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Ziemlich beste Freund:innen

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Von: Judith Kohl

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In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken: Freundschaft verewigte sich früher in Poesiealben.
In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken: Freundschaft verewigte sich früher in Poesiealben. © Suschaa / Photocase

Nicht selten begleitet uns eine Freundschaft länger als die Beziehung zu unserem Lebenspartner oder unserer Lebenspartnerin. Grund genug, zum internationalen Tag der Freundschaft am 30. Juli einen genaueren Blick auf diese besondere Form der Beziehung zu werfen.

Ein Freund, ein guter Freund ... Die Älteren erinnern sich: Diese Ode an die Freundschaft wurde 1930 für die Tonfilm-Operette „Die Drei von der Tankstelle“ geschrieben. Seit die drei Hauptdarsteller Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann diesen Ohrwurm erstmals zu Gehör brachten, hat sich manch einer ebenfalls daran versucht.

Besonders bekannt machte den Schlager aber die Interpretation des Vokalensembles Comedian Harmonists, das auch im Film zu sehen ist. Mittlerweile hat der Beginn des Refrains die Qualität einer Redewendung angenommen und wird immer wieder gerne zitiert.

Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann besingen in der Operette „Die Drei von der Tankstelle“ die Freundschaft.
Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann besingen in der Operette „Die Drei von der Tankstelle“ die Freundschaft. © Imago

Über den Charakter von Freundschaften

Der Begriff Freundschaft ist nicht einfach zu definieren, weil sehr vielschichtig – selbst Forscher:innen tun sich schwer damit. Eine mögliche Definition könnte sein: eine freiwillige, persönliche Beziehung, die auf gegenseitiger Sympathie, auf Vertrauen, Selbstlosigkeit und Unterstützung beruht.

Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten.

Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin (1830-1916)

„Harry und Sally“, im gleichnamigen Film von 1989 gespielt von Billy Crystal und Meg Ryan, sind das Paradebeispiel für eine Beziehung im Wandel: Von der Zweckverbindung (benzinsparende Fahrgemeinschaft nach New York City) entwickelt sie sich zu einer losen Bekanntschaft (zufällige Begegnungen auf Flughäfen und in der Buchhandlung). Sie werden beste Freunde (gemeinsame Unternehmungen und Durchkauen der jeweils anderen Liebesbeziehung) und erreichen schließlich den Status Freundschaft plus (One-Night-Stand, als Sally von der anstehenden Hochzeit ihres Ex erfährt). Auf eine Sendepause folgt als krönender Abschluss der Heiratsantrag und dann die Hochzeit – aus Freunden werden sozusagen Verwandte.

Die Begriffe „Freundschaft“ und „Verwandtschaft“ wurden übrigens bis ins 17. Jahrhundert sogar synonym gebraucht.

Auf Fremden werden Freunde werden Verwandte: Billy Crystal  und  Meg Ryan in „Harry und Sally“.
Auf Fremden werden Freunde werden Verwandte: Billy Crystal und Meg Ryan in „Harry und Sally“. © Imago

150 Freunde ...

... kann man maximal haben. Diese sogenannte Dunbar-Zahl (nach dem Psychologen Robin Dunbar benannt) beschreibt die Anzahl der Personen, von denen ein einzelner Mensch die Namen und wesentlichen Beziehungen untereinander kennen kann. – so ist es bei Wikipedia nachzulesen.

Tag der Freundschaft

Der 30. Juli soll jedes Jahr an die Bedeutung der Freundschaft erinnern zwischen Personen, Ländern und Kulturen. Im April 2011 erklärte die Vollversammlung der Vereinten Nationen ihn per Resolution offiziell zum Internationalen Tag der Freundschaft. Sie folgte damit einer bereits 1958 in Paraguay gegründeten Initiative.

Das 25. Lebensjahr ...

... gilt als eine Art Wendepunkt: Bis dahin vergrößert sich der Freundeskreis, danach wird er immer kleiner. Die Freundschaften, die bleiben, entwickeln sich dafür oft zu einer langjährigen und innigen Verbundenheit.

11,6 Stunden ...

... pro Woche nehmen sich Singles durchschnittlich Zeit, um ihre Freundschaften zu pflegen. Sobald man nicht mehr alleine ist, nimmt die Zeit für Freundschaften rapide ab: In einer Beziehung lebende Personen haben noch 8,6 Stunden, Verheiratete nur noch 6,3 Stunden Zeit für ihre Freundinnen und Freunde. (Quelle: Statista) 2022

In allen vier Ecken ...

... soll Liebe drin stecken: Wer hatte keines in der Schulzeit: ein Poesiealbum oder, in neueren Jahren, ein Freundschaftsbuch. Selbige zu befüllen, glich einem Wettkampf: Wer hat die meisten Einträge? Und wer die schönsten?

Freundschaft, das ist wie Heimat.

Kurt Tucholsky, Autor (1890-1935)

Besonders im guten, alten Poesiealbum, in dem ja nicht vorgegebene Fragen zu beantworten waren, sondern individuell Hand angelegt werden musste. Einerseits eine Auszeichnung, in möglichst viele Alben gebeten zu werden – andererseits eine Herausforderung, sich dort möglichst persönlich und kreativ auszulassen.

Hatte man Glück, wurde man als eine der Ersten gebeten, sich zu verewigen - dann bestand die Möglichkeit, auf den guten Standard zurückzugreifen: „Ich hab mich hinten angewurzelt, dass niemand aus dem Album purzelt.“ Oder man bemühte Goethe: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Wer partout nicht zeichnen konnte, dem halfen Sticker oder Glanzbildchen aus. So mühselig der Kampf um und mit diesen Alben war, so schön ist es später, in diesen zu Schrift und Bild gewordenen Erinnerungen zu blättern.

Im Erwachsenenalter löst dann das Gästebuch das Poesiealbum ab, um besondere gemeinsame Momente festzuhalten. Und wie schön ist es, bei lange nicht mehr besuchten Freunden das Gästebuch vorgelegt zu bekommen, darin zu blättern und den eigenen Eintrag aus Kindertagen wiederzusehen!

Zuguterletzt ein unverwüstlicher Tipp: Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Freundschaft.

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