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Der „Krieg gegen den Terror“ rückt Kampfdrohnen ins Rampenlicht.
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Der „Krieg gegen den Terror“ rückt Kampfdrohnen ins Rampenlicht.

9/11: Rüstungspolitik

9/11 und der Drohnenkrieg: Wenn die Todesengel über dir kreisen

Der „Krieg gegen den Terror“ rückt Kampfdrohnen ins Rampenlicht. Sie werden als exakt gelobt, dabei töten sie wahllos. Ein Gastbeitrag von Emran Feroz.

„Wir werden uns rächen“, waren die Worte von US-Präsident Joe Biden kurz nach dem blutigen IS-Anschlag am Kabuler Flughafen. Bei dem Angriff wurden fast 200 Afghanen sowie 13 US-Soldaten getötet. Zeitgleich spielte sich aufgrund des Einmarsches der Taliban, des Abzugs des US-Militärs und der damit verbundenen Evakuierung ein Chaos am Flughafen der afghanischen Hauptstadt ab.

Die „Rache“, von der Biden sprach, folgte bald darauf. Sowohl in Kabul als auch in der ostafghanischen Provinz Nangarhar fanden Drohnenangriffe statt. Laut der US-Regierung wurden ausschließlich „IS-Terroristen“ durch die Angriffe getötet, doch bald darauf wurde Gegenteiliges deutlich. Die US-Drohne in Kabul tötete zehn Zivilisten, die allesamt zur selben Familie gehörten. Hinzu kam, dass eines der Opfer einst für jene Truppen, die ihn nun umgebracht hatten, als Dolmetscher tätig gewesen war. Sein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten lag schon bereit, doch dann wurde er von jener Realität eingeholt, die den „War on Terror“ am Hindukusch seit zwei Jahrzehnten prägt.

Emran Feroz ist ein afghanisch-österreichischer Autor mit dem Spezialgebiet Drohnen. Ende August ist sein Buch „Der längste Krieg. 20 Jahre War on Terror“ erschienen (Westend-Verlag, 176 Seiten, 18 Euro).

Laut dem in London ansässigen Bureau of Investigative Journalism (BIJ) fanden allein zwischen 2015 und 2020 über 13.000 Drohnenangriffe in Afghanistan statt. Dabei sollen zwischen 4000 und 10.000 Afghanen getötet worden sein. Die US-Regierung verkaufte der Öffentlichkeit ihren Drohnenkrieg stets als „präzise“ und „sauber“, doch die Realität in Afghanistan, dem am meisten von Drohnen bombardierten Land der Welt, zeichnet ein gänzlich anderes Bild: Allein in den letzten fünf Jahren handelte es sich bei 40 Prozent der Opfer von Luftangriffen – rund 1600 Menschen – um Kinder. Ähnliches war auch in anderen Ländern der Fall, in denen die US-Drohnen Menschen jagten, etwa im benachbarten Pakistan. Dort wurde bekannt, dass lediglich vier Prozent aller bekannten Opfer aus einem „Al-Kaida-nahen Umfeld“ stammten.

9/11: Al-Kaida im Visier

Die bekannten Daten sprechen seit Jahren für sich. Bereits 2012 machte eine Recherche der New York Times deutlich, wie die US-Regierung mit ihren Drohnenopfern umgeht. Abgesehen davon, dass nach zivilen Opfern Untersuchungen vor Ort nicht stattfanden, wurde klar, dass man jede männliche Person im wehrfähigen Alter per se als „feindlichen Kombattant“ betrachtete. Dadurch wurde die Tötung von Tausenden von Menschen gerechtfertigt. Sie waren zum Abschuss freigegeben.

Laut Recherchen der britischen Menschenrechtsorganisation „Reprieve“ wurden zwischen 2002 und 2014 für 41 Zielpersonen in Pakistan und dem Jemen 1147 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet. Zu den bekannten Zielen gehörten unter anderem Al-Kaida-Chef Ayman az-Zawahiri und Sirajuddin Haqqani, ein bekannter Taliban-Führer. Die beiden Männer sind gegenwärtig weiterhin am Leben. Letzterer wurde gerade erst zum Innenminister der neuen Taliban-Regierung ernannt.

Die meisten Drohnen-Opfer waren unschuldig

Das FBI setzte auf Haqqani einst ein Kopfgeld von 10 Millionen US-Dollar aus. Nach mehreren Drohnenangriffen wurde er jedes Mal für tot erklärt – bis er lebendig wieder auftauchte. Ähnlich wie viele andere Extremistenführer wurde er von den Killermaschinen der Amerikaner nie getötet. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass niemand jene offensichtliche Frage stellt: Wer waren all die Menschen, die an seiner Stelle ausgelöscht wurden?

Eine Antwort darauf hat Lisa Ling. Sie war einst als Technikerin für die US-Luftwaffe tätig und wartete Drohnen. Mittlerweile agiert sie als Whistleblowerin und klärt über das Drohnenprogramm ihrer Regierung auf. „Die meisten Opfer waren unschuldige Menschen. Wir konnten nicht zwischen bewaffneten Kämpfern und Zivilisten unterscheiden“, so ihr Resümee. Zum selben Schluss kam auch der ehemalige Geheimdienstanalyst Daniel Hale. In seinen Leaks machte er deutlich, dass die meisten Drohnenopfer in Afghanistan Zivilisten waren und dass die US-Basis in Ramstein das Herzstück des illegalen Krieges seiner Regierung sei. Vor wenigen Wochen wurde er deshalb von einem US-Gericht zu einer fast vierjährigen Haftstrafe verurteilt. (Emran Feroz)

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