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26 Jahre Haft für Anführer der UCK

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Von: Thomas Roser

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Salih Mustafa, Ex-Kommandant der „Kosovo Befreiungsarmee“, wartet im Gericht des Sondertribunal zum Kosovo auf die Verlesung des Urteils durch die Richter. Mustafa ist angeklagt wegen Kriegsverbrechen wie willkürlicher Inhaftierung, grausamer Behandlung, Folter von mindestens sechs Personen und Mord an einer Person in einem Gefangenenlager in Zllash, Kosovo, im April 1999.
Salih Mustafa, Ex-Kommandant der „Kosovo Befreiungsarmee“, wartet im Gericht des Sondertribunal zum Kosovo auf die Verlesung des Urteils durch die Richter. Mustafa ist angeklagt wegen Kriegsverbrechen wie willkürlicher Inhaftierung, grausamer Behandlung, Folter von mindestens sechs Personen und Mord an einer Person in einem Gefangenenlager in Zllash, Kosovo, im April 1999. © dpa

Kosovo-Tribunal fällt erstes Urteil

Wegen Kriegsverbrechen an seinen eigenen Landsleuten hat der Kosovo-Sondergerichtshof in Den Haag Salih Mustafa, einen Ex-Kommandanten der Untergrundarmee UCK, am Freitag in erster Instanz zu einer Haftstrafe von 26 Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass „Kommandant Cali“ als Chef einer Guerilla-Einheit während des Kosovokriegs 1999 verantwortlich war für willkürliche Verhaftungen, Folter und die Ermordung von Kosovo-Albaner:innen, die von der UCK der Kollaboration mit der serbischen Armee bezichtigt oder als politische Gegner betrachtet wurden.

Der Verteidigung sprach von einem „absurden Urteil“, das „für alle Albaner unfassbar und unzulässig“ sei, und kündigte Berufung an: Mustafa und seine UCK-Mitstreiter hätten einen „gerechten Krieg“ gegen die serbische Besatzung und den Belgrader Autokraten Slobodan Milosevic geführt. Der Anklagevertreter Alex Whiting begrüßte das Urteil im ersten Kriegsverbrechen-Prozess des 2017 eingerichteten Sondergerichts hingegen als „Meilenstein“ und würdigte den Mut von Zeug:innen und Opfern, trotz Einschüchterungen auszusagen.

Der Sondergerichtshof ziele darauf ab, die serbischen Aggressoren mit den albanischen Opfern des Kosovokriegs gleichzusetzen, erneuerte die regierende Vetevendosje-Partei in einer ersten Reaktion ihre grundsätzliche Ablehnung des Gerichts.

Kosovos Parlament hatte 2015 auf starken Druck des Westens die Einrichtung eines international besetzten Gerichtshofs beschlossen. 2017 nahm dieser in Den Haag seine Arbeit auf, gilt aber als Teil der Kosovo-Justiz.

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