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Trump Golf
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Ex-Präsident Donald Trump: Morgens spielt er Golf, abends beendet er Karrieren.

Vom Präsidenten zum Herausforderer?

100 Tage Ex-Präsident: Donald Trump bastelt am nächsten Kapitel seiner Karriere

  • VonMirko Schmid
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Donald Trump denkt gar nicht daran, sich politisch zur Ruhe zu setzen. Immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass er es noch einmal wissen will. Alle Augen richten sich auf 2024.

Palm Beach - Donald Trump macht von einer Hochzeitssuite aus Politik. Die hat er umbauen lassen und sich mit seinem neuen Büro die Schaltzentrale geschaffen, von der aus er die Geschicke „seiner“ Republikaner steuert. Im Blick hat er zunächst einmal die Zwischenwahlen 2022, den Termin also, an dem die „Grand Old Party“ den Demokraten ihre Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus der USA abnehmen will.

Doch eigentlich, darin sind sich die meisten Fachleute sicher, ist Trumps Casting für ihm genehme Kandidat:innen für Parlamentssitze der Republikaner mehr ein Mittel zum Zweck und ein Schaulaufen. Trump demonstriert seinen Einfluss und seine Macht, indem er seiner Anhängerschaft die „richtigen“ Bewerber:innen aussucht. Sein eigentlicher Blick aber richtet sich noch zwei Jahre weiter. Denn 2024 wählen die USA ihren nächsten Präsidenten oder ihre erste Präsidentin. Vor allem die zweite Variante, so wirkt es, trachtet Trump zu verhindern.

Anstatt wie viele seiner Amtsvorgänger erst einmal für ein paar Monate von der politischen Bühne zu verschwinden, hat Donald Trump die politische Kriegsführung, die sich durch seine Wahlkämpfe und seine Präsidentschaft zog, nun zum Vollzeit-Hobby gemacht und stichelt weiter gegen ihm missliebige politische Protagonist:innen wie den Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, und die Demokraten.

Newsmax-Chef: „Donald Trump hat sich nicht an die Regeln gehalten und wird es auch nicht tun“

Chris Ruddy, CEO des rechtsextremen TV-Senders Newsmax und langjähriger Trump-Freund, ist sich sicher: „Donald Trump hat sich als Präsident nicht an die Regeln gehalten und wird es sicherlich nicht als Ex-Präsident tun.“ Gegenüber CNN berichteten „mehr als ein Dutzend anonymer Trump-Helfer“ davon, dass Trump immer noch „verbittert“ darüber sei, von Joe Biden als Präsident abgelöst worden zu sein. Trotzdem genieße er nun die Rolle des „Königsmachers“, der über Karrieren und Kandidaturen der Republikaner entscheidet.

Und doch, so bestätigen es auch die Trump-Getreuen, sei das eigentliche Ziel ihres Chefs klar. Donald Trump sehne sich danach, ins Weiße Haus zurückzukehren und baue in erster Linie deswegen an einer politischen Maschine, die ihn diesem Ziel näher bringen soll. Und Trump führt Gespräche. Viele Gespräche. Jeden Abend von 19.30 Uhr an empfängt er politische Gäste. Meistens sind es ambitionierte, Trump-treue Politiker:innen, die mit seinem Segen in die Vorwahlen zur Zwischenwahl 2022 gehen wollen.

Allerdings werden neben diesen Castings (die dem Vernehmen nach stark an Trumps Reality-TV-Show „The Apprentice“ erinnern sollen) immer häufiger auch politische Schwergewichte der Republikaner abends im Golfressort Mar-a-Lago gesichtet. So beispielsweise Newt Gingrich. Der 77-Jährige gilt als graue Eminenz der „Grand Old Party“ - und als ihr gewieftester Taktiker, der sich für keinen noch so schmutzigen Verfahrenstrick zu schade ist.

Donald Trump nahm für seine Betrugsvorwürfe Chaos in Mar-a-Lago in Kauf

Über die Inhalte ihres Gesprächs will Newt Gingrich im Anschluss nichts verraten. So viel aber sagt er: „Im Moment macht er einen sehr guten Job, seine Bewegung aufrechtzuerhalten, falls er 2024 noch einmal ins Rennen als Präsidentschaftskandidat gehen möchte.“ Und doch gehört zur vollen Wahrheit, dass Donald Trump nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus Wochen gebraucht hat, um sich dermaßen zielorientiert und strukturiert aufzustellen.

Bekanntlich rückte Donald Trump nie davon ab, die Wahl eigentlich doch gewonnen zu haben und baute lange Zeit auf einen Erfolg seiner juristische „Strike Force“ um Rudy Giuliani. So versäumte er es, bereits rechtzeitig die nötigen Umbauten in Mar-a-Lago zu veranlassen. Das führte dazu, dass das kleine Kernteam von Angestellten, das ihm von der präsidialen General Services Administration zur Verfügung gestellt worden war, anfangs in einer Villa ohne Bürotelefone, Computer oder Schreibtische residierte.

Donald Trump soll das herzlich egal gewesen sein. Den Bundesbeamt:innen, die für eine möglichst reibungslose Übergabe der Amtsgeschäfte von Donald Trump an Joe Biden verantwortlich waren, soll er generell wenig Beachtung geschenkt haben. Stattdessen trommelte Trump umgehend seine wichtigsten Berater:innen zusammen, um mit ihnen die Planungen zur endgültigen Übernahme der republikanischen Partei voranzutreiben. Als Trumps Sprachrohre in den Medien hat der Ex-Präsident Kellyanne Conway, Pam Bondi, Mark Meadows sowie die Senatoren Lindsey Graham, Rand Paul und Jim Jordan auserkoren.

Susie Wiles krempelt Donald Trumps politische Organisation um

Irgendwann meldeten Trumps engste Berater Optimierungsbedarf an, die gesamte Organisation wirkte zerfahren und drohte, aus dem Ruder zu laufen. Donald Trump reagierte umgehend und berief die in Florida ansässige Republikaner-Strategin Susie Wiles als „Stabschefin“ der politischen Trump-Organisation. Und Wiles räumte umgehend auf. Sie trieb Trump einige Rachegelüste aus, die er in seiner gefühlten Isolation nach dem Sturm seiner Gefolgschaft auf das US-Kapitol empfunden haben soll, und richtete seinen Blick von der Vergangenheit in die Zukunft.

Doch obwohl Donald Trump von Mitte Februar an tatsächlich begann, an der Zukunft der Republikaner und ihrer Aufstellung zu arbeiten, war es ihm nicht möglich, seine Rachepläne gänzlich ad acta zu legen. Zwar lag sein Fokus nun strikt auf den Planungen für die Zwischenwahlen 2022, trotzdem wich der passionierte Golfer nicht davon ab, republikanische Mandatsträger:innen aus dem Amt jagen zu wollen, die für seine Amtsenthebung gestimmt oder seinen Wahlbetrugsvorwürfen öffentlich eine Absage erteilt hatten.

Donald Trump will Rache an Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska

Die Idee einer eigenen Partei, mit der Donald Trump in den ersten Wochen nach seinem Umzug von Washington D.C. nach Palm Beach ernsthaft gespielt haben soll, verwarf er allerdings nach einigen Gesprächen mit Susie Wiles und seinem engsten Beraterstab. Umso offensiver begann er nun stattdessen, die Republikaner nach seinem Gusto umzukrempeln. Sein erster Blick richtete sich auf Georgia. Der dortige Gouverneur, Brian Kemp, und dessen für die Wahl zuständiger Secretary of State Brad Raffensperger gelten als rotes Tuch für den ehemaligen Präsidenten.

NameDonald John Trump
BerufUnternehmer, Entertainer und Politiker
Höchste Position45. Präsident der USA
ParteiRepublikaner
Alter74 Jahre (14. Juni 1946)
Vermögen2,4 Milliarden US-Dollar (Forbes, 2021)

Beide hatten sich nicht dazu überreden lassen, Trumps Wunsch zu entsprechen und das Ergebnis der Wahl in Georgia - Joe Biden konnte die republikanische Hochburg als erster Demokrat seit Bill Clinton 1992 für sich gewinnen - für ungültig zu erklären. Also beauftragte Trump nun den Abgeordneten Jody Hice damit, in seinem Bundesstaat an der Absetzung Raffenspergers zu arbeiten und sucht selbst einen geeigneten innerparteilichen Gegenkandidaten zu Brian Kemp.

Einen weiteren rachsüchtigen Blick richtet Donald Trump gen Alaska. Die dort ansässige Senatorin Lisa Murkowski hat sich mehrfach und in aller Deutlichkeit gegen Donald Trump ausgesprochen, immer wieder gegen Gesetzentwürfe des damaligen Präsidenten gestimmt (und so unter anderem mit Parteilegende John McCain eine Abwicklung von „Obama Care“ verhindert) und ihn nach dem Sturm auf das Kapitol mit scharfen Worten verurteilt. Murkowski allerdings erfreut sich in Alaska, einem Staat, in dem die Uhren oft ein wenig anders ticken als auf dem US-amerikanischen Festland, hoher Beliebtheit. An ihr könnte sich Trump die Zähne ausbeißen.

Donald Trump lenkt die Republikaner und beendet Karrieren

Trump genießt es, missliebige Kandidat:innen nach Florida zu zitieren, sich ihre Lobhudeleien anzuhören und sie anschließend abzukanzeln. Mehrere Politiktreibende der Republikaner wurden schon dabei beobachtet, wie sie mit hängenden Köpfen aus Trumps provisorischem Büro schlichen. Dass sie gegen den Willen des „Starken Mannes“ der Partei noch einmal einen Fuß auf den politischen Boden der Republikaner bekommen, gilt als ausgeschlossen - Trump beendet Karrieren.

Bald werden die Pilgerreisen republikanischer Amtsanwärter:innen nach Florida allerdings ein vorläufiges Ende nehmen. Trump und seine Familie zieht es über den Sommer nach New Jersey in seinen Golfclub in Bedminster. Sehr zum Frust einflussreicher Republikaner, die sich erst kürzlich in Florida eingerichtet hatten, da sie davon ausgegangen waren, dass Florida „für die nächsten zwei Jahre der Mittelpunkt der Erde“ sein würde, wie es ein hochrangiges Parteimitglied ausdrückt.

Während die Planungen für den kommenden Sommer also schon festgezurrt sind, lässt Donald Trump selbst seine Getreuesten weiter zappeln, wenn es um seine mögliche Kandidatur um eine Rückkehr ins Weiße Haus geht. Ob er tatsächlich 2024 wieder ins Rennen gehen will, weiß derzeit wohl nur Donald Trump selbst - wenn überhaupt. Zwar kokettiert er öffentlich damit, allerdings hat er auch anklingen lassen, dass juristische Gründe - gegen Trump laufen zahlreiche Ermittlungen - ihn vorerst davon abhalten könnten, sich zu erklären.

Donald Trump verweigert Bekenntnis zur Kandidatur 2024, Kandidaten laufen sich warm

Das sorgt für Nervosität in Reihen der Republikaner. Viele befürchten, dass Donald Trump im Hintergrund bereits einen Kandidaten oder eine Kandidatin ins Auge fassen und fördern könnte, der oder die an seiner statt und mit seinem Segen in Position gebracht werden soll - und sie somit leer ausgehen könnten. Mehrere Republikaner haben ihren Wunsch bereits in Palm Beach hinterlegt, Trump möge sich doch bitte spätestens diesen Sommer erklären. Noch verhallt ihr Flehen ungehört.

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Alles über den 45. Präsidenten der USA erfahren Sie in den Trump-News.

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Erste hochrangige Republikaner wollen nicht länger abwarten und positionieren sich bereits. Dazu gehören beispielsweise Trumps letzter Außenminister Mike Pompeo und sein ehemaliger Vizepräsident Mike Pence. Während Pompeo seine mögliche Kandidatur bereits öffentlich wenig subtil angedeutet hat, spinnt Pence hinter den Kulissen Fäden und sondiert seine Chancen.

Donald Trump nimmt MAGA-Kampagne wieder auf

Doch auch Donald Trump selbst legt bereits die Grundlagen für eine mögliche Kandidatur 2024. Seine MAGA-Kundgebungen, die er seit 2016 nutzt, um seine Gefolgschaft einzuschwören, sollen wieder regelmäßig stattfinden. Die Planungen und Gespräche laufen. Eine der ersten Reisen könnte Trump nach Alaska führen - um vor Ort gegen Lisa Murkowski zu kämpfen. Zusätzlich wird er wohl dort auftreten, wo es ihm genehme Kandidat:innen zu unterstützen gilt.

Wie das aussehen kann, haben David Perdue und Kelly Loeffler erleben müssen. Zu ihrer „Unterstützung“ im politisch wegweisenden Schlussspurt im Kampf um die beiden Senatssitze in Georgia angereist, konzentrierte sich Donald Trump in seiner Rede auf seine Wahlbetrugsvorwürfe und ließ sich ausgiebig feiern. Perdue und Loeffler erwähnte er kaum. Als er sie dann zu sich zitierte, ließ er beide ihre Loyalität ihm gegenüber bekunden - und scheuchte sie nach weniger als zwei Minuten wieder von der Bühne. (Mirko Schmid)

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