Der Verkehrsclub Deutschland fordert Tempolimits von innerorts 30, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 Kilometern pro Stunde.
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Der Verkehrsclub Deutschland fordert Tempolimits von innerorts 30, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 Kilometern pro Stunde.

Straßenverkehr

Zahl der Verkehrstoten auf Tiefstand

Der Trend zu immer weniger schweren Unfällen hat sich 2019 fortgesetzt.

Noch nie seit Beginn der Statistik sind in Deutschland so wenige Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der Verkehrstoten sank um 6,6 Prozent auf 3059, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Mit rund 384 000 Fällen wurden auch 3,0 Prozent weniger Menschen verletzt.

Einen starken Anstieg verzeichnet die Statistik allerdings bei Unfällen von Pedelecs. Insgesamt starben bis einschließlich November 114 Fahrerinnen und Fahrer der Räder mit elektrischer Unterstützung, dies entspricht einem Plus von 32,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahl der Schwerverletzten stieg demnach um rund ein Fünftel auf 2452, wie das Bundesamt mitteilte. Es handele sich um die Fortsetzung einer Entwicklung, die bereits seit Jahren anhält, sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Hintergrund sei, dass vor allem ältere Menschen die Räder nutzten, die mit der möglichen Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern oft nicht umgehen könnten, so Brockmann. Der Unfallforscher schlug vor, das Maximaltempo der Räder an die körperliche Leistung zu koppeln.

Abhilfe würden zudem breitere und sicherere Radwege schaffen, auch im Bereich von Kreuzungen müssten Radfahrer besser geschützt werden, sagte der Experte. Die bisher angebotenen Sicherheitskurse für Senioren müssten attraktiver werden. Brockmann riet zudem dringend zum Tragen eines Helms. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) forderte eine grundlegende Umgestaltung der Innenstädte zugunsten des Radverkehrs.

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahrzehnten – allerdings mit kleinen Ausreißern. Eine bundesweite Statistik wird seit 1953 geführt. 2018 war ein Anstieg auf 3275 im Vorjahresvergleich verzeichnet worden, Grund waren unter anderem mehr getötete Fahrradfahrerinnen und -fahrer.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schrieb bei Twitter, alles dafür tun zu wollen, die „Vision Zero“, also null Verkehrstote zu erreichen. Dies gelte gerade für Radlerinnen und Radler.

Laut des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) reichen die bisherigen Maßnahmen nicht. Er forderte Tempolimits von innerorts 30, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 Kilometern pro Stunde.

Scheuer lehnt ein Tempolimit auf Autobahnen weiterhin ab. Ein Vorschlag des Umweltausschusses der Länderkammer für eine generelle Beschränkung von 130 Kilometern pro Stunde fand auch im Plenum des Bundesrats zuletzt keine Mehrheit. Auch Unfallforscher Brockmann kritisierte, die Bundesregierung habe das Ziel von 40 Prozent weniger Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 ausgegeben.

„Davon sind wir noch weit entfernt, das wären rund 2200.“ Nötig wären mehr Verkehrskontrollen und höhere Bußgelder, die „lächerlich niedrig“ seien. Die letzten Erhöhungen etwa für Falschparker hätten das System zudem aus dem Lot gebracht.

Die Polizei erfasste 2019 mit rund 2,7 Millionen erneut mehr Unfälle, der Anstieg betrug knapp zwei Prozent. Die Zahlen liegen für das Gesamtjahr vor, möglich seien noch einzelne Nachmeldungen der Polizei, sagte ein Sprecher. Die seit vergangenem Sommer in vielen Städten umherflitzenden E-Scooter sind noch nicht extra ausgewiesen. Ab wann dies der Fall sein werde, sei noch unklar.

Den bisher vorliegenden Ergebnissen von Januar bis November 2019 zufolge gab es den stärksten Rückgang bei getöteten Fahrerinnen und Fahrern von Motorrädern, Mopeds und Motorrollern – mit minus 15,1 Prozent. Auch weniger Fußgängerinnen und Fußgänger hatten tödliche Unfälle, die Zahl ging um sieben Prozent zurück.

Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen meldeten dem Bundesamt mehr Verkehrstote als im Vorjahr. Sonst sanken die Zahlen am stärksten in Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Gemessen an der Einwohnerzahl sei das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern am höchsten gewesen.

Trotz erfreulicher Entwicklungen meldete der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler: „Auf dem Rückgang der Verkehrstotenzahl dürfen wir uns nicht ausruhen. 3059 getötete Menschen im Straßenverkehr sind 3059 zu viel.“ Er erwarte von der Bundesregierung ein neues Verkehrssicherheitsprogramm. (Isabell Scheuplein, dpa)

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