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Zehntausend!

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Von: Joachim Wille

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Wer teilnimmt, erfährt vielleicht am eigenen Leib, dass Entrümpeln nicht nur der Seele guttut, sondern auch die Umwelt schont. imago images
Wer teilnimmt, erfährt vielleicht am eigenen Leib, dass Entrümpeln nicht nur der Seele guttut, sondern auch die Umwelt schont. imago images © imago images

So viele Dinge besitzen wir im Durchschnitt. Wie wir das Chaos im Kleinen bändigen und damit auch dem großen Ganzen dienen, das erforscht das Projekt „Mein Ding!“

Ein viel gelesenes Buch aus den Anfangsjahren der Umweltbewegung hieß: „Die vielen Dinge machen arm“.Autor Peter Mosler zog darin 1981 gegen die – gegenüber heute freilich noch vergleichsweise schwach ausgeprägte – Konsumwelt zu Felde. Inzwischen ist das Problem der Überflussgesellschaft noch größer geworden. Es gibt aber auch eine Gegenbewegung. In den letzten Jahren sind etliche Konzepte rund ums Ausmisten und Entrümpeln von Wohnungen und Häusern entstanden: die KonMari-Methode, das DeathCleaning, die 30-Tage-Challenge, um nur drei zu nennen.

Die TU Berlin, der Online-Infodienst „co2online“ und das Berliner Forschungsinstitut Conpolicy haben nun ein Bürgerwissenschaftsprojekt aufgelegt, um zu erkunden, ob dieses „Decluttering“ (Entmüllen) dazu beitragen kann, langfristig weniger zu konsumieren – und damit Klima und Umwelt zu entlasten. Titel: „MeinDing!“.

Wohl kaum zu bestreiten: In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Gegenstände, die die Deutschen besitzen, enorm gewachsen. Vor 100 Jahren kam ein Haushalt mit rund 180 Gegenständen aus. Inzwischen horten die Deutschen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 10 000 Dinge in ihren vier Wänden.

In Selbstversuchen hat die Greifswalder Architektin Henrike Gänß vor Jahren einmal getestet, was das heißt. Sie zählte alles, was sie besaß. Sie kam auf 2506 Gegenstände mit einem Gesamtgewicht von rund 3,5 Tonnen. Nebeneinander gelegt, hätte das eine Strecke von 903 Metern und eine Fläche von 273 Quadratmetern ergeben. Judith Gebbe, eine BWL-Studentin aus Iserlohn, wiederholte das Experiment später. Sie war bei 2198 angekommen, als sie ihre Zählung entnervt abbrach, darunter 251 Kleidungsstücke, 237 Deko-Gegenstände, 122 Nägel und Schrauben, 100 Bücher, 100 alte Bravo, 21 Kugelschreiber, 17 Paar Schuhe, acht USB-Sticks, sechs Scheren, drei Trinkflaschen und zwei Stofftiere.

Interessant ist, wie Gänß ihre Dinge bewerte. Von den 2506 Gegenständen stufte sie nur 18,4 Prozent als wirklich wichtig („lebensnotwendig“) ein, der Anteil der nie bis fast nie genutzten Gegenstände betrug 46,5 Prozent, fast die Hälfte. Ein enormer Ressourcen- und Energieverbrauch also, der für mehr oder minder Unwichtiges verpufft.

Hier setzt das Mitmach-Projekt „MeinDing!“ an, für das nun Bürgerinnen und Bürger gesucht werden, die Erfahrungen beim Dinge-“Entschlacken“ machen und diese dann für eine wissenschaftliche Auswertung mitteilen wollen. Gefördert wird es vom Bundesforschungsministerium. Deutsche Haushalte seien vollgestopft mit Gegenständen, und die die meisten davon würden kaum oder gar nicht genutzt. „Der Kleiderschrank quillt über, der Schreibtisch ist voll, und selbst in der Abstellkammer ist schon lange nichts mehr abzustellen“, so beschreibt Projektleiterin Nadine Walikewitz vom co2online-Portal die Ausgangssituation.

Ziel der Aktion: „Weniger Zeug, dafür mehr Klarheit über die Sachen, die wir nutzen und wertschätzen.“ In dem Projekt wird in drei Phasen die eigene Gegenständeflut gecheckt, und dann gibt es Anleitungen zum Ausmisten und zum neuen Umgang mit den Dingen – alles online. Laut Umweltbundesamt produziert jede:r Deutsche jährlich im Durchschnitt 11,6 Tonnen Treibhausgase. Mit-Initiatorin Samira Iran von der TU Berlin geht davon aus, dass durch ein weniger „vollgerümpeltes“ Leben ein wichtiger Beitrag zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks einer Person geleistet werden kann. Allerdings könne es auch sein, dass das Entrümpeln und Platzschaffen sogar den Neukauf von Dingen anregt. „Diese möglichen ,Rebound-Effekte‘ sollen in dem Projekt daher besonders beachtet werden“, erläutert Iran.

Doch es geht bei der Aktion nicht nur um Umwelt und Klima. Denn: Viel zu haben, ohne zu wissen, was – das werde oft als psychische Belastung erlebt, erläutert Walikewitz. Und so könne das Entschlacken auch für mehr persönliche Lebensqualität sorgen.

Das Projekt startet im März und läuft über ein Jahr. Das Interesse an dem Projekt ist bereits groß, obwohl noch nicht viel Werbung dafür gemacht wurde. Es haben sich bereits über 500 Menschen angemeldet. Infos und Anmeldung: www.projekt-meinding.de

Ist das Kitsch oder kann das bleiben? imago images
Ist das Kitsch oder kann das bleiben? imago images © imago images

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