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Das Plutonium in „Fat Man“ explodiert.

Japan

9. 8. 1945, 11.02 Uhr

Nagasaki gedenkt des Atombombenabwurfs.

Mit einem neuerlichen Appell zur Abschaffung aller Atomwaffen in der Welt hat die japanische Stadt Nagasaki der Opfer des Atombombenabwurfs vor 75 Jahren gedacht. Angesichts der Sorgen vor einem neuen atomaren Wettrüsten forderte Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue am Sonntag bei einer Gedenkzeremonie – wie schon im Vorjahr – die rechtskonservative Regierung seines eigenen Landes auf, einem UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen von 2017 beizutreten. Drei Tage zuvor hatte das auch sein Kollege in Hiroshima gefordert; die Stadt war am 6. August 1945 Ziel des ersten Atombombenabwurfs der Welt geworden.

Über Nagasaki explodierte am 9. August 1945 um 11.02 Uhr (Ortszeit), die US-Atombombe „Fat Man“. Auf die Minute genau 75 Jahre später legten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung eine Schweigeminute ein. Allein in Nagasaki wurden damals etwa 70 000 Menschen durch direkte Einwirkung getötet, 75 000 weitere verletzt.

„Little Boy“, die ein US-Langstreckenbomber über Hiroshima ausklinkte, hatte eine geringerer Sprengkraft als „Fat Man“ – aber der Schock war natürlich größer. Am 15. August 1945 kapitulierte das Kaiserreich Japan. Als Erklärung für die Bombenabwürfe gaben die Alliierten an, dass sie bei der geplanten konventionellen Invasion der Inseln von drei Millionen Toten allein auf ihrer Seite ausgehen mussten. Hiroshima und Nagasaki wurden im Nachgang weltweit zu Symbolen für den Frieden und gegen den Atomtod.

Nagasakis Bürgermeister Taue verglich am Sonntag eindringlich die wieder wachsende Gefahr durch Atomwaffen mit der Ausbreitung des Coronavirus: Wenn man die Rüstung genauso ignoriere wie das Virus, dann würde die Welt in eine Lage zurückfallen, wie sie vor den ersten Abrüstungverhandlungen bestand. Damals, Anfang der 60er Jahre, wäre die Welt beinahe einem Atomkrieg zum Opfer gefallen. (rut/dpa)

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