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Moctar Ouane ist neuer Premier in Mali.

Mali

18 Monate Probezeit

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Eine Übergangsregierung soll Mali helfen, die Krise zu überwinden. Die Bürgerbewegung verliert an politischem Einfluss.

Die Gefahr ist vorerst gebannt, dass der westafrikanische Unruhestaat Mali, wo fast 1000 Bundeswehrsoldaten stationiert sind, auseinanderbrechen könnte. Die Militärs, die Mitte August Staatschef Ibrahim Boubacar Keïta aus dem Amt geputscht hatten, machten jetzt Raum für eine Übergangsregierung. Sie entspricht weitgehend den Bedingungen des westafrikanischen Staatenbunds Ecowas, so dass Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden könnten.

Die Junta mit dem Namen „Nationales Komitee zur Rettung des Volkes“ ernannte einen pensionierten Offizier zum Übergangspräsidenten: Dieser setzte am Montag einen Zivilisten als Premier ein. Aus Ecowas-Kreisen verlautete bereits, der Boykott könne nun aufgehoben und die Grenzen des Landes wieder geöffnet werden. Spätestens in zwei Wochen wäre die malische Wirtschaft vollends zusammengebrochen, sagte der Präsident der Vereinigung von Ex- und Importeuren, Ousmane Babalaye Ndao.

Bereits am Freitag hatte die Junta den 70-jährigen pensionierten Luftwaffenoffizier Bah N’Dah zum Übergangspräsidenten bestimmt: Wegen seiner Körpergröße von 1,95 Metern wird N’Dah in Mali „der Große“ genannt. Weil der Offizier nicht mehr dient und für ein knappes Jahr auch mal Verteidigungsminister war, gilt er als Kompromisskandidat zwischen den Putschisten, die einen Militär als Übergangsstaatschef haben wollten, sowie der Opposition und Ecowas, die im höchsten Staatsamt einen Zivilisten sehen wollten.

N’Dah der Große genießt auch unter Zivilisten einen guten Ruf, weil er einst als Bürochef des Militärdiktators Moussa Traoré sein Amt wegen einer Auseinandersetzung mit dessen Gattin quittiert hatte. N’Dahs Stellvertreter ist Junta-Chef Assimi Goïta, der vorübergehend auch in Deutschland ausgebildet wurde.

Am Montag bestimmte N’Dah den ehemaligen Diplomaten und Präsidentenberater Moctar Ouane zu seinem Regierungschef. Der 64-Jährige hatte sich um die Millenniumswende als malischer UN-Botschafter im Ausland einen guten Ruf erworben: Er sei ein „Diplomat mit großer analytischer Finesse und gutem Urteilsvermögen“, pries ihn damals sein französischer Kollege. Sowohl der Präsident wie sein Regierungschef stammen aus dem Zentrum des Landes: der Region, die derzeit als gefährlichstes Operationsgebiet der Islamisten gilt.

Die Übergangsregierung soll 18 Monate lang amtieren, Wahlen vorbereiten und die schwachen Institutionen des Landes stärken. Den westlichen Regierungen ist vor allem daran gelegen, dass der Kampf gegen die Extremisten nicht aufgegeben wird: Die mit den Terrororganisationen „Islamischer Staat“ oder „Al-Kaida“ verbündeten Extremisten destabilisieren weite Teile der Sahelzone, zu der auch Mali gehört. Vor acht Jahren sandte Frankreich eine mehr als 10 000-köpfige Interventionstruppe ins Land, um zu verhindern, dass sich im Norden Malis ein militanter islamischer Staat etablierte.

Die Junta versicherte bereits, dass der Kampf gegen Extremisten fortgesetzt werde: Derzeit befinden sich vier ausländische Militärtruppen mit insgesamt rund 20.000 Soldaten im Land.

Beobachtern in Mali zufolge wird sich erst in den kommenden Monaten herausstellen, wer in der Übergangsregierung das Sagen haben wird – Militärs oder Zivilisten. An den Rand gedrängt sieht sich indessen die zivile Bürgerbewegung M5-RFP, die mit ihren Massendemonstrationen den Sturz des unpopulären Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta vorbereitet hatte. Sie sieht sich von den Militärs ihres Sieges beraubt.

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