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Ein Absperrband der Polizei sperrt den Berliner Platz in Bottrop ab. Ein Autofahrer soll dort gezielt in eine Fußgängergruppe gefahren sein.

Bottrop und Essen

Acht Menschen bei rassistischem Anschlag verletzt

Mit dem Auto fährt ein Mann in Bottrop und Essen absichtlich Menschen an und verletzt acht Passanten teilweise schwer. Der Täter wollte offenbar "Ausländer töten".

Aus einem rassistischen Motiv ist ein Autofahrer in der Silvesternacht im Ruhrgebiet mehrmals gezielt in Personengruppen gefahren und hat acht Menschen verletzt. „Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nach den ersten Vernehmungen am Dienstag. Der später Festgenommene habe das Auto in Bottrop und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem „gezielten Anschlag“.

Die schlimmsten Folgen hatte die Tat in Bottrop, wo der 50-Jährige kurz nach Mitternacht auf dem zentralen Berliner Platz in die Menge fuhr. Vier Menschen wurden dort verletzt, darunter ein Kind. Eine 46-Jährige schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Einen weiteren Verletzten gab es später in Essen. Zwei andere Versuche des Mannes, in Bottrop und Essen Passanten anzufahren, schlugen fehl. Hier kamen die Menschen mit dem Schrecken davon. Der mutmaßliche Täter stamme aus Essen und sei bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben „erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers“.

Die Polizei hält sich mit Aussagen zum genauen Tatablauf zunächst zurück. Ein erster Zeuge wurde nach Darstellung der Behörden kurz vor Mitternacht auf einer Zufahrtsstraße zur Bottroper Innenstadt auf den silbernen Wagen des 50-Jährigen aufmerksam. Plötzlich habe das Auto auf den Fußgänger zugehalten. Doch der Passant konnte sich retten. Der Täter fuhr weiter in Richtung Stadtzentrum. Als er dort ankam, war das Jahr 2019 erst wenige Minuten alt. Die Menschen auf dem Berliner Platz hätten ausgelassen gefeiert, berichtete ein Augenzeuge am Tag danach. Dann zeigt der Mann ein Video: Zu sehen ist das Auto, das in die Menge fährt. Es rollt vergleichsweise langsam, dadurch können sich noch relativ viele Menschen in Sicherheit bringen. Die Ermittler wollen sich zu solchen Details noch nicht äußern und betonen, der genaue Ablauf müsse mithilfe von Zeugenaussagen erst rekonstruiert werden. „Da ist jemand bewusst mit Tötungsabsicht in Menschen reingefahren“, sagte Innenminister Reul.

Anschließend sei der 50-Jährige in seine Heimatstadt Essen geflüchtet. Dort habe er noch zweimal versucht, gezielt in Menschengruppen zu fahren. In einem Fall wurde eine Person leicht verletzt. Im anderen Fall passierte wie durch ein Wunder nichts. „Er ist dort so auffällig gefahren, dass offensichtlich die Leute das geahnt haben und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten“, sagte Reul. Kurze Zeit später nahm die Polizei den Mann fest. Schon dabei habe er sich „fremdenfeindlich“ geäußert, hieß es.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, hat Aufklärung gefordert. „Die schreckliche und wohl rassistisch motivierte Tat muss entschieden aufgeklärt werden“, sagte sie auf Nachfrage. „Zwar scheint der Fahrer eine psychiatrische Vorgeschichte zu haben. Aber es muss geklärt werden, ob er tatsächlich allein handelte, oder ob es gegebenenfalls weitere Beteiligte oder Mitwisser gab.“ Zudem stelle sich die Frage, „ob der Täter sich in irgendeiner Weise in rechtsextremen Kreisen bewegte und seine Tat damit in Verbindung stand“. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte am Dienstagabend, an diesem Neujahrstag gelte der Vorsatz klarer denn je: „Wir stehen zusammen gegen rechte Gewalt. Den Kampf gegen den Hass auf andere Menschen werden wir mit allen Mitteln des Rechtsstaats engagiert fortsetzen.“ Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte der „Bild“, die Tat habe ihn „sehr betroffen gemacht“.  (dpa/mdc/fr)

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