf hin, dass auch nach den Weihnachtsferien vorerst nicht mit schnellen Problemlösungen zu rechnen ist. Der Grund: Die aktuelle Lage sei auf strukturelle Probleme zurückzuführen.

Das sagte etwa der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik, Prof. Jürgen Graf, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, in dem er darauf hinwies, dass die aktuellen Probleme „alles andere als neu“ seien. „Wir haben seit etwa einer Dekade im Herbst und Winter ein wachsendes Missverhältnis zwischen der Zahl der zu versorgenden Kinder und den vorhandenen Kapazitäten“, erklärte er und betonte, dass aktuell Personalmangel und Krankheitstage die Lage verschärften, nicht aber die Zahl der Patient:innen.

In vielen Kinderarztpraxen und Kinderkliniken in Deutschland ist die Lage seit Wochen angespannt.
In vielen Kinderarztpraxen und Kinderkliniken in Deutschland ist die Lage seit Wochen angespannt. (Symbolfoto) © Christoph Soeder/dpa

Überlastete Kinderärzte und Kinderkliniken: Personallage an Feiertagen verschärft Probleme

Im Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe betonte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, dass die Infektionen mit dem RS-Virus bereits zurückgingen, dafür allerdings deutlich mehr Fälle mit Grippe und anderen Atemwegserkrankungen zu beobachten seien: „Durch die Personallage an den Feiertagen wird die Lage in Kliniken und Praxen gleichzeitig noch einmal angespannter sein als jetzt.“

Auch Weltärztebund-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery rechne laut dem Funke-Bericht damit, „dass diese akute Krise in der Kindermedizin noch bis Februar andauert“. Denn letztlich stiegen die Fälle von Grippe und Atemwegserkrankungen im Winter nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Auch er rechnet damit, dass „Kinderkliniken über die Feiertage durch ausgedünnte Dienstpläne zusätzlich unter Druck“ gerieten, während die meisten Kinderarztpraxen während der Ferien regulär geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet seien.

Probleme bei der medizinischen Versorgung von Kindern: Keine kurzfristige Lösung

Das Problem gehe jedoch tiefer, betont Prof. Graf von der Frankfurter Uniklinik, weil die Kinderheilkunde seit einigen Jahren „so strukturiert“ sei, „dass sich viele Leistungen nicht rechnen“. Das betrifft, sagt Graf, sowohl auf Kindermedizin spezialisierte Arztpraxen als auch Kinderkliniken. Vorschläge, etwa dass Kollegen aus der Erwachsenenmedizin aushelfen sollen, seien wegen fehlender Kapazitäten kaum realisierbar. Die von einer Regierungskommission vorgeschlagene Reform der Krankenhausfinanzierung verspreche zwar mehr Erfolg, ließe sich aber auch nicht kurzfristig umsetzen. Was bedeuten könnte, dass sich im Frühjahr zwar vorerst eine Besserung einstellt, die Probleme im kommenden Winter aber schnell zurückkommen könnten.

Darum empfiehlt Montgomery auch Familien, selbst Schutzmaßnahmen zu ergreifen: Zum Beispiel dadurch, dass man an Orten mit hohem Ansteckungsrisiko weiterhin freiwillig Maske trägt. Zudem kritisierte Montgomery die Diskussion zur Abschaffung der Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion: „Corona-Infizierte dürfen wir nicht zur Arbeit gehen lassen. Das gilt besonders für das Gesundheitswesen“, sagte er. (ska mit dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare