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Was Ägypten mit Al-Sisi bevorsteht

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Von: Julia Gerlach

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Künftig ohne Uniform: Der ägyptische Verteidigungsminister Abdelfattah al-Sisi will Präsident werden.
Künftig ohne Uniform: Der ägyptische Verteidigungsminister Abdelfattah al-Sisi will Präsident werden. © REUTERS

Nach langem Warten erklärt Abdelfattah al-Sisi seine Präsidentschaftskandidatur. Der bisherige Militärchef galt lange als Retter der Nation. Zuletzt schrumpfte die Beliebtheit von Al-Sisi aber deutlich.

Es war eine Rede, an die sich die Ägypter wohl noch lange erinnern werden: In Kampfuniform, aber ohne Mütze wandte sich der ägyptischen Verteidigungsminister Abdelfattah al-Sisi am Mittwochabend an die Nation und kündigte an, dass er bereit sei, sich zum Präsidenten wählen zu lassen. Immer wieder bekam er während seiner sehr persönlich gemeinten Rede feuchte Augen: „Heute trete ich das letzte Mal in dieser Uniform vor euch. Für mich ist es ein besonderer Moment, denn ich erinnere mich genau, wie ich sie als 15-Jähriger angezogen habe. Damals war mein Wunsch, mein geliebtes Land zu verteidigen“, sagte er: „Aus dem gleichen Grund, weil es gilt Ägypten zu verteidigen, ziehe ich sie jetzt wieder aus“.

Hang zur Rührung

Er versprach faire Wahlen, wobei seine Redewendungen keinen Zweifel daran ließen, dass er sich schon als so gut wie gewählt betrachtet. So will er keinen klassischen Wahlkampf machen, sondern in den kommenden Wochen einen Entwicklungsplan für Ägyptens Zukunft aufstellen.

Er deutete auch an, dass er sich quasi verpflichtet fühle anzutreten: „Die Zeiten, in denen die Ägypter einen Präsidenten wählen müssen, den sie nicht haben wollen, sind ein für alle Mal vorbei“, sagte er. Damit spielte er auf die Präsidentschaftswahlen 2012 an, als viele Ägypter das Gefühl hatten, nur zwischen Pest und Cholera wählen und entweder für den Muslimbruder Mohammed Mursi oder für den Ex-General Ahmed Shafik stimmen zu können.

Al-Sisi hingegen gilt als Retter der Nation, weil er im vergangenen Sommer, als Millionen gegen Mursi auf die Straße gingen, diesen Aufstand unterstützte, ein Blutbad verhinderte und Mursi absetzte. Mehrfach wurden große Feierlichkeiten abgehalten, in denen die Massen Al-Sisi ihre Unterstützung versicherten.

Allerdings ist seine Beliebtheit zuletzt deutlich geschrumpft. Dies liegt einerseits daran, dass vielen Ägyptern das harte Vorgehen gegen die Opposition zu weit geht, wichtiger noch ist allerdings die zunehmende Not: Die Hoffnung, dass mit dem Sturz Mursis die Wirtschaft wieder aufblühen würde, ging nicht in Erfüllung, im Gegenteil. Die Krise hat sich vertieft.

Steile Karriere

Der Mann, der sich da am Mittwochabend den Ägyptern im Fernsehen präsentierte, hat viele Eigenschaften, die den Menschen am Nil gefallen: Seine warmen braunen Augen und sein Hang zur Rührung wird als Zeichen seines Mitgefühls gesehen, der Gebetfleck an der Stirn steht für seine tiefe Gläubigkeit. Der knapp 60-Jährige stammt aus der islamischen Altstadt von Kairo; einfache Verhältnisse. Dennoch hat er eine steile Karriere im Militär hinter sich.

Er studierte in Großbritannien und den USA, war Militärattaché in Saudi-Arabien und jüngstes Mitglied des Hohen Rates des Militärs unter dem gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak. Er gilt als Zögling des früheren Militärchefs Mohammed Hussein Tantawi. Dieser hat ihn mit dem Militärgeheimdienst betraut und er soll es auch gewesen sein, der Al-Sisi 2011 zum Ansprechpartner für die mächtiger werdende Muslimbruderschaft auserwählte. Die Muslimbrüder sahen ihn wegen seiner Religiosität als ihren Verbündeten und Mursi ernannte Al-Sisi kurz nach seinem Machtantritt zum Verteidigungsminister. Lange hielt die Allianz.

Erst im Frühjahr 2013, als sich die Unfähigkeit Mursis als Regierungschef zu sehr abzeichnete, wendete sich Al-Sisi gegen ihn. Al-Sisi wird in den regierungsnahen Medien gerne mit Gamal Abdel Nasser verglichen. Ähnlich wie Nasser setzt auch Al-Sisi auf brutale Härte im Umgang mit der Opposition. 2000 Menschen starben seit Sommer bei Auseinandersetzungen. Wie Nasser, der mit dem Assuan-Staudamm Geschichte machte, sind auch jetzt wieder Großprojekte im Gespräch: Entlang des Suezkanals soll eine Industriezone entstehen.

Zurück zur alten Ordnung

Nasser wird allerdings von vielen Ägyptern vor allem für seine regionale Führungsrolle verehrt und dafür, dass er durch Landreform und Verstaatlichungspolitik den Armen Arbeit gab. Dies zu wiederholen, wird Al-Sisi nicht gelingen. Die Zeiten haben sich zu sehr geändert.

Über das Privatleben des zukünftigen ägyptischen Präsidenten, und dass er es wird, daran besteht in Ägypten kein Zweifel, ist wenig bekannt. Sport und Lesen gibt er als Hobbys an. Seine Frau war kürzlich erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen, konservativ von Kopf bis Fuß schwarz verhüllt, nur ihr Gesicht war zu sehen.

Mit Al-Sisi als Präsident kehrt Ägypten nach drei Jahren Revolution zur alten Ordnung zurück. Die neue Zeit wird allerdings anders sein als die Ära Mubarak. Al-Sisi ist frommer als sein Vorgänger und befindet sich zudem mitten in einer blutigen Auseinandersetzung mit militanten Islamisten. Viel Raum für Freiheit und Demokratie bleibt da nicht.

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