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Seit seiner Absetzung fristet Jacob Zuma sein Dasein als gutbezahlter Pensionär. Nun strebt er eine neue Karriere an - als Sänger von Befreiungsliedern.

Südafrika

Zuma plant eine Sängerkarriere

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Jacob Zuma fristet sein Dasein als gutbezahlter Pensionär. Nun will er neu durchstarten, auf Kosten der Steuerzahler.

Als Staatspräsident war Jacob Zuma die größte Katastrophe, die dem Kap der Guten Hoffnung hatte zustoßen können. Der ANC-Chef schusterte seinen Freunden korrupte Deals zu, manövrierte die südafrikanischen Staatsbetriebe in den Ruin und legte die wichtigsten Kontrollinstanzen lahm. Anfang vergangenen Jahres erhielt der afrikanische Nero die Quittung für sein katastrophales Walten: Er wurde abgesetzt und fristet sein Dasein seitdem als gutbezahlter Pensionär. Nun will der stets in Geldnöten verstrickte ehemalige Befreiungskämpfer jedoch eine neue Karriere starten – und zwar als Sänger von Befreiungsliedern.

Man habe jahrelang nach brauchbaren Aufzeichnungen des Liedguts aus dem Befreiungskampf gefahndet, teilte Thembinkosi Ngcobo, Kulturreferent der Hafenstadt Durban, jetzt mit. „Aber wir konnten partout nichts finden.“ Als Kulturgut der unterdrückten schwarzen Bevölkerung hätten es die Protestsongs niemals in den offiziellen Kulturbetrieb geschafft, klagte Ngcobo. „Unsere Kultur war als rückständig verpönt.“ Da kam der Referent auf die Idee, den ehemaligen Staatspräsidenten anzufragen. Denn „ob man dessen Politik mochte oder nicht – sein Singen vereinte die Menschen“, sagte Ngcobo. „Niemand hat jemals etwas Nachteiliges über sein Singen gesagt.“

Schon vor und während seiner Amtszeit wusste Zuma seine sängerische und tänzerische Kompetenz als Waffe einzusetzen. Umshini Wami (Gib mir mein Maschinengewehr) lautet der Hit des inzwischen 76-jährigen Politikers, den er bei Kundgebungen und Wahlkampfveranstaltungen am Liebsten zum Besten gibt. Falls er irgendwo in Bedrängnis geriet, wusste der traditionelle Zulu diese mit energischen Tanzschritten und Tremolo in der Stimme unschädlich zu machen: Ein politischer Troubadour, dessen Vorzüge tatsächlich eher auf der Zunge und in der Hüfte als hinter der Stirn auszumachen sind.

Nun hätte gewiss keiner etwas gegen den Karrierewechsel des Politikers auszusetzen gehabt, hätte er seine neue Laufbahn auf eigenen Füßen angetreten – viele Südafrikaner fürchten viel mehr als das Maschinengewehr des Ex-Befreiungskämpfers, dass Zuma hinter den Kulissen weiter in der Politik mitmischt. Doch die Vereinbarung zwischen Kulturreferent Ngcobo und dem Bänkelsänger hat einen Pferdefuß: Die Zeche für Zumas berufliches Umsteigeprogramm sollen – wie einst für seine Privatvilla – wieder einmal die Steuerzahler übernehmen. Das Honorar für das im April geplante erste Album stammt aus dem Kulturetat der Stadt.

Für den Pensionär kommt die Stütze wie gerufen. Zuma wurde kürzlich von einem Gericht dazu verdonnert, Teile der Kosten der von ihm angestrengten Gerichtsverfahren – umgerechnet bis zu zwei Millionen Euro – aus eigener Tasche zu bezahlen. Da seine monetären Quellen inzwischen zum Versiegen kamen und er noch mit zahlreichen weiteren Prozessen rechnen muss, droht Zuma der finanzielle Ruin. Seine goldene Kehle könnte ihn also auch in dieser Hinsicht retten – zumindest wenn sich die oppositionelle Demokratische Allianz nicht durchsetzt. Sie will den Vertrag mit dem Kulturdezernenten vor Gericht anfechten.

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