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„Argumente von Rechtsextremen“: Journalistin bezeichnet Holocaust-Planer auf Twitter als „Sozialisten“

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Von: Max Schäfer

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Szene des ZDF-Films „Die Wannseekonferenz“
Szene des ZDF-Films „Die Wannseekonferenz“: Anna Dobler bezeichnet die Nazis als „Sozialisten“ und muss sich den Vorwurf des Geschichtsrevisionismus gefallen lassen. © Julia Terjung/dpa

Eine Journalistin polarisiert mehrfach auf Twitter. Während des ZDF-Films „Die Wannseekonferenz“ geht sie mit ihren Aussagen zu weit – das hat Konsequenzen.

Wien/Frankfurt – Die Boulevardjournalistin Anna Dobler polarisiert immer wieder. Nun hat sie für einen Aufschrei auf Twitter gesorgt. Anlässlich des ZDF-Films „Die Wannseekonferenz“ zum 80. Jahrestag der Konferenz, bei der 1942 der millionenfache Massenmord an Jüd:innen geplant wurde, äußerte sich Dobler laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Montagabend (24.01.2022) so: „Das waren nicht nur Mörder, sondern auch durch und durch Sozialisten.“

Kurz darauf löschte Dobler den Tweet und erklärte sich: „Ich habe den Tweet gelöscht, weil es umstritten ist, ob die Nazis ‚durch und durch‘ Sozialisten waren.“ In der mittlerweile ebenfalls gelöschten Nachricht blieb die Boulevardjournalistin jedoch bei ihrer Äußerung. „Aber es gibt ausreichend Belege für sozialistische Tendenzen innerhalb des Nationalsozialismus“, erklärte Dobler laut RND und verlinkte einen Artikel der britischen Zeitung „Independent“ mit dem Titel „Hitler und der sozialistische Traum“. Die Belege nannte sie nicht. „Lernt ihr erstmal Geschichte“, forderte Dobler stattdessen ihre Kritiker:innen auf.

Gleichsetzung von Nazis und Sozialisten: „Argumente von Rechtsextremen“

Viele Nutzer:innen des sozialen Netzwerks warfen der Journalistin Geschichtsrevisionismus vor. „Das sind Argumente von Rechtsextremen und nicht Teil des Mainstreams, weder in der Geschichtswissenschaft noch sonst wo“, erklärte beispielsweise der Politikwissenschaftler und Zeithistoriker Florian Bieber auf Twitter.

Der Nazi-Vergleich hat für die Journalistin auch berufliche Konsequenzen. Doblers Arbeitgeber, das Boulevardportal Exxpress aus Österreich, distanzierte sich in einer Stellungnahme am Dienstagmorgen (25.01.2022) von ihrer Aussage und reagierte außerdem mit der sofortigen Entlassung. Die von Anna Dobler auf Twitter zum Film „Wannseekonferenz“ geäußerte Meinung entspreche keinesfalls jener der Redaktion, heißt es in einer Stellungnahme des Chefredakteurs Richard Schmitt und der Herausgeberin Eva Schütz. „Nein, die Nationalsozialisten, die den Holocaust planten und ausführten, waren keine ‚Sozialisten‘, wie Anna Dobler dies in ihrem Posting nachweislich falsch behauptet hat.“

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NS-Vergleich: Exxpress-Führung distanziert sich von Redakteurin

„Wir wollen nicht, dass unsere Redaktion, unser ganzes Team auch nur mit dem geringsten Verdacht einer möglichen Relativierung des Nationalsozialismus belastet wird. Wir wollen nicht, dass Sozialdemokratie derart falsch beschuldigt wird, wir wollen nicht, dass gute Freunde aus der Sozialdemokratie per Tweets gekränkt werden. Und wir werden auch stets falsche Aussagen richtig stellen“, heißt es in der Stellungnahme des Exxpress weiter. „Wir wollen auch nicht, dass Redakteure mit dieser Meinung bei uns weiter ihren Dienst versehen“, erklärt die Führung des Boulevardmediums und verkündete die Trennung des Exxpress von Anna Dobler.

„Ok, wow“, war die erste Reaktion Anna Doblers auf die Erklärung ihres Arbeitgebers. Exxpress-Chefredakteur Richard Schmitt habe sie gebeten, die Tweets zu löschen, so Dobler. „Ich verwehre mich auch ausdrücklich, mich in die Nähe von Geschichtsrevisionismus rücken zu lassen. Meine Urgroßeltern mussten wegen der Nazis ihre Spedition aufgeben. Ich habe die Nazis klar als das bezeichnet was sie waren: Mörder“, entgegnete die Journalistin ihren Kritiker:innen.

Die Debatte um ihre Äußerungen zu Nazis und Sozialist:innen sei von Linksaußen angeheizt worden, erklärte Anna Dobler auf Twitter. Das komme alles einer „öffentlichen Hinrichtung“ gleich, beklagte sie sich am Dienstag (25.01.2022). In Folge der Aufregung hat Dobler nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. (ms)

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