1. Startseite
  2. Panorama

Kardinal Marx für Zölibat-Abschaffung: „Wäre es besser, sie wären verheiratet“

Erstellt:

Von: Svenja Wallocha

Kommentare

Der Münchner Kardinal Marx befürwortet das Ende des Pflichtzölibats. Auch der Frage, ob er für Frauen als Priesterinnen sei, muss er sich stellen.

München/Münster – Die Stimmen zur Abschaffung des Pflichtzölibats werden lauter. Rund zwei Wochen nach der Veröffentlichung eines erschütternden Missbrauchsgutachtens im Erzbistum München und Freising hat sich nun auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx dafür ausgesprochen.

„Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen“, sagte Marx der Süddeutschen Zeitung. „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen.“

Kardinal Marx befürwortet Ende des Zölibats aus: Priester sollten heiraten dürfen

Marx bezeichnete die zölibatäre Lebensform als „prekär“. Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und dem sexuellen Kindesmissbrauch sehe, antwortete Marx, pauschal könne man das nicht sagen. „Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind. Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber.“ Die katholische Sexualmoral habe „viele Verklemmungen erzeugt“.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising bei einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising.
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising bei einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising. © Sven Hoppe/dpa

Bei dem Interview wurde Marx auch gefragt, ob er für Frauen als Priesterinnen sei. Eine klare Antwort gab er aber nicht. „Ich kann das noch nicht beantworten. Das wäre auch nicht hilfreich, es jetzt zu beantworten, weil es gerade dazugehört, dass wir im Gespräch bleiben. Ich bin nicht nur einer, der eine Meinung hat, sondern ich muss auch den Laden zusammenhalten.“

Marx hofft auf Äußerung von Papst Benedikt: „Will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen“

Zu dem emeritierten Papst Benedikt, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu einer Entschuldigung aufgefordert wurde, sagte Marx: „Ich will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält.“

Gutachter der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl hatten Benedikt Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern in seiner Zeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 vorgeworfen. Benedikt, ehemals Kardinal Joseph Ratzinger, wies das zurück und rechtfertigte sich in einer langen Verteidigungsschrift. In einem wesentlichen Punkt musste er später aber eine Falschaussage einräumen. Er hat angekündigt, sich demnächst noch einmal ausführlicher zu dem Gutachten äußern zu wollen.

Kirchenrechtler: Marx-Aussagen zum Zölibat nicht revolutionär

Die Aussagen von Marx, vor allem zum Thema Zölibat, sorgen für Aufsehen. Revolutionär seien sie allerdings nicht, so Kirchenrechtler Thomas Schüller. „Das ist überhaupt nicht ketzerisch oder revolutionär“, sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr beschreibe Marx nur, was in der Geschichte der katholischen Kirche lange Zeit gängige Praxis gewesen sei. „Von daher riskiert Kardinal Marx mit seinen Äußerungen zum Zölibat nichts, sondern wiederholt gefahrenfrei für den Fortbestand seiner kirchlichen Karriere eine bereits von vielen Katholiken immer wieder geforderte Rückkehr zu einer in der Geschichte der katholischen Kirche lange Zeit bewährten Praxis.“

Schüller sagte, Versuche zur Einführung des Pflichtzölibats habe es schon im Mittelalter gegeben, doch habe sich die Kirche damit lange nicht durchsetzen können. Erst nach der Reformation im 16. Jahrhundert habe die Kirche die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester dann verbindlich festgelegt und spiritualisiert, um sich gegenüber dem Protestantismus abzugrenzen. „Der Pflichtzölibat ist kein Glaubenssatz, sondern eine disziplinäre Norm und kann geändert werden, ohne in den Glaubensschatz der katholischen Kirche einzugreifen“, sagte Schüller, der das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster leitet. (svw mit Material von dpa)

Auch interessant

Kommentare