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Die 2G-Regel als Anti-Corona-Maßnahme ist in der Politik umstritten.
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Die 2G-Regel als Anti-Corona-Maßnahme ist in der Politik umstritten.

Anstieg der Corona-Neuinfektionen

2G gegen Corona: Ungerechtigkeit gegenüber Ungeimpften oder Notbremse?

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Soll des Nachteile für Menschen ohne Corona-Impfung geben? In immer mehr Ländern wird das nun Realität.

+++ 11.35 Uhr: Brandenburg will die Corona-Vorgaben verschärfen und die 2G-Regel einführen - wie weitgehend, ist offen. Das Kabinett verabredete am Dienstag, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt zu Diskotheken, Clubs und Festivals haben sollen. Am Donnerstag soll die Entscheidung fallen - auch ob dann Gaststätten und Hotels hinzukommen.
 

2G gegen Corona: Ungerechtigkeit gegenüber Ungeimpften oder Notbremse?

Erstmeldung, 09.11.2021: Berlin/Dresden - Sachsen bleibt das Bundesland mit der höchsten Corona-Infektionsrate. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tages-Inzidenz am Dienstag mit 483,7 an. Das war etwas niedriger als am Montag, aber immer noch der höchste Wert aller Bundesländer. Daher macht das Bundesland jetzt ernst. Als erstes Flächenland nutzt der Freistaat umfassend 2G. Nur Geimpfte und Genesene dürfen jetzt in Restaurants, Kneipen oder Diskotheken, ein negativer Corona-Test nützt nichts.

Sachsen dürfte allerdings mit diesem Vorstoß nicht alleine bleiben. Millionen Menschen in Deutschland müssen sich wohl demnächst darauf einstellen, bald im Alltag den Impfpass vorzulegen - oder draußen zu bleiben.

2G gegen Corona: In vielen Bundesländern eine Option

Die 2G-Regeln sind auch in andern Bundesländern wie Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern geplant. Eine Option sind sie überall, wo Infektionszahlen in die Höhe schnellen und Kliniken voll laufen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verteidigt die Beschränkungen für Ungeimpfte als Notbremse, um Schlimmeres abzuwenden: den Lockdown für Geschäfte und Lokale nämlich. Und dem scheidenden Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) zufolge könnte 2G bereits ab dem Wochenende oder ab Anfang der kommenden Woche gelten. Dennoch sind Expert:innen und auch Politiker:innen erstaunlich uneins, ob und wie 2G wirkt.

„Aus medizinischer Sicht ist die 2G-Option grundsätzlich nachvollziehbar“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. Aber sie sei schwer umsetzbar. „Außerdem werden durch eine verpflichtende Einführung vor allem verfassungsrechtliche und gesellschaftspolitische Fragen aufgeworfen, die nicht von Medizinern beantwortet werden können.“

1G statt 2G? Expert:innen nicht einig über Corona-Maßnahmen

Selbst am medizinischen Sinn haben einige Fachleute Zweifel. 2G gebe eine „Scheinsicherheit“, kritisierte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit am Wochenende im Deutschlandfunk. Auch Geimpfte könnten sich infizieren und das Corona-Virus übertragen. Wirkliche Sicherheit gäben nur Tests bei allen, ob geimpft, ungeimpft oder genesen. Er nannte das 1G. Sein Kollege Hendrik Streeck wandte beim Redaktionsnetzwerk Deutschland ein: Wenn Ungeimpfte ausgeschlossen würden, ließen sie sich womöglich noch weniger testen und feierten ungetestet zuhause.

Bodo Ramelow, der thüringische Ministerpräsident, in dessen Bundesland es ähnlich dramatische Corona-Zahlen hat wie Sachsen gibt, geht ebenfalls auf Distanz zu 2G. Denn wer solle das kontrollieren? Und was nützen Regeln, die niemand überwacht? Wer kürzlich im Café oder Restaurant war, weiß, wie unterschiedlich gültige 3G-Regeln durchgesetzt werden. Ob jemand geimpft, genesen oder frisch getestet ist: Oft fragt danach niemand.

Politiker:innen in der 2G-Frage uneins: Darf man Corona-Ungeimpfte benachteiligen?

Es scheint auch, dass in der Politik kaum jemand Ungeimpfte unter Druck setzen will. Die Debatte wurde schon zu Beginn der Corona-Impfkampagne geführt und nie aufgelöst. „Keine Sonderbehandlung für Geimpfte! Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften kommt einer Impfpflicht gleich“, warnte etwa Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in der Bild am Sonntag.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hingegen forderte, Geimpften früher als anderen wieder den Besuch in Restaurants oder Kinos zu erlauben: „Geimpfte sollten wieder ihre Grundrechte ausüben dürfen.“ Wer hat nun recht? Darf man Menschen benachteiligen, die sich gegen das Impfen entscheiden? Treibt das den Keil noch tiefer zwischen die Mehrheit der Geimpften und die Minderheit der Skeptiker:innen?

Corona-Krise in Deutschland: Ethik-Rat ist sich bei 2G uneins

Julian Nida-Rümelin, Vizechef des Deutschen Ethikrats, sieht darin einen „unnötigen Stresstest“, wie er dem RND sagte: „Jetzt durch Ausschluss aus sozialen, kulturellen oder ökonomischen Aktivitäten die Nichtimpfwilligen zu zwingen, sich impfen zu lassen, führt zu einem Antiimpfheroismus, bei dem die Menschen stolz darauf sind, dass sie Widerstand leisten.“

Die Vorsitzende Alena Buyx hingegen schloss im Sommer Vorrechte für Geimpfte und Genesene nicht grundsätzlich aus. „Ich hoffe sehr, dass die Situation nicht so schlecht wird, dass man 2G überhaupt flächendeckend einsetzen muss“, sagte Buyx damals im ZDF.

Wie auch immer man zu 2G steht, eine Begleiterscheinung der Debatte ist bereits zu beobachten: Die Impfzahlen gehen hoch - selbst in Sachsen, das bisher die niedrigsten Impfquote Deutschlands vorweist. Auch in Baden-Württemberg steigt die Nachfrage, in Berlin, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. „In einzelnen Rückmeldungen wird die zunehmende Anwendung von 2G als Grund für die Impfentscheidung angeführt“, berichtete der Sprecher von Nordwestmecklenburg, Christoph Wohlleben. (ktho/dpa)

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