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Der Ziehvater von Kevin nimmt auf der Anklagebank in dem Verhandlungssaal des Landgerichtes in Bremen seinen Platz ein (Archivfoto vom 24.10.2007).

Fall Kevin

Zehn Jahre Haft für Ziehvater

Wegen der tödlichen Misshandlung des zweijährigen Kevin hat das Landgericht Bremen den Ziehvater zu zehn Jahren Haft verurteilt. Es blieb damit erheblich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Bremen (ap) - Wegen der tödlichen Misshandlung des zweijährigen Kevin hat das Landgericht Bremen den Ziehvater am Donnerstag zu zehn Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Es blieb damit erheblich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre Gefängnis wegen Mordes gefordert hatte. Die Richter folgten der Verteidigung, die eine Verurteilung des 43-jährigen Bernd K. wegen Körperverletzung beantragt hatte.

Die Strafkammer sprach den Angeklagten auch wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, aber erst nach drei Jahren verbüßter Haft.

Bernd K. hatte dem zweijährigen Kind immer wieder Knochen gebrochen, was am Ende zu einer tödlichen Embolie führte. Die Leiche wurde im Oktober 2006 in seinem Kühlschrank entdeckt. Der Ziehvater hatte mit dem Kind, nachdem dessen Mutter gestorben war, allein gelebt. Das Jugendamt hatte die Amtsvormundschaft übernommen.

Wann Kevin starb, ließ sich nicht mehr klären. Sozialarbeiter hatten ihn zuletzt im April 2006 gesehen. Schon lange vorher hatten die Behörden und Politiker immer wieder Hinweise auf Gewalttätigkeit des drogenabhängigen Vaters erhalten. Doch erst im Oktober 2006 suchte das Jugendamt Kevin mit Hilfe der Polizei und fand die Leiche. Sozialsenatorin Karin Röpke übernahm die politische Verantwortung und trat zurück.

Staat hat laut Böhrnsen bei Fürsorgepflicht versagt

Die Bremer Bürgerschaft setzte einen Untersuchungsausschuss ein, der später eine Mitschuld der Behörden an Kevins Tod feststellte.

Der zuständige Sachbearbeiter und der Amtsvormund von Kevin sind wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt. Der Prozess steht noch aus.

Wenige Stunden vor der Verkündung des Urteils gegen den Ziehvater räumte der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen in einem NDR-Interview ein, der Staat habe bei seiner Fürsorgepflicht für Kevin versagt.

"Wir haben uns alle in der Stadt, die Politik, die Bürgerinnen und Bürger vorgenommen, alles Menschenmögliche zu tun, damit sich so etwas nach Menschenmöglichkeit jedenfalls, nicht mehr wiederholen kann", betonte der SPD-Politiker. Eine ganze Reihe von Maßnahmen seien auf den Weg gebracht worden.

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