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Ab unter die Erde

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Von: Joachim Wille

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Der CO2-Ausstoß der Zementindustrie lässt sich nicht vollkommen herunterfahren.
Der CO2-Ausstoß der Zementindustrie lässt sich nicht vollkommen herunterfahren. © imago/(Symbolbild)

An CCS, dem Speichern von Kohlendioxid in der Erde, scheiden sich seit langem die Geister. Bei den Grünen hat ein Umdenken begonnen.

Das Treibhausgas CO2 nicht in die Atmosphäre pusten, sondern in die Erde entsorgen. Geniale Idee? Oder perfide Strategie der fossilen Lobby, um Kohle- und Erdgaskraftwerke weiter betreiben zu können? An „CCS“ scheiden sich seit langem die Geister. Das Kürzel steht für „Carbon Capture and Storage“, also CO2-Abscheidung und Einlagerung.

Bei den Grünen, die CCS ablehnten, hat allerdings ein Umdenken begonnen. Erst betonte der „Evaluierungsbericht“ des grün geführten Bundeswirtschaftsministeriums zum Kohlendioxidspeichergesetz, Deutschland könne ohne CCS nicht klimaneutral werden. Und nun setzte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir per Interview nach. Für bestimmte Sektoren, etwa die Zementindustrie, biete sich CCS als Lösung an. Wegen des Ziels, beim CO2-Ausstoß auf Null herunterzukommen, „müssen wir uns das anschauen“, so der Grüne.

Die Grünen-Spitze rüttelt also an einem weiteren Tabu. Sie hat Kohlekraftwerke reaktiviert, um Putins Energiewaffe zu entschärfen, sie hat AKW-Laufzeiten verlängert und verstromt mehr Erdgas, um den Franzosen über den Winter zu helfen, deren Atommeiler schlapp gemacht haben. Und nun CCS.

Dabei gibt es einen Unterschied bei den grünen Lockerungsübungen. Während die Rückschritte bei Kohle, Atomkraft und Erdgas mit einer beschleunigten Energiewende wieder beseitigt werden können, wird das Thema CO2-Speicherung bleiben. Es gibt wichtige Branchen, deren Treibhausgas-Ausstoß sich nicht völlig herunterfahren lässt. Nicht nur Industriezweige wie Zement und Kalk, auch in der Landwirtschaft, bei Abwasserbehandlung und Müllentsorgung entstehen „Restemissionen“. Sie betragen laut dem Habeck-Bericht bis zu 73 Millionen Tonnen CO2 im Jahr, zehn Prozent des jetzigen Ausstoßes.

Al-Wazir erläutert das Umdenken der Grünen damit, dass die Gefahr, die Industrie wolle CCS als Lebensverlängerung für Kohlekraftwerke nutzen, nicht mehr bestehe. Über mögliche Standorte für CCS-Endlager spricht trotzdem bisher niemand. Und zum Glück hat ja Norwegen angeboten, CO2 auch für andere europäische Länder einzulagern – in alten Erdgaslagern 3000 Meter tief unter der Nordsee.

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