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Wer hat an der Uhr gedreht... Die EU beendet die Zeitumstellung 2021.

Sommer- und Winterzeit

Zeitumstellung endet 2021

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Ein Koordinierungsgremium soll EU-Staaten helfen, eine möglichst einheitliche Lösung bei der Abschaffung der Zeitumstellung zu finden.

Eine Stunde vor, eine Stunde zurück, eine Stunde vor … Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit hat immer mehr Gegner. Nun hat sich das EU-Parlament festgelegt: Im Jahr 2021 soll Schluss damit sein. Mit 410 Ja-Stimmen zu 192 Nein-Stimmen sprach sich das EU-Parlament am Dienstag für ein Ende des seit 1980 geltenden Hin und Her aus.

Damit müssen sich nun alle Länder zwischen der Normalzeit („Winterzeit“) und der Sommerzeit entscheiden. Aus rechtlichen Gründen könne den EU-Staaten nicht vorgeschrieben werden, für welche Zeit sie sich letztlich entscheiden, erklärte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. „Trotzdem sollten sich die Mitgliedstaaten koordinieren, damit man, wenn man zum Beispiel von Norddeutschland über die Niederlande und Belgien nach Frankreich fährt, nicht drei Mal die Uhr umstellen muss.“

Idealerweise sollte es nach der Abschaffung der Zeitumstellung auch weiterhin nicht mehr als drei Zeitzonen in der EU geben. Um zu vermeiden, dass Bürger beim Reisen in Europa die Zeit umstellen müssen, soll ein neues Koordinierungsgremium mithelfen, eine möglichst einheitliche Lösung zu finden.

Normalzeit oder Sommerzeit?

Lieses Fraktionskollege Dieter-Lebrecht Koch erklärte nach der Abstimmung: „Die Bürger haben uns immer wieder in aller Deutlichkeit gesagt, dass sie die Zeitumstellung leid sind. Wir nehmen das sehr ernst.“ Nun müssten sich so schnell wie möglich die Mitgliedstaaten positionieren.

Bei einer EU-weiten Umfrage mit vergleichsweise enormer Beteiligung hatten sich 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. Allein rund 3 Millionen der Befragten kamen aus Deutschland. Nie zuvor hatten sich an einer EU-Bürgerkonsultation annähernd so viele Menschen beteiligt.

Ismail Ertug (SPD) erklärte: „Es ist erwiesen, dass die Umstellung von Sommer- und Winterzeit vor allem Kinder, ältere Menschen und Kranke in ihrem Biorhythmus beeinträchtigt.“ Es sei an der Zeit, die „nervige Zeitumstellung“ abzuschaffen.

Doch so einfach ist es nicht. Denn zuerst müssen die Europäer versuchen, sich auf eine einheitliche Linie festzulegen. Manche Länder wollen die Normalzeit beibehalten, andere die Sommerzeit dauerhaft einführen. Für letztere haben sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) ausgesprochen.

Dies würde vor allem im Winter bedeuten, die Sonne geht regulär erst sehr spät, nach 9 Uhr morgens auf. Um zusätzliche Gefahren im Straßenverkehr zu vermeiden – Kinder müssten den Schulweg oft in Finsternis gehen – bringt die EU-Verkehrskommission Violeta Bulc in einem Positionspapier sogar eine Verschiebung des Schulbeginns ins Gespräch.

Laut einer Forsa-Umfrage halten nur noch 18 Prozent der Bundesbürger die aktuelle Zeitumstellung für sinnvoll. Im Jahr 2013 lag die Zustimmung immerhin noch bei 29 Prozent. Ein große Mehrheit wird also nicht erfreut sein, wenn am kommenden Sonntag die Uhr erneut um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt werden muss.

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