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Ist er zu alt? John McCain (71), Präsidentschaftskandidat der Republikaner, würde laut einer Umfrage sowohl gegen Hillary Clinton als auch gegen Barack Obama unterliegen.

US-Vorwahlen

1191 für McCain

Während Hillary Clinton über eine gemeinsame Kandidatur mit Barack Obama nachdenkt, will der außenpolitische Falke John McCain die "Entscheidung, das Regime Saddam Husseins zu zerstören", verteidigen.

Von Dietmar Ostermann

Washington - John McCain ist als Erster am Ziel. Er hat nach den Wahlen in Texas, Ohio, Vermont und Rhode Island die nötige Zahl von 1191 Delegierten erreicht, die ein Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner braucht. Sein Name wird im November auf dem Stimmzettel stehen. Der Senator aus Arizona ist das neue Gesicht der Grand Old Party. Er ist der Mann, der das Weiße Haus gegen die Demokraten verteidigen soll, wenn sein alter Rivale George W. Bush nach acht Jahren an der Macht abtritt.

Leicht wird das nicht. Der weißhaarige Senator wirkt in seinem altmodischen Wahlkampfbus und bei den ewigen "Meetings" mit Konfettikanone und Kriegsveteranen in der ersten Reihe wie ein Kandidat aus einer anderen Zeit. Das Durchschnittsalter der Menschen bei seinen Veranstaltungen liegt weit über dem der Hillary-Clinton-Events - von den Jubelhallen des Barack Obama ganz zu schweigen. Mit 72 wäre McCain der bei Amtseinführung älteste US-Präsident. Doch auch wenn der Veteran nach fast 26 Jahren im Kongress in Washington ein Urgestein ist, weiß man auch bei McCain nicht, wohin er die Republikaner und das Land führen will. Der rechte Parteiflügel hält ihn für einen Liberalen. Andere werfen ihm vor, in seiner Senatskarriere von rechts in die politische Mitte und zurück navigiert zu sein. Für die meisten US-Bürger ist er der gradlinige "Straight Talker", der lieber seinem Gewissen folgt als der Parteilinie, der aufrechte Patriot und tragische Kriegsheld.

Als Navy-Pilot war McCain einst bei einem US-Bombenangriff über Hanoi abgeschossen worden. Er war fünfeinhalb Jahre in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Er wurde gefoltert, der Admiralssohn lehnte ein Angebot zur vorzeitigen Heimkehr ab, weil er die Kameraden nicht zurücklassen wollte. Als halber Krüppel heimgekehrt, ging er Anfang der 80er Jahre in die Politik.

Zunächst eine zuverlässige konservative Stimme wurde der Eigenbrötler McCain in der Clinton-Ära, als viele Republikaner den demokratischen Präsidenten mit kaltem Hass bekämpften, einer, der parteiübergreifend Brücken bauen konnte. Im Wahlkampf 2000 wollte er dem vom republikanischen Establishment auserkorenen Kronprinzen George W. Bush die Präsidentschaftskandidatur streitig machen: Bush gewann. McCain, dem das Bush-Lager unter anderem ein uneheliches Kind unterstellt hatte, blieb verbittert im Senat und schien vorübergehend mehr mit der Opposition zu tun haben zu wollen als mit der eigenen Partei. Er stimmte gegen Bushs Steuersenkungen, unternahm wiederholt mit prominenten Demokraten Gesetzesvorstöße, und wurde in der Folterdebatte zum großen Bush-Antipoden.

Im neuerlichen Anlauf zur Präsidentschaft hat sich McCain seiner Partei angenähert, etwa in der Einwanderungsdebatte und der Steuerpolitik. In der Irakfrage war es Bush, der sich dem alten Rivalen annäherte: McCain hatte lange nach mehr Truppen und einer neuen Strategie gerufen. Im Wahlkampf will der Falke McCain nun die "Entscheidung, das Regime Saddam Husseins zu zerstören", verteidigen. Der Kampf gegen islamistischen Extremismus ist das Hauptthema des John McCain. "Steht mit mir, meine Freunde, steht auf für Amerika", rief er seinen Anhängern zu, "der Kampf beginnt heute Abend."

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