65 Stunden einfach, aber dafür ziemlich komfortabel: Der Indian Pacific verbindet einmal pro Woche Perth und Sydney.

Indian Pacific

Der Zug ist das Ziel

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Seit 50 Jahren verbindet der Indian Pacific die Ostküste Australiens mit dem Westen. Fliegen ist heute viel günstiger und schneller, aber dafür gilt die 4352 Kilometer lange Route als eine der schönsten Zugreisen der Welt.

Rote Erde, wohin das Auge blickt, stundenlang die gleiche Einöde: Während der Fahrt durch die einsame Nullarbor-Ebene in Südaustralien müssen die Passagiere des Indian Pacific die Seele baumeln lassen. Immer geradeaus geht es hier, 478 Kilometer an einem Stück, die längste gerade Bahnstrecke der Welt. Insgesamt ist die Bahnstrecke, die seit 1970 den Osten Australiens mit dem Westen verbindet, 4352 Kilometer lang.

Doch die Weite des Outbacks macht nur einen Teil des Reizes einer Fahrt mit dem Indian Pacific aus: Vielmehr ist die Reise an sich das Erlebnis – der digitale „Detox“ im Nirgendwo genauso wie das köstliche Essen, das im Speisewagen serviert wird, während die unterschiedlichen Landschaftszonen Australiens an den Fenstern vorüberziehen.

Die 50 Jahre alte Bahnstrecke hat schon lange nicht mehr nur den Zweck, Menschen von A nach B zu transportieren. Das können Flugzeuge inzwischen schneller und günstiger. Neben dem Indian Pacific, der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert, gehören der Rocky Mountaineer in Kanada, die Rovos Rail im Süden Afrikas und der zweite berühmte australische Zuge, der Ghan, der das Land von Süden nach Norden verbindet, zu den bekanntesten Zugreisen der Welt.

Von wegen out im Outback: Die Zahl der Waggons wird erhöht.

Wie bei vielen anderen historisch wertvollen Strecken haben sich auch die Betreiber des Indian Pacific, der einmal pro Woche zwischen Sydney und Perth fährt, von den „normalen“ Passagieren abgewandt. Der Zug transportiert zwar nach wie vor Lebensmittel und Post in die einsame Nullarbor-Region, aber seitdem die Flugpreise günstiger sind als die Zugreise, wird die Zugfahrt vor allem als „Luxuserlebnis“ gepriesen.

Eine Marketingstrategie, die aufzugehen scheint: Die Zugtickets sind bis zu sechs Monate im Voraus ausverkauft. Rund 22 000 Reisende fahren jedes Jahr mit dem Indian Pacific. Die meisten Fahrkarten – etwa 80 Prozent – gehen derzeit noch an Australier, doch der Zug will „internationaler“ werden. „Es ist eine der wenigen transkontinentalen Bahnfahrten weltweit“, sagte Luke Walker vom Betreiber Journey Beyond dem lokalen australischen Sender ABC. Zugfahrten würden laut Walker eine „Renaissance“ erleben: „Es geht jetzt mehr um das Essen und den Wein als um die Reise und es ist eine großartige Möglichkeit, unsere Landschaft von den Blauen Bergen bis zum Nullarbor zu erleben.“ Die Strecke ist nach einem halben Jahrhundert so populär, dass die Zahl der Waggons ab September von 29 auf 36 erhöht wird. Dann können bis zu 260 Passagiere und Crewmitglieder mitfahren.

Insgesamt ist der Indian Pacific 65 Stunden unterwegs – 85 Kilometer pro Stunde legt der Zug, der seinen Namen vom Indischen Ozean im Westen und dem Pazifik im Osten ableitet, dabei im Durchschnitt zurück. Wer in Sydney zusteigt, dessen Reise endet momentan im Bahnhof East Perth, doch auch hier ist der Ausbau der Strecke bis in den Perth-Vorort Fremantle geplant, eines der beliebtesten Touristenziele Westaustraliens.

Wer weder den weiten Weg auf sich nehmen noch eines der teuren Tickets kaufen will: Anlässlich des 50. Jubiläums des Indian Pacific wird in diesem Jahr eine 50-Cent-Sondermünze herausgegeben.

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