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"Idai" sind mehr als 700 Menschen zum Opfer gefallen.

Zyklon „Idai“

Erste Cholera-Fälle im Südosten Afrikas

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Mosambik: Mehrere Seuchenausbrüche möglich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem „Desaster“.

Der von dem verheerenden Zyklon „Idai“ heimgesuchten Bevölkerung im Südosten Afrikas bleibt nichts erspart. Nachdem die Wassermassen, die in Mosambik eine Fläche von der Größe Luxemburgs überschwemmt haben, allmählich abfließen und das ganze Ausmaß der Zerstörung zu erkennen geben, wurden am Mittwoch aus der am schlimmsten mitgenommenen Hafenstadt Beira die ersten fünf Fälle von Cholera gemeldet.

Auch Typhus befürchtet

Labortests hätten bestätigt, dass es sich tatsächlich um Cholera handele, sagte Ussein Isse vom mosambikanischen Gesundheitsministerium gegenüber Journalisten: „Das wird sich ausbreiten. Wenn man einen Fall hat, muss man mit vielen Fällen rechnen.“ Zuvor hatten Hilfsorganisationen bereits von tausenden an Durchfall erkrankten Menschen gesprochen.

Daraufhin warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem „zweiten Desaster“. Elhadj As Sy, Generalsekretär des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), sprach nach einem Besuch der Katastrophenregion indes von einer „tickenden Zeitbombe“: Außer einer Cholera-Seuche sei auch eine Typhus- und eine Malaria-Epidemie zu befürchten.

Als Grund für die zu erwartenden Seuchenausbrüche gab Gert Verdonck, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen, in der zu 90 Prozent verwüsteten Hafenstadt Beira die Zerstörung der städtischen Wasserversorgung an. Die Bevölkerung habe keine andere Wahl, „als aus verunreinigten Brunnen zu trinken, andere trinken sogar aus Pfützen am Straßenrand“. Dort ist das Wasser sowohl von Kloake wie von Menschen- und Tierkadavern verseucht.

Außer mit Durchfallerkrankungen ist nach Verdoncks Worten in den kommenden Tagen und Wochen wohl auch mit einer rapiden Zunahme von Infektionserkrankungen der Haut und der Atemwege zu rechnen.

Schon jetzt sind dem Orkan der Stärke vier, der vor zwei Wochen vom Indischen Ozean aus über die südostafrikanische Küste fegte und außer Mosambik auch Malawi und Simbabwe in Mitleidenschaft zog, mehr als 700 Menschen zum Opfer gefallen. Nach Einschätzung von Mosambiks Präsidenten Filipe Nyusi sollen jedoch allein in seiner Heimat weit über 1000 Menschen gestorben sein.

Viele von ihnen seien von den Fluten ins Meer gespült worden – ihre Leichname würden vermutlich nie geborgen werden. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht von 1,7 Millionen Menschen aus, deren Häuser, Vieh oder Felder von dem Orkan zerstört wurden. Insgesamt sollen jetzt mehr als 1,4 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein.

Nachdem ausländische Hilfe zunächst tagelang auf sich warten ließ – unter anderem, weil die Zufahrtswege in das Katastrophengebiet von Wassermassen blockiert wurden –, treffen inzwischen auch Hilfslieferungen aus Europa auf dem Flughafen von Beira ein. Allerdings sind noch immer zahllose Dörfer vom Zugang weitgehend abgeschnitten.

Zwei Flüchtlingslager geplant

„In den ersten Tagen befanden wir uns in einem schwarzen Loch“, sagte WFP-Sprecherin Deborah Nguyen. „Auch heute haben wir noch immer viel zu wenig Informationen.“ Zunächst habe das Ernährungsprogramm zwei riesige Flüchtlingslager für jeweils 400 000 Menschen geplant. Inzwischen versuche die Hilfsorganisation jedoch viele, kleinere Verteilstationen für Nahrungsmittel einzurichten.

„Unsere Pläne ändern sich täglich“, sagt Deborah Nguyen. Die Vereinten Nationen riefen die internationale Gemeinschaft zu Zuwendungen in Höhe von rund 300 Millionen Dollar auf – reichen wird das nur für die kommenden drei Monate.

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