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 „Zwillings-Epidemie“: Grippe breitet sich aus - und könnte gemeinsam mit Corona zum Problem werden

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Von: Tobias Utz

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Warnung der EU-Seuchenschutzbehörde
Die EU-Seuchenschutzbehörde warnt vor einer „Twindemic“. (Symbolfoto) © Imaginechina-Tuchong/Imago Images

Neben der Corona-Pandemie breitet sich in Frankreich eine Grippe-Epidemie aus. Eine EU-Behörde schlägt nun Alarm.

Frankfurt – In den vergangenen beiden Wintern wurden relativ niedrige Influenza-Infektionen festgestellt. Im Zuge der Corona-Maßnahmen steckten sich deutlich weniger Menschen mit der Grippe an. Influenza-Viren breiten sich nun allerdings überraschend stark aus.

Einem Bericht der EU-Seuchenschutzbehörde ECDC zufolge verbreiten die Viren sich bereits seit Mitte Dezember 2021 schneller als zunächst prognostiziert. Bis zur letzten Woche im Dezember stieg die Zahl der Grippe-Fälle auf den Intensivstationen Europa auf 43 an. Das ist verglichen mit Corona-Fällen mit schwerem Covid-19-Verlauf auf Intensivstationen wenig. Im Vergleich zum Vorjahr, als im gesamten Dezember 2020 nur ein einziger Grippefall auf einer Intensivstation vorkam, ist das allerdings ein dramatischer Anstieg.

EU-Seuchenschutzbehörde warnt vor Grippesaison bis zum Sommer

„Wenn wir beginnen, alle Maßnahmen aufzuheben, habe ich die große Sorge mit Blick auf Influenza, dass wir uns vielleicht vom normalen Saisonverlauf entfernen, weil das Virus so lange Zeit fast gar nicht in der europäischen Bevölkerung zirkulierte“, warnte Pasi Penttinen, Influenza-Experte beim European Centre for Disease Prevention and Control, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. In der Regel endet die Grippe-Saison im Mai. Falls im Frühling allerdings die Corona-Schutzmaßnahmen zurückgefahren würden, könnten auch Influenza-Viren weitaus länger zirkulieren. Eine „Twindemic“, also eine Zwillings-Epidemie aus Influenza und Covid-19, könnte die bereits überlasteten Gesundheitssysteme unter hohen Druck setzen, heißt es im Bericht der EU-Behörde.

Grippe gefährlicher als Corona? Inzidenzen und Todesfälle im Vergleich

Vor allem in Frankreich wurden laut ECDC-Bericht vermehrt Grippe-Fälle registriert. Insbesondere drei Regionen sind laut Daten des französischen Gesundheitsministeriums betroffen, darunter Île-de-France um Paris. Dabei scheint sich ein bestimmter Influenza-Virusstrang durchzusetzen: H3 der Alpha-Gattung.

Derzeit werden die gängigen Grippe-Impfstoffe auf H3 getestet. Erste Labortests zeigten laut Penttinen, dass die Wirkung gegenüber H3 „nicht optimal“ sei. Eine Anpassung der Vakzine sei nötig. Ähnlich wie das Coronavirus Sars-CoV-2 mutiere auch Influenza, betonte der ECDC-Experte.

Europaweit sind Daten zu Influenza-Impfungen nicht flächendeckend vorhanden. Im derzeit betroffenen Frankreich hingegen schon: Laut Angaben des Gesundheitsministeriums sind rund 45 Prozent der Zielgruppe geimpft, das entspricht circa zwölf Millionen Menschen. (tu/rtr)

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