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Zahlenlifting

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Von: Thomas Roser

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Da war das Alter noch kein Thema: Karics Wahlkampf 2011.
Da war das Alter noch kein Thema: Karics Wahlkampf 2011. © imago images

Um so jung zu sein, wie er sich fühlt, will ein serbischer Unternehmer sein Geburtsdatum ändern lassen

Über ein langweiliges Leben kann sich der serbische Unternehmer Bogoljub Karic eigentlich kaum beklagen. Der im Kosovo geborene, aus einfachen Verhältnissen stammende Baulöwe machte schon in den Neunzigerjahren mit einer eigenen Bank sowie eigenem TV-Sender und selbst gegründeter Hochschule Furore.

Nach der Jahrtausendwende sorgte der steinreiche Tycoon verlässlich für Schlagzeilen – nicht nur als Präsidentschaftskandidat (2004) seiner eigenen Partei, sondern auch als wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten gesuchter Justizflüchtling. Fast elf Jahre lebte der erst 2016 nach Serbien heimgekehrte Karic im Moskauer Exil – und verstand es, in dieser Zeit seinen Wohlstand kräftig zu mehren.

Doch seine reiche Vita will der mittlerweile 68-jährige Mogul nun kräftig kürzen. Wie er in einer Presseerklärung in dieser Woche bestätigte, hat er bereits an seinem 65. Geburtstag offiziell die Änderung seiner bei der Stadtverwaltung in Kragujevac archivierten Geburtsurkunde aus der Kosovo-Stadt Pec (Peja) beantragt: Sein Geburtsjahr 1954 will er in 1974 umändern lassen.

Der italienische Trendsetter Silvio Berlusconi hat es vorgemacht. Blendend weiße Zähne, pechschwarzes Haar und eine faltenfreie, bis zum Anschlag gestraffte Haut: Für das Ideal der ewigen Jugend scheuen auch Männer auf dem Balkan weder Kosten noch Schönheitsoperationen. Einen ganz anderen Weg geht der umtriebige Karic: Mit Hilfe eines neuen Geburtsdatums will sich der vitale Altersverweigerer 20 Jahre jünger machen.

Als „einzigartige Persönlichkeit in der modernen serbischen Geschichte“ habe er seinen Verjüngungsantrag „im Namen all derjenigen gestellt, die sich nicht pensionieren lassen“ und Serbiens Rentenfonds „nicht zur Last fallen“ wollten, begründet Karic in der Presseerklärung sein Anliegen. „Physisch und psychisch“ sei er dank seines als „außerordentlich“ beschriebenen Gesundheitszustands „mindestens 20 Jahre jünger“ als das in seiner Geburtsurkunde vermerkte Geburtsjahr suggerieren würde: Deswegen müssten „diese Daten“ geändert werden. Das Alter sei die Zeit, in der sich „vitale Funktionen“ wie „intellektuelle und sexuelle Kräfte“ verringern würden, so Karic in seiner Erklärung.

Mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs sei er laut serbischem Rentenrecht zwar ein „alter Mensch“, doch dies würde keineswegs seinem „tatsächlichen persönlichen Zustand“ entsprechen: „Bogoljub Karic will der Rentenkasse nicht auf der Tasche liegen, sondern noch mindestens 20 Jahre mit voller Kraft das Budget der Republik Serbien füllen.“

Karic sei „total durchgeknallt“, titelt das Boulevardblatt „Kurir“. Karics Bruder Dragomir indes stellte klar: Bogoljub wolle mit seinem Antrag die in Serbien diskriminierten Rentnerinnen und Rentner mit der Botschaft „ermutigen“, dass das Alter egal sei und dass „ihr so jung seid, wie ihr euch fühlt“, erklärte Dragomir Karic.

Während heimische Rechtsexpert:innen dem Verjüngungsantrag nur wenig Erfolgschancen einräumen, hält der Kabarettist Zoran Kesic diesen für einen klugen Schritt: „Es ist viel eleganter und billiger, das Geburtsjahr zu ändern, als sich teuren und oft schmerzhaften Schönheitsoperationen zu unterziehen.“

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