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Satiriker und Politiker Oliver Maria Schmitt ist Halbthüringer. 

Oliver Maria Schmitt

Das Ziel der PARTEI: „So viele Deutschlands wie möglich“

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Satiriker und Politiker Oliver Maria Schmitt spricht mit der FR über die Wahl in Thüringen und den Fall der Mauer vor 30 Jahren. 

Oliver Maria Schmitt ist Schriftsteller, Satiriker und Politiker in der Partei DIE PARTEI. Von 1995 bis 2000 war Schmitt Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“. Oliver Maria Schmitt, Thomas Gsella und Martin Sonneborn bilden zusammen die „Titanic Boy Group“. 

Herr Schmitt, was sagen Sie zu dem Wahlergebnis in Thüringen?
Als Westdeutscher fühle ich mich in meinen Vorurteilen gegen den Osten bestätigt, als ethnischer Halbthüringer – meine Mutter stammt aus Gotha – beschämt über die faschistoiden Gesinnungstendenzen meiner zum Glück nur Halb-Landsleute. Letztlich wurde in Thüringen mit 23,4 Prozent für die AfD nur die Tradition fortgeführt, die dort schon 1930 begründet wurde, als im „Mustergau“, wie er sich zu Nazizeiten nannte, die erste Regierungsbeteiligung der NSDAP gefeiert werden konnte.

Die besten Kräfte der PARTEI stammen aus dem Osten 

Sie sind Politiker der Partei DIE PARTEI. Wie beurteilen Sie das Abschneiden Ihrer Partei?
Wir sind noch mitten in der Analyse, aber mit insgesamt mehr Stimmen als Piraten, NPD und Team Frau Kepetry (Die blaue Partei, Red.) zusammen sind wir schon mal nicht unzufrieden. Selbst wenn wir mit 1,1 Prozent unser Wahlziel „99 Prozent plus X“ klar, aber knapp verfehlt haben.

Ist die PARTEI im Osten generell schlechter aufgestellt?
Die besten Kräfte der PARTEI stammen aus dem Osten – außer vielleicht Martin Sonneborn, dem gesamtem Bundesvorstand und ein paar Zigtausend Mitgliedern. Der Landesverband Thüringen unter Eggs Gildo ist auf jeden Fall der coolste, den wir haben – Gildo konnte die Stadt Erfurt per Gerichtsbeschluss zwingen, vom Ordnungsamt abgehängte PARTEI-Plakate („Wahlvolk aufgepasst: Mohring will mit Höcke bumsen“) wieder aufzuhängen.

30 Jahre Mauerfall - für DIE PARTEI kein Grund zum Feiern

In diesem Jahr feiert die Republik 30 Jahre Mauerfall. Feiern Sie mit?
Ohne die schützende Mauer aus Beton kam tatsächlich – wie das Faktenmagazin „Titanic“ bereits in den 80er Jahren prophezeite – ein Millionenheer zerlumpter Gestalten herüber zu uns in den Westen, um uns unseren Wohlstand wegzufressen. 30 Jahre und einen immer noch existenten „Solidarzuschlag“ später haben wir uns noch immer nicht davon erholt. Was sollte ich da feiern?

Wie haben Sie das seinerzeit erlebt?
Wie Kohl und Merkel auch: Fassungslos vor dem Fernseher. Ich fuhr dann sofort nach der Grenzöffnung mit Freunden rüber nach Thüringen, um uns mit eigenen Augen vom Anblick der Trümmerlandschaft zu überzeugen. Doch weil es in Erfurt damals keine Lebensmittel gab, nicht mal eine Thüringer Bratwurst, kehrten wir schnell wieder um.

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall gilt: so viele Deutschlands wie möglich

Sie waren auch Chefredakteur der „Titanic“, in der es im Impressum heißt: „Die endgültige Teilung Deutschlands - das ist unser Auftrag“. Ist sie nicht mit dem Mauerfall krachend gescheitert?
Als Satiriker waren und sind wir natürlich daran interessiert, so viele Deutschlands wie möglich zu haben: Zwei Deutschlands statt einem heißt doppelt so viele Witze und doppelt so viel verkaufte Auflage. Für diesen Traum kämpfen wir bis zuletzt.

Wie schätzen Sie die Zukunft des vereinten Deutschland ein? Wächst da etwas zusammen - oder sollte man die Mauer wieder hochziehen?
Die PARTEI wurde 2004 eigens zu dem Zweck gegründet, die Mauer wieder aufzubauen. Denn Mauern verbinden, sie machen aus Anwohnern Nachbarn und schaffen neue Arbeitsplätze. Bereits 1999 titelte die Titanic: „Aufatmen in Deutschland – Die Mauer wächst nach!“ Die Hoffnung also stirbt zuletzt, sie ist ein zartes, hartes Pflänzchen.

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