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Bilder der Zerstörung: Von den Bars und Hütten am Strand von Carita ist so gut wie nichts mehr übrig.

Tsunami in Indonesien

Zahl der Opfer steigt weiter

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Drei Tage nach dem Tsunami in Indonesien ist die Zahl der Toten auf mindestens 429 Mensche gestiegen. Und noch immer werden viele Menschen vermisst.

Bei dem verheerenden Tsunami in Indonesien sind nach neuen Angaben mindestens 429 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 1485 Menschen seien verletzt worden, 154 weitere würden noch vermisst, sagte ein Behördenvertreter am Dienstag. Der Tsunami hatte am Samstagabend Küstengebiete der bei Urlaubern beliebten Inseln Java und Sumatra überschwemmt - ohne Vorwanung. 

Die ohrenbetäubenden Rhythmen der Rockband Seventeen übertönten das Rumpeln des nahe gelegenen Anak-Krakatau-Vulkans. Keiner der Konzertbesucher in einem Resort in Banten ahnte, dass ganz nahe feuersprühende Lavabrocken aus dem 813 Meter hohen Vulkan geschleudert werden. Und sie ahnten nichts von dem folgenden Tsunami – bis plötzlich eine Wasserwand hinter der Bühne auftauchte und die Musikband hinwegfegte.

Ein Überlebender der Rockband berichtete später: „Ich habe mich mit allen Kräften an einen Zaun geklammert, gegen den ich geschwemmt worden war, aber mir wäre fast die Luft ausgegangen.“ Die Frau des Sängers und ein Mitglied der Gruppe sollen ums Leben gekommen sein.

Sie gehören zu den mindestens 373 Toten, die es laut offiziellen Zahlen gegeben haben soll, als am Samstagabend ein Tsunami die Umgebung von drei Ortschaften entlang der Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra verwüstete. Die Flutwelle kam so überraschend, dass Sutopo Purwo Nugroho, der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutz, zunächst sogar alle Berichte über einen möglichen Tsunami dementierte.

Tatsächlich hatten die Messgeräte der Frühwarnsysteme nichts mitbekommen, weil es kein Erdbeben gegeben hatte. Wissenschaftler gehen davon aus, das massive Lavaströme des Anak Krakatoa unter Wasser für den plötzlichen Tsunami verantwortlich waren. Das „Kind des Krakatoa“, wie der Berg übersetzt heißt, wächst jährlich knapp sieben Meter, seit er 1927 plötzlich über dem Krater des früheren Krakatoa, der im Jahr 1883 explodierte, aus dem Meer auftauchte.

Der schwedische Fotograf Oystein Lund Andersen, der gegen 21.30 Uhr an einem Strand in West Java den Ausbruch fotografieren wollte, berichtete von einer Tsunami-untypischen Welle. Nach Erdbeben läuft das Meerwasser erst ab, bevor dann die Flutwelle über den Strand donnert. Am Samstag verursachte der Vulkan laut dem schwedischen Fotografen allerdings zwei solcher gigantischen Wellen. Oystein Lund Andersen meldete auf Twitter, dass es ihm gelungen sei, seine Familie aus dem Hotel zu holen und mit ihr auf einen nahe gelegenen Hügel zu flüchten.

Der Tsunami schwemmte indes Boote weit ins Landesinnere hinein und hinterließ Trümmerfelder entlang der Küste. Indonesiens Katastrophenschutz rief am Sonntag alle Indonesier auf, die Küsten entlang der Sundastraße zwischen dem Javameer und dem Indischen Ozean zu meiden. Die Behörden fürchten, dass weitere Lavaströme unter Wasser neue Flutwellen verursachen könnten.

Der Tsunami überraschte Indonesien fast auf den Tag genau 14 Jahre nach einer anderen verheerenden Flutwelle, die die Küste der Provinz Aceh nahezu völlig zerstörte, nur wenige überlebten. In Gedächtnis geblieben ist die Katastrophe auch, weil der Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 rund 5000 Menschen in Thailand tötete, darunter viele Wanderarbeiter aus Myanmar sowie zahlreiche Touristen aus Europa. Sri Lanka, Indien und die Malediven waren ebenfalls betroffen. Insgesamt sollen zwischen 220.000 und 300.000 Menschen ums Leben gekommen sein.

Nach dieser Katastrophe wurde in Südostasien mit internationaler Unterstützung ein umfassendes Alarmsystem eingerichtet. Dieses Mal hat es nichts genützt. Offenbar kam es unter Wasser an den Hängen des Anak Krakatau, der seit rund einem Jahr erhebliche Aktivität zeigt, zu großen Lavaaustritten, die massive Wassermengen verdrängten und so den Tsunami auslösten.

Der Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 – die erste große Naturkatastrophe in einer dank dem Telegrafennetz neu vernetzten Welt – forderte laut den damals in Indonesien herrschenden niederländischen Kolonialbehörden mindestens 36.000 Tote. Manche Schätzungen gehen sogar von 120.000 Toten aus. Die Explosion verursachte einen 40 Meter hohen Tsunami, der dreimal den Globus umrundete.

Vor allem verursachte die Asche weltweit fünf Jahre lang ein Absinken der Temperaturen um 1,2 Grad. Daraus folgte ein landwirtschaftliches Desaster. Erhebliche Missernten führten zu einer massiven Auswanderung von Europa nach Nordamerika.

Stärkere Vulkanaktivität in den vergangenen Jahren

Der spektakuläre Ausbruch des Anak Krakatoa in der Nacht zum Sonntag war weit entfernt von solch verheerenden Konsequenzen. Aber der pazifische „Ring des Feuers“ mit seinen vielen Vulkanen, auf dem Indonesien liegt, zeigte während der vergangenen Jahre zunehmende Aktivität.

Er war für das Erdbeben der Stärke 7,5 rund um die Stadt Palu in der indonesischen Sulawesi-Region Ende September verantwortlich. 2000 Menschen starben. Die meisten kamen in einem etwa drei Meter hohen Tsunami ums Leben – der von den Behörden zunächst übersehen wurde. (mit dpa und afp)

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