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Vermutlich wird man ihn auch künftig durch Berlin radeln sehen: Hans Christian Ströbele geht als Bundestagsabgeordneter der Grünen in den Ruhestand.

Bundestagswahl 2017

Abschied von grünen Vorkämpfern

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Der Marsch durch die Institutionen ist vorbei: Für prominente grüne Vorkämpfer endet das Leben als Bundestagsabgeordnete. Nicht alle gehen freiwillig.

Ströbele wählen heißt Fischer quälen“ schrieb der Jurist Hans Christian Ströbele 2002 auf seine Wahlplakate – Antipode war der grüne Außenminister Joschka Fischer, der dem linken Parteiflügel suspekt war. In den 70er Jahren war Ströbele aus der SPD ausgeschlossen worden, weil er, der Rechtsanwalt, RAF-Terroristen verteidigt hatte.

Als erster Grüner holte er bei Bundestagswahlen ein Direktmandat und bekam etwas Ikonenhaftes. Der Mitbegründer der Tageszeitung „taz“ gewann das Mandat noch weitere drei Male. Nun ist der 78-Jährige dabei, meterweise Akten aus seinem Büro zu räumen. Ströbele ist einer der grünen Kämpen, die dem neuen Bundestag nach der Wahl am 24. September 2017 nicht mehr angehören werden. 

Auch Marieluise Beck blickt auf eine lange Abgeordnetenkarriere zurück. Ihr erster Auftritt im Bundestag galt Helmut Kohl. Dem frisch gewählten Kanzler überreichte die Bremerin einen verdorrten Tannenzweig als Symbol für den sauren Regen. Auch die Grünen waren damals, 1983, frisch gewählt und gehörten zum ersten Mal dem Bundestag an. Die 65-Jährige zählt zum realpolitischen Flügel ihrer Partei. Weil sie sich von ihrem Landesverband nicht mehr unterstützt fühlt, hört die engagierte Menschenrechtlerin und Osteuropa-Kennerin auf. 

Am 2. Juni 1967, dem Tag, an dem Benno Ohnesorg erschossen wurde, „änderte sich mein Leben“, schreibt Tom Koenigs. „Das war der Moment meiner Politisierung.“ Der Kölner Bankierssohn schloss sich linksradikalen Gruppen an, beendete sein BWL-Studium und wurde erstmal Schweißer bei Opel. 550 Schweißnähte pro Schicht, so sah sein Arbeitstag aus. Er lernte Elektromechaniker, sattelte um auf Buchhändler, spendete sein Erbe an den Vietcong und chilenische Widerstandskämpfer. 

Er ging zu den Grünen, übte politische Ämter in Frankfurt, Berlin und bei der UN aus. Als andere in Rente gingen, zog er in den Bundestag ein. Zwei Wahlperioden später hört er wieder auf. „Wir brauchen auch neue Ideen“, sagt der 73-Jährige. 

Neben Ströbele, Beck und Koenigs verlassen auch Bärbel Höhn und Volker Beck den Bundestag - letzterer mit einem drehbuchreifen Abgang. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke, um mehr über die grünen Aussteiger zu erfahren.

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