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Gesundheitsminister Jens Spahn.

Reform

Abstimmung im Bundestag steht bevor

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Kirchen stellen sich gegen Spahn-Entwurf.

Wohl am 16. Januar wird der Bundestag über die Reform der Organspende in Deutschland abstimmen. Dabei dürfte die Entscheidung knapp ausfallen, ob das jetzige Recht nur weiterentwickelt oder mit der Widerspruchsregelung ein ganz neues System eingeführt wird. Derzeit versuchen die Befürworter beider Konzepte, noch unschlüssige Abgeordnete auf ihre Seite zu bekommen. So warnten kurz vor Weihnachten die beiden großen Kirchen in einem Brief an alle Parlamentarier vor den Plänen einer Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Gegen die von Spahn und Kollegen vorgeschlagene Widerspruchsregelung bestünden „erhebliche rechtliche, ethische und seelsorgerliche“ Bedenken, heißt es darin. Unterzeichnet ist der Brief vom Bevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin, Martin Dutzmann, und dem Leiter des Katholischen Büros in der Hauptstadt, Karl Jüsten. Die Widerspruchsregelung definiert alle als potenzielle Organspender, die nicht zu Lebzeiten widersprechen.

Dutzmann sagte laut Evangelischem Pressedienst dazu, man sei der Meinung, „dass der Staat hier einen zu tiefen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht vornimmt, auch wenn ein Widerspruch möglich ist“. Stattdessen unterstütze man den Entwurf einer Parlamentariergruppe um die Grüne Annalena Baerbock. Der will das jetzige Recht weiterentwickeln, wonach nur nach Zustimmung zu Lebzeiten postmortal Organe entnommen werden dürfen. Die Aufklärung soll aber verstärkt und der Spenderwille künftig von Behörden oder vom Hausarzt aktiv abgefragt werden.

Auch von der CDU-Gesundheitspolitikerin Claudia Schmidtke bekamen die Bundestagsabgeordneten kürzlich Post. Das Schreiben liegt der FR vor. Die gelernte Herzchirurgin tritt darin offensiv für die Widerspruchsregelung ein, was auch der klare Tenor der Expertenanhörung im September gewesen sei. Schmidtke hält den Baerbock-Entwurf für untauglich und verweist auf Erkenntnisse der Stiftung Eurotransplant, die für die Verteilung von Spenderorganen in acht europäischen Ländern, auch Deutschland, zuständig ist. Demnach habe verstärkte Aufklärung „nach übereinstimmenden Erfahrungen aller Eurotransplant-Länder keinen oder nur marginalen Einfluss auf die Zahl der Organspender“. Schmidtke erinnerte an eine Studie der Deutschen Transplantationsgesellschaft, wonach sich in Staaten, die eine Widerspruchsregelung einführten, die Transplantationszahlen um 38 bis 83 Prozent erhöhten.

Schauspieler Jürgen Vogel spricht über sein Engagement für den Verein „Junge Helden“ und erklärt, warum die Widerspruchsregelung für ihn die perfekte Lösung ist.

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